Wer das Kleingedruckte auf diesem Schild am Südring 17 liest, wird zumindest auf ein Bußgeld von 40 Euro hingewiesen. Dass die erwähnten „Rechtsverfolgungskosten“ den Betrag fast vervierfachen, lässt sich diesem Hinweis nicht entnehmen. © Sebastian Smulka
Verkehr

Unnas teuerstes „Knöllchen“ kostet mehr als 100 Liter Benzin

Es ist kein „Knöllchen“ mehr, das Doris Ebelt nun fürs Falschparken in Unna zahlen soll. Es ist eine ausgewachsene Knolle von Rekordformat. Einmal das Auto abstellen, wo es nicht hingehört: 156,79 Euro.

Die Privatisierung der Parkraumüberwachung in Unna schreitet voran. Sie beschränkt sich nicht mehr nur auf das Wirken von „Parksheriffs“, die in ihrer Freizeit Anzeigen ans Ordnungsamt aufgeben, um das Falschparken auf Bürgersteigen zu ahnden.

Es gibt inzwischen auch Profis, die den Besitzern privater Grundstücke im Kampf gegen Falschparker helfen und damit Geld verdienen. Eine, die dafür nun eine Rechnung zahlen soll, ist Doris Ebel. Und zwar eine Rechnung über 156,79 Euro – ohne Abschleppen.

Die Unnaerin hatte in der Innenstadt zu tun und wählte für die Fahrt das Auto. Am Südring erblickte sie viele freie Stellplätze auf einem Parkplatz, der mehreren Geschäften und Einrichtungen zugeordnet schien. Weil sie bei anderer Gelegenheit auch schon als Kundin dort geparkt hatte, stellte sie ohne Bedenken ihr Fahrzeug dort ab. Einen Monat später erhielt sie Post von einem „beim zuständigen Gericht zugelassenen Rechtsdienstleister“, wie es darin hieß.

Ihr werde das Falschparken auf einem Privatgrundstück zur Last gelegt. In Vertretung des Besitzers unterbreite man ihr nun ein Vergleichsangebot, damit der Fall nicht vor Gericht muss: 50 Euro für den Geschädigten, dazu aber auch noch Halterermittlungskosten, eine Pauschale für Post und Telekommunikation sowie Einigungskosten und auf alles drauf noch 19 Prozent Mehrwertsteuer. Endbetrag: besagte 156,79 Euro.

Hinter dieser Forderung steht ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell im Ahnden von Parkverstößen auf Privatgrundstücken liegt: Die Firma Euro Collect GmbH aus Monheim am Rhein, bekannt auch unter der Marke „Park & Collect“. Grundbesitzern, die ein regelmäßiges Problem mit unerwünschten Parkgästen auf ihren Flächen haben, verspricht die Firma eine effiziente Problemlösung und überdies eine Provision. An den Strafgeldforderungen verdienen also Anbieter und Kunden gemeinsam. Letztere wirken allerdings am Erfolg der Aktion mit, indem sie Parkverstöße selbst dokumentieren und melden.

Drastisches Mittel gegen teils dreiste Falschparker

In diesem Fall war es der Unnaer Therapeut und Erfinder Dr. Klaus Berndsen, der sich mit Nachbarn zusammengeschlossen hat, um der Firma aus Monheim einen Auftrag zu erteilen. Ihm sei klar, dass es ein drastisches Mittel sei. Aber es sei auch notwendig, weil alle zuvor ergriffenen Mittel nichts bewirkt hätten.

„Es ist dramatisch, wie diese Fläche zugeparkt worden ist. Unseren eigenen Leuten steht sie dann aber nicht mehr zur Verfügung. Manche Falschparker zeigen eine Dreistigkeit, gegen die ansonsten nichts hilft“, sagt Dr. Berndsen. Gerade nach Wochenenden sei die Fläche oft verdreckt, weil Menschen dort nicht einfach ihr Auto abgestellt, sondern auch Zigarettenkippen weggeworfen oder sogar mitgebrachten Müll ausgeladen haben. An einem Wochenende sei sogar ein Wohnmobil auf einen längeren Halt am Südring gewesen. Auf direkte Ansprache der Falschparker habe er mehrfach sehr aggressive Entgegnungen vernommen.

„Manchmal fragt auch jemand bei uns, ob wir etwas dagegen haben, wenn er sein Auto bei uns abstellt. Dann ist es meistens auch okay für uns“, betont Dr. Berndsen. Aber gegen das Problem im Großen und Ganzen wüssten er und seine Nachbarn keine andere Lösung. „Wir machen das nun seit ein paar Wochen, und es scheint etwas zu bewirken. Da hat sich schon was verändert – vielleicht schreckt es ja wirklich ab.“ Im Falle von Doris Ebelt ist das tatsächlich der Fall. Sie findet die Höhe des Strafgeldes absolut unangemessen. „Ich möchte jedermann warnen, dort sein Auto zu parken.“

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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