Mehrere Anwohner des Dortmunder Flughafens schildern, dass sie von Flugzeugen überflogen worden seien, die normalerweise mit mehr Abstand an ihren Häusern vorbei fliegen. Doch die Auswertung der Radarspuren belege dies nicht, erklärt die Aufsichtsbehörde mit Verweis auf Daten der Flugsicherung. © picture alliance / dpa

Rätselhafte Routen: Massener sichten den nächsten „Geisterflieger“

Erneut wollen Menschen aus Massen ein Flugzeug dort ausgemacht haben, wo es nichts zu suchen hätte. Doch öffentlich einsehbare Quellen geben keinen Aufschluss. Der Flieger ist ein Phantom.

Auch am Himmel gibt es Straßen, zumindest für Flugzeuge der kommerziellen Luftfahrt. Immer wieder gibt es aber auch Meldungen, dass sich Flugzeuge untypisch von diesen Linien entfernen. Nun kommt eine weitere hinzu. Und mit ihr kommt ein weiteres Rätsel auf.

Das entsprechende Flugereignis soll sich bereits am vergangenen Samstag zugetragen haben. Einer der Ohren- und Augenzeugen war Ortsvorsteher Dr. Peter Kracht. Gegen 22.11 Uhr vernahm er ein ungewöhnlich lautes Triebwerksgeräusch, so als ob ein großer Verkehrsflieger genau über sein Haus in Niedermassen fliegen würde. Und das muss auch passiert sein.

Kracht ging ans Fenster, sah die Positionslichter einer Maschine, die in ungewöhnlich flachem Steigflug nach Norden davon zog. „Die war schon ordentlich groß, kein Sportflugzeug“, beteuert Kracht. Der Ortsvorsteher machte sich daran, Daten zu sichern, um diesen Überflug einmal genau dokumentieren zu können. Doch dieses Flugzeug hatte etwas von einem Phantom.

Krachts erster Zugriff im Internet galt dem Abflugplan des Dortmunder Flughafens. Doch dieser war offenbar schon abgearbeitet für jenen Tag, ein Abflug zu der Zeit nicht mehr zu erkennen. Kracht öffnete die Internetseite Flightradar24, die in Echtzeit die Radarspuren des Luftverkehrs darstellt, doch auch dort schien der Himmel über Unna gerade verwaist.

Dass in Massen Flugzeuge gesehen werden, deren Vorhandensein im Nachhinein nicht bestätigt wird, ist nichts Neues. Im vergangenen Jahr soll es beim Dortmunder Flughafen mehrere Hinweise auf Flugzeuge gegeben haben, die sich schon frühzeitig von der vorgegebenen Route verabschiedet hätten, so bestätigte es der Flughafen selbst seinerzeit.

Auch die Bezirksregierung Münster als Aufsichtsbehörde und die Deutsche Flugsicherung gingen der Sache nach, sicherten die Auswertung von Radarspuren zu – mit dem Befund, dass es keinerlei Abweichungen gegeben habe. Dabei hatten einige der Hinweisgeber sogar die Fluggesellschaften benannt, denen sie ein zu frühes „Abdrehen“ aufs Reiseziel nachsagten.

Eigentlich geht es über Unna lange geradeaus

Im Landeanflug auf den Flughafen Dortmund oder nach dem Start dort in Ostrichtung passieren die großen Verkehrsflieger den Luftraum über Unna in einer verlängerten Linie mit der Piste, also in Kompassrichtung 240 oder 60 Grad. Beim Start sollen Piloten die Maschine zehn Kilometer geradeaus steuern, bevor sie den Korridor verlassen und Kurs aufs Ziel setzen. Dies geschieht demnach bei Nordlünern in einer Flughöhe von rechnerisch 915 Metern. Für einen Landeanflug begeben sich Piloten noch weiter entfernt auf die gerade Linie: Ab Bönen-Flierich geht es für sie 15 Kilometer weit geradeaus bis zum Aufsetzen auf der Piste.

Ausgenommen von dieser Regelung sind kleine Sportflugzeuge, die nach Sicht fliegen. Sie orientieren sich an markanten Punkten in der Landschaft, um eine Route zu wählen, die die Bebauung umgehen soll, soweit dies möglich ist.

Dass von dem Flieger am Samstag kaum Spuren vorliegen, lässt durchaus Deutungen zu. Der Flugplan des Flughafens Dortmund im Internet wird laufend aktualisiert, ein erfolgter Abflug aus der Liste ausgeblendet. Und: Einige Flugbewegung stehen tatsächlich gar nicht erst auf dem Flugplan drauf, zum Beispiel von Charter-, Sport-, Fracht- und Krankentransportflügen. Auf dem „Flightradar“ wären diese Flieger allerdings zu sehen – sofern sie zur zivilen Luftfahrt gehören. Denkbar wäre nach einem bestätigten Anflug in der vergangenen Woche ein weiterer Übungsflug der Luftwaffe. Bestätigt ist dies aber nicht: Sowohl der Flughafen als auch die Deutsche Flugsicherung mussten Anfragen unserer Redaktion vorerst unbeantwortet lassen.

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Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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