Ein Junge sitzt in einem abgebrannten Flüchtlingslager in Myanmar. Es sind Bilder wie diese, die eine Gruppe Unnaer zum Handeln bewegen. Sie engagieren sich für ein neues Hilfsprojekt. © picture alliance/dpa/ZUMA Wire

„Nest“ für eine Flüchtlingsfamilie: So wollen Unnaer Menschen retten

In der Flüchtlingskrise leiden besonders Kinder, und sie ist noch längst nicht vorbei. Gegen die Gleichgültigkeit formiert sich ein Projekt: So wollen Bürger Menschen retten und ihnen eine Chance geben.

Flüchtlingslager, ob in Griechenland oder Afrika, sind für Leute in Westeuropa weit weg. Schreckliche Bilder in Zeitungen oder Nachrichten berühren die Menschen. Die meisten aber schalten schnell wieder um zu ihrem Alltag. Was kann man schon machen? Man kann sich zusammentun und gemeinsam etwas auf die Beine stellen: Mit „Unser Nest“ wollen Unnaer geflüchteten Menschen nicht nur kurzfristig Obdach geben, sondern auch eine Chance auf ein besseres Leben.

Mechthild Terhorst und Volker Schreiber stellen „Unser Nest“ vor. Das Projekt ermöglicht eine längerfristige Unterstützung einer Flüchtlingsfamilie in Unna. © Raulf © Raulf

Die dramatischen Berichte aus Flüchtlingslagern haben 19 Menschen aus Unna bestärkt, sich für ein neues Projekt zu engagieren. „Die Menschen in diesen Lagern haben ihre Heimat verloren“, betont Volker Schreiber. Er nimmt gemeinsam mit Mechthild Terhorst eine Art Sprecherfunktion für die Gruppe ein, die sich „UNser NesT“ nennt. „NesT“ steht für ein Bundesprogramm namens „Neustart im Team“. Die Unnaer Initiative hat das lokale „UN“ noch davorgesetzt.

Folgendes ist geplant: In ein paar Monaten – man rechnet mit Herbst – soll eine Familie, die derzeit noch in einem Flüchtlingslager ausharren muss, nach Deutschland kommen und in Unna eine sichere Bleibe finden. Wer diese Menschen sind und woher sie stammen, ist bisher nicht bekannt. Das genaue Herkunftsland aber ist Mechthild Terhorst, Volker Schreiber und ihren Mitstreitern einerlei, denn sie wissen, dass gerade Kinder in diesen Lagern nicht bleiben sollten, weil sie dort gefährdet sind.

Ehrenamtliche sichern Wohnung und Hilfe zu

Diese Familie soll in Unna eine Wohnung bekommen, die die Ehrenamtlichen ab sofort suchen. Die „Nest“-Gruppe stellt sicher, dass für zwei Jahre die Nettokaltmiete bezahlt wird. Außerdem unterstützen die Ehrenamtlichen die Neuankömmlinge bei allen Herausforderungen des täglichen Lebens, seien es Sprachkurse, die Eröffnung eines Kontos, die Regelung der Krankenversicherung oder Behördengänge. Mechthild Terhorst engagiert sich schon seit Jahren an verschiedenen Stellen für geflüchtete Menschen, unter anderem in der Initiative „Weltoffen“. Daher weiß sie, welche wichtigen Beiträge Ehrenamtliche leisten können, damit Schutzsuchende bessere Chancen haben, Fuß zu fassen. Bei Behördengängen beispielsweise würden Flüchtlinge erfahrungsgemäß ganz anders wahrgenommen, wenn sie in Begleitung sind. „Ich möchte gerne ganz konkret helfen“, sagt die Unnaerin.

Dass Planungen und Absprachen coronabedingt nur mit solchen Videokonferenzen erfolgen können, tut der Begeisterung für das Projekt keinen Abbruch. © Privat © Privat

An dieses ehrenamtliche Engagement vor Ort ist das Projekt gebunden. „Nest“ ist ein ergänzendes Aufnahmeprogramm für bundesweit zunächst 500 Flüchtlinge.

Aufnahmeprogramm für anerkannte Flüchtlinge

Sie sind durch das Flüchtlingshilfswerk UNHCR anerkannt und können aus einem Erstaufnahmeland einreisen, in dem sie nicht dauerhaft bleiben können. Kern des Projekts ist die enge Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Kräften. Die 19 Ehrenamtlichen aus Unna – unterschiedlichste Menschen zwischen 17 und 79 Jahren, die sich dazu verpflichtet haben, sind seit einigen Wochen mit der Organisation und Antragstellung beschäftigt. Das war unter Coronabedingungen nicht einfach. So mussten Besprechungen weitgehend „online“ stattfinden. Der Motivation tat das keinen Abbruch. „Wir freuen uns alle, im Herbst eine Familie hier begrüßen zu können“, sagt Mechthild Terhorst.

Unterstützung für das Projekt

Das Projekt erhalte erfreulich verlässliche Unterstützung, vor allem von der Katholischen Kirchengemeinde und der Stadt Unna, berichten die beiden Sprecher. Nun suchen sie weitere Unterstützer: Wer Geld spendet, hilft unter anderem bei der Mietfinanzierung. Und wer eine geeignete Wohnung zu vermitteln hätte, würde einen wichtigen Baustein liefern, damit „Unser Nest“ gelingt.

Informationen zum Nest-Projekt allgemein gibt es auf den Internetseiten www.bamf.de und www.neustartimteam.de

Dieser Anhang ist aus technischen Gründen aktuell nicht verfügbar.

Die Gruppe „Unser Nest“ sucht ab Oktober 2021 eine Wohnung oder ein Haus, in dem eine fünf- bis sechsköpfige Familie zur Miete wohnen kann. Außerdem sind Geldspenden zur Finanzierung des Projekts willkommen. Das Konto bei der Kirchengemeinde St. Katharina: IBAN DE98 4726 0307 0034 5324 04 (Verwendungszweck „Spende UNser NesT“). Kontakt: m.terhorst@helimail.de; volschreiber@t-online.de

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