Hüseyin Karadogan hätte eigentlich jeden Grund zur Freude: Sein „Café Ambiente“ ist frisch saniert und wartet auf Kundschaft. Aufgrund des Lockdowns verkauft er momentan jedoch nahezu nichts. © Vivien Nogaj
Gastronomie

„Ich verkaufe einen Kaffee pro Tag“: To-go-Geschäft lohnt sich nicht

Den Start des To-go-Betriebs in seinem frisch sanierten Café Ambiente hatte sich Hüseyin Karadogan vielversprechender vorgestellt: Seit einer Woche hat er wieder geöffnet, Kunden kommen jedoch kaum.

Seit rund einer Woche bietet Hüseyin Karadogan in seinem Café Ambiente in der Massener Straße wieder Getränke zum Mitnehmen an. Nach dem Wasserschaden im vergangenen Jahr und den Wintermonaten im Lockdown sollte der To-go-Verkauf nun einen Neuanfang darstellen. Allerdings, merkt Karadogan jetzt, läuft es nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte.

„Ich habe heute bis 16 Uhr einen einzigen Kaffee verkauft. Das war alles.“

Hüseyin Karadogan, Inhaber Café Ambiente

„Ich habe heute bis 16 Uhr einen einzigen Kaffee verkauft“, sagt er. „Das war alles.“ Fast muss der Gastronom bei dieser Aussage lachen, obwohl ihm eher nach Weinen zumute wäre, wie er sagt. Denn eigentlich hatte sich Karadogan vorgenommen, zumindest 40 oder 50 Euro am Tag einzunehmen. Jetzt sind es 50 Euro in einer Woche. „Da kann ich den Laden lieber gleich geschlossen lassen. Strom für die Beleuchtung, den Kühlschrank und die Kaffeemaschine laufen zu lassen kostet mich mehr, als ich einnehme.“

Psychische Belastung nimmt zu

Das Schlimmste sei für ihn derzeit die psychische Belastung: „Irgendwann will der Kopf einfach nicht mehr. Man sitzt bis nachts wach und überlegt sich neue Konzepte; aber die nützen einem nichts, wenn man nicht öffnen darf.“ Auch das Betreiben der Außenfläche würde dem Gastronom schon weiterhelfen, aber dies bleibt dem Café-Inhaber, ebenso wie seinen Berufskollegen, seit geraumer Zeit verwehrt.

Die neuen Möbel im Café Ambiente konnten bislang noch nicht genutzt werden. © Vivien Nogaj © Vivien Nogaj

Stattdessen sitzen er und seine Frau, die ebenfalls dort beschäftigt ist, im Café und warten auf Kundschaft. Diese bleibt jedoch aus. Woran das liegt, kann Karadogan nur vermuten. „Vielleicht kaufen sich die meisten Menschen nun einen Kaffee auf die Schnelle beim Bäcker. Das gemütliche Sitzen im Café fällt ja ohnehin weg.“

Café-Betreiber lebt von Rücklagen und Elterngeld

Dabei würde sich Karadogan nichts sehnlicher wünschen, als endlich wieder Gäste zu empfangen: „Der Laden ist nach dem Wasserschaden so schön renoviert worden, ich will ihn nur einmal gefüllt mit Leben sehen“, sagt er. „Das ist mein Traum.“ Sofern das möglich ist, habe er auch keinen Zweifel daran, dass das Geschäft wieder läuft. Bis dahin muss der Gastronom jedoch um seine Existenz bangen: „Momentan leben wir vom Ersparten und vom Elterngeld meiner Frau.“

Umso mehr hofft die Familie mit jedem kommenden Monat, dass es eine Perspektive für Gastronomen gibt. Denn Pläne für die Zukunft hat Karadogan genug: „Wir wollen eine erweitere Speisekarte anbieten und donnerstags, freitags und samstags auch abends für jüngeres Publikum geöffnet bleiben“, sagt er. Bis es soweit ist, will Karadogan noch durchhalten: „Das schaffen wir jetzt auch noch.“

Über die Autorin
Geboren 1992 mitten im Ruhrgebiet (Bottrop) und aufgewachsen am Rande des Münsterlandes (Dorsten), hat es sie zum Studieren nach Bielefeld verschlagen (die Stadt gibt es wirklich ;-)). Nach beruflichen Zwischenstationen in Braunschweig, Berlin und Aachen ist sie froh, wieder zurück im Pott zu sein und Geschichten für Unna zu schreiben. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, hört sie gerne Musik, wandert im Grünen oder faulenzt mit einem guten Buch im Café.
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