Corona-Abi 2021 am Ernst-Barlach-Gymnasium: Fabienne Esmée Tengler hat gerade ihre Englisch-Klausur geschrieben, neben ihr steht Schulleiter Ulrich Schmitz. © Udo Hennes
Abiturprüfungen

270 Minuten Klausur mit Maske: So fühlt sich das Corona-Abi in Unna an

Der erste echte „Corona-Jahrgang“ schreibt im Moment die Abiturprüfungen. Das ganze letzte Schuljahr und die Klausurphase überschattet vom allgegenwärtigen Virus. Wie fühlt sich das an?

„Also die Maske nehme ich irgendwann schon gar nicht mehr wahr“, sagt Fabienne Esmée Tengler. Sie kommt gerade aus der Englisch-Abiturklausur und steht vor dem Haupteingang des Ernst-Barlach-Gymnasiums. Die Klausur sei ganz gut gelaufen, berichtet die 18-Jährige, mit dem Stoff sei sie ganz gut zurecht gekommen.

Keine Abiturphase wie jede andere

Eins ist jedoch klar, das ist keine Abiturphase wie jede andere.

„Beim Abitur im letzten Jahr haben die Schüler zwei Wochen Unterricht versäumt und damals dachten wir schon, dass das eine Katastrophe wäre“, erinnert EBG-Schulleiter Ulrich Schmitz an den Abi-Jahrgang 2020. „2021 war das ganze Schuljahr betroffen, das hat die Abiturienten voll erwischt.“ 270 Minuten dauert die Klausur trotzdem, die Maske darf man nur zum Trinken und Essen abnehmen, und wer jetzt meint, dass die Prüfungsaufgaben deshalb irgendwie einfacher würden, der irrt.

Geschenkt wird einem das Corona-Abi auf keinen Fall, lautet das Urteil von EBG-Schulleiter Ulrich Schmitz nach einem Blick auch die Klausurfragen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Schulleiter: „Das Corona-Abi wird einem nicht geschenkt“

„Als wir uns heute Morgen die Klausuren angesehen haben, dachten wir aber auch sofort: ,Also geschenkt wird denen da nix“, urteilt Schmitz. Die Maske, also das was von vielen in Corona-Zeiten als große Einschränkung wahrgenommen wird, hat auch Lars Schmidt gestört. „Ich habe noch Sport-Leistungskurs und da haben wir auch Sport mit Maske gemacht, das geht alles, man gewöhnt sich dran.“

Lars Schmidt kommt gerade aus der Abi-Prüfung. Die Maske merkt er schon gar nicht mehr, © Udo Hennes © Udo Hennes

Was den Unterricht und die Prüfungen angeht, muss sich das Gymnasium flexibel aufstellen. „Es gibt für die Abiturienten an den Klausurtagen keine Testpflicht. Die Schülerinnen und Schüler können den Test verweigern. Wir müssen aber dennoch sicherstellen, dass alle schreiben können. Dann eben mit dem entsprechenden Abstand und Maske“, erklärt Schulleiter Schmitz.

Räume für die Klausuren gibt es am EBG genug

Dafür würden jeden Tag die entsprechenden Räumlichkeiten vorgehalten. Einer dieser Räume ist die Schulaula, wo normalerweise 400 Menschen Platz finden, können nun 36 Abiturienten mit Abstand ihre Klausur schreiben. „Mit den Räumen haben wir da kein Problem, das können wir je nach Bedarf einrichten, ob es nun Getestete mit weniger oder Ungetestete mit dem 1,5m Abstand sind, spielt dabei keine Rolle.“

Fabienne Esmée Tengler ist Stufenleiterin des Abi-Jahrgangs am EBG. Eigentlich wäre sie jetzt neben den Klausuren auch noch in der heißen Phase der Vorbereitungen des Abi-Balls. © Udo Hennes © Udo Hennes

Das komplette letzte Schuljahr unter dem Eindruck von Corona macht sich aber noch an anderer Stelle bemerkbar.

Abiball, Stufenfahrt, Abisturm – alles fällt aus

Abiball gibt es nicht, Stufenfahrt ist ausgefallen, Feten oder Abisturm sind auch ins Wasser gefallen. „Ich bin da schon traurig, da ist dann alles einfach so vorbei, ohne, dass man das noch mal feiern konnte“, sagt Fabienne Esmée Tengler. Sie ist Stufenleiterin und eigentlich wäre die ganze Planung der Festlichkeiten und des Abi-Spaßes ihre Sache gewesen. „Naja, so konnte ich mich halt mehr auf die Prüfungen konzentrieren“, lacht sie. Nach dem Abi will sie ein Au-Pair-Jahr in den USA machen – „vorausgesetzt das mit dem Abi klappt und natürlich, und auch vorausgesetzt, dass sich das in der jetzigen Lage realisieren lässt“, schränkt die Schülerin ein.

Es sei ja eigentlich das letzte Schuljahr, das einen Jahrgang noch einmal ganz besonders eng zusammenschweißt, gerade mit den ganzen Feten und dem Drumherum beim Abitur. „Da das nun alles weggefallen ist, befürchte ich, dass sich der Kontakt zu vielen Mitschülern recht schnell verlieren wird. Die müssen ja auch alle schauen, wo es hingeht.“ Ein Studium aufnehmen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, das alles stehe ja auch unter dem Einfluss von Corona. Das Virus macht den Übergang von der Schule ins Berufsleben jedenfalls nicht einfacher.

Bei der Zeugnisübergabe 2020 schon Erfahrung gesammelt

Wie das mit der Übergabe der Zeugnisse wird, will Schmitz noch genau planen, dort habe man ja im vergangenen Jahr bereits Erfahrungen sammeln können „da können wir nun schauen, was hat gut funktioniert und was kann man noch besser machen“, sagt der Schulleiter. „Schön ist das aber alles nicht.“

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt