Patrick Eisenblätter ist ein Dortmunder Junge und spielt seit drei Jahren für den SV Bausenhagen auf dem Lande. © Hoffmann
Fußball

Lieber Dorfverein statt Top-Klub: „Kohle ohne Ende – so stirbt der Amateurfußball“

Ein Dortmunder Junge trägt stolz das Trikot des SV Bausenhagen. Patrick Eisenblätter kritisiert das finanzstarke Auftreten der Topklubs im Kreis, denn „so stirbt der Amateurfußball.“

Jubel-Arien über den Klassenerhalt sehen auf der Bausenhagener Alm eigentlich anders aus. In der Corona-Saison kommt dem Liga-Schlusslicht der Kreisliga A (2) die Annullierung eher ganz gelegen, um sich für die neue Saison entsprechend neu zu positionieren. Helfen dabei will weiterhin ein Dortmunder Junge, den es zum Fußball ausgerechnet aufs Land gezogen hat.

So kurios ist das aber auch wieder nicht, denn schon 2018 kam mit Marko Schott ein renommierter Trainer zum SV Bausenhagen, der ansonsten in der Metropole Dortmund und vor allem höhere Teams trainiert. Im Schlepptau hatte der damals Patrick Eisenblätter, der mittlerweile Co-Trainer an der Seite von Basti Hoffmann ist – und sich auf der „Alm“ pudelwohl fühlt.

Eigentlich wollte Patrick Eisenblätter bei RW Unna Fußball spielen

Zusammen mit seiner Familie (ein Sohn, 3) ist Software-Entwickler Eisenblätter nach Unna in den Schützenhof gezogen. „Und weil der quasi fast gegenüber vom Sportplatz von RW Unna liegt, wollte ich eigentlich da wieder Fußball spielen“, sagt der ehemalige Mittelfeldmann des A-Kreisligisten SuS Oespel-Kley. Schott aber lockte ihn gleich einige Kilometer weiter nach Bausenhagen.

Patrick Eisenblätter (am Ball) hat lediglich bei den Stadtmeisterschaften schon einmal ein Tor für den SV Bausenhagen erzielt.
Patrick Eisenblätter (am Ball) hat lediglich bei den Stadtmeisterschaften schon einmal ein Tor für den SV Bausenhagen erzielt. © Neumann © Neumann

In dieser Saison aber bremste ein Kreuzbandriss (Innen- und Außenmeniskus ebenfalls gerissen) am dritten Spieltag den 30-Jährigen aus, der sich fortan auf seine Tätigkeit als Co-Trainer konzentrierte. „Ich bin ein Externer und habe den Blick von Außen, das dürfte uns sicher weiterhelfen“, sagt er und weiter: „Ich kann alles – außer Tore schießen.“ Gut, bei den Fröndenberger Stadtmeisterschaften hat er schon einmal getroffen.

Ob und wann er nach seiner Verletzung wieder auf dem Platz stehen kann, werde sich zeigen. „Ich sehe mich eher als Back-up-Spieler, werde keinem jüngeren Spieler den Platz wegnehmen“, sieht er alles recht unproblematisch und locker.

Das eben sei auch der Charakter der Mannschaft des SV Bausenhagen. „Wir hatten zwar nur einen Punkt, aber die Stimmung war nicht katastrophal“, erklärt Patrick Eisenblätter, der auch aktuell online die Zoom-Trainingseinheiten leitet. „Da sind immer mindestens 15 Spieler dabei. Die Kameradschaft und der Zusammenhalt in Bausenhagen sind töfte, da spielt keiner für Geld“, sei auch ihm das Finanzielle nie wichtig gewesen.

Otto-Normal-Mannschaft hat gegen finanzstarke Teams keine Chance

Und Eisenblätter kennt die andere Seite: „Mit dem SuS Oespel habe ich damals schon in der Dortmunder Kreisliga gegen den TuS Bövinghausen gespielt – Kohle ohne Ende. Da macht es für die Otto-Normal-Mannschaft keinen Sinn, gegen die zu spielen.“ Und weiter: „In unserer Liga sieht das ja mittlerweile nicht anders aus. So stirbt der Amateurfußball.“

Da lobt er sich den Dorfverein SV Bausenhagen mit seiner über Jahre gewachsenen Struktur. „Die Mannschaft hat mich sofort unkompliziert aufgenommen“, freut sich Patrick Eisenblätter. „Hier fühle ich mich heimisch und gebraucht.“

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Thorsten Teimann

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