Fußballerinnen in Herrenteams? Die meisten Frauen - hier jubelt der BSV Heeren mit Ramona Schnatmann (rechts) - können sich das nur schwer vorstellen. © pal
Fußball

Frauen in Mixed-Teams: „Der Trainer kann mich gerne anrufen, wenn er mal einen Sechser braucht“

In den Niederlanden können ab Sommer Männer und Frauen gemeinsam in einem Fußballteam spielen. Die heimischen Fußballerinnen haben dazu ihre Meinung - und eine originelle Idee.

Es wirkt kurios, wird aber ab Sommer so praktiziert: Der Niederländische Fußballverband erlaubt ab Sommer auf Amateurebene gemischte Teams, in denen Frauen und Männer gemeinsam Fußball spielen. Aber ist das in Deutschland möglich – und gewollt? Die heimischen Fußballerinnen haben eine klare Meinung – und eine originelle Idee.

Alina Behling (17) von der Damen-Mannschaft des Kamener SC möchte nicht so recht dran glauben, dass sich Fußball in gemischten Teams durchsetzt. „Ob das so gut ist?“, fragt sie sich. „Allein die körperliche Statur ist so unterschiedlich.“ Und: „Ich habe mit den Mädels mehr zu tun und würde auch gerne weiter in einer Frauenmannschaft spielen.“

Akzeptanz für den Frauenfußball steigt im Verein

Gespannt verfolgt auch Anna Koepe von Rot-Weiß Unna die Entwicklung. Sie kann dem Ganzen etwas Positives abgewinnen: „Wir haben im Verein – zumindest im Juniorenbereich bis zur B-Jugend – bislang gute Erfahrungen damit gemacht, dass Mädels bei den Jungen mitgespielt haben. Das hat auch für die Jungs dazu geführt, dass die Akzeptanz für den Mädchen- und Frauenfußball merklich gestiegen ist.“

Anna Koepe trainiert die Kreisliga-Fußballerinnen von RW Unna. © RWU © RWU

Im Seniorenbereich sieht sie Mixed-Teams insbesondere für die leistungsstarken Frauen als Option, leistungsgerecht im nahen Umfeld Fußball zu spielen. Kritik gibt’s aber auch: „Ich sehe es kritisch, dass dadurch der Frauenfußball natürlich noch mehr ausgedünnt werden könnte, wenn einige aktive Spielerinnen zu den Männern wechseln.“

Frauen sind taktisch genauso gut geschult wie Männer

„Die Idee ist sehr cool“, sagt auch Darlen Kramer vom Holzwickeder SC. Die 24-Jährige hat schon bei Hobbyturnieren mit den Jungs zusammen gespielt. „Da habe ich immer gut mitgehalten. Frauenfußball ist ja von der Qualität genauso gut, wir sind taktisch genauso gut geschult und schießen ebenso schöne Tore.“ Sie bezweifelt dennoch, dass der gemischte Fußball eine Zukunft hat. „Tatsächlich sind die Männer robuster und schneller, sie verfügen eben über eine andere Genetik.“

Darlen Kramer vom Holzwickeder SC hat schon bei Hobbyturnieren mit den Jungs in einem Team gespielt. Durchsetzen werde sich das im Meisterschaftsbetrieb aber nicht.
Darlen Kramer vom Holzwickeder SC hat schon bei Hobbyturnieren mit den Jungs in einem Team gespielt. Durchsetzen werde sich das im Meisterschaftsbetrieb aber nicht. © HSC © HSC

Durchsetzungsvermögen und einen starken Willen hat indes Ramona Schnatmann von den Landesliga-Fußballerinnen des BSV Heeren beim Fußball mit ihren Brüdern gelernt. „Ich hab schon früher lieber gegen Jungs gespielt“, sagt sie. Aber: „Die körperlichen Voraussetzungen sind halt anders. Das wird sich nicht durchsetzen.“

Die Spielführerin der Damen hat aber eine Idee: „Ich fände das im Hobbybereich ganz witzig, wenn die Altherren gegen die Damen spielen“, hat sie schon ein Testspiel vor ihrem geistigen Auge. Und: „Sollte sich das in Deutschland erstaunlicherweise durchsetzen, dann kann mich unserer Herrentrainer Christoph Golombek gerne anrufen, wenn er mal einen ehrgeizigen Sechser braucht.“

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Redaktion Lokalsport
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Thorsten Teimann
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