VfL-Sport-Chef Olaf Haeseler (rechts) und einige Spieler konnten sich am Sonntag nicht erklären, warum ihr Teamkollege Mehmet Kara nicht auflaufen durfte. © Thorsten Teimann
Fußball

Fehlende Freigabe des Kamener Ex-Profis ruft Kopfschütteln hervor: „Das ist Bürokratismus pur“

Die fehlende Freigabe von Ex-Profi Mehmet Kara im elektronischen Spielbericht sorgte zuletzt beim VfL Kamen für Diskussionsstoff. Dafür gab einen bürokratischen Grund.

Mehmet Kara, Ex-Profi mit Karriere-Stationen bei Preußen Münster und SC Paderborn, spielt nicht erst seit dem 1. Juli dieses Jahres für den VfL Kamen. Umso überraschter waren die Verantwortlichen, dass der Mittelfeld-Regisseur am Sonntag gegen den SVF Herringen urplötzlich keine Spielfreigabe für den elektronischen Spielbericht hatte. Das scheiterte offensichtlich am Bürokratismus.

Rein sportlich gesehen hatte das am Ende glücklicherweise keine Auswirkungen. Das Topspiel der Kreisliga A1 gegen den SVF Herringen gewannen die Kamener mit 3:0 – auch ohne Mehmet Kara. Der Klub hält den Titelkurs.

Und für diesen Weg setzt der Verein viele Hebel in Bewegung. Ein großer Pool von Sponsoren engagiert sich im Förderverein. „Wir sind nicht wie andere von einem Hauptsponsor abhängig“, sagt der Sportliche Leiter Olaf Haeseler. Und so ist es auch möglich, dass der ein oder andere oberligaerfahrene Kicker in Kamen spielt – wie auch der ehemalige Zweitligaspieler Mehmet Kara.

Mehmet Kara ist seit 2020 Angestellter des VfL Kamen

Der 38-Jährige aus Oberaden, der auch die A-Junioren trainiert, ist beim Kreisliga-Spitzenreiter mit einem Vertragsamateur-Staus versehen. Er ist quasi Angestellter des VfL Kamen – schon seit dem Jahr 2020. Das ist mit Rechten und Pflichten verbunden. Bei einem Vereinswechsel auf Amateurebene fällt so beispielsweise eine Ablösesumme weg. Auf der anderen Seite muss der Verein Sozialabgaben für seinen Angestellten leisten wie Krankenversicherungsbeiträge – jeden Monat.

Ex-Profi Mehmet Kara (links) war am Sonntag im Spitzenspiel gegen den SVF Herringen zum Zuschauen verdammt.
Ex-Profi Mehmet Kara (links) war am Sonntag im Spitzenspiel gegen den SVF Herringen zum Zuschauen verdammt. © Thorsten Teimann © Thorsten Teimann

„Und die zahlen wir regelmäßig, seitdem Mehmet Kara bei uns ist“, bestätigt Haeseler. Das kann der Verein auch anhand von Belegen nachweisen. Alles also im grünen Bereich. Da das Arbeitsverhältnis ungekündigt ist, ist auch der VfL Kamen davon ausgegangen, dass es keine Änderungen in der Spielberechtigung gibt. „Das ist ja im normalen Arbeitsleben auch so“, sagt Haeseler.

„Wir haben immer sauber unsere Beiträge überwiesen.“

Olaf Haeseler, VfL Kamen

Anders scheint es indes wohl beim Vertragsamateur zu sein. Während zwei andere seit dem 1. Juli 2021 Angestellte des Vereins die Spielberechtigung hatten – für sie liegen die aktuellen Verträge vor – ist die von Mehmet Kara kurzfristig erloschen. Haeseler versteht die Welt nicht mehr: „Das ist Bürokratismus pur. Mehmet Kara ist länger bei uns als die anderen beiden Spieler, an seinem Status hat sich nichts geändert und er darf nicht auflaufen.“

Ex-Profi hätte gegen SVF Herringen spielen können

Da der Verein immer seine Sozialabgaben gezahlt hat, hätte der Ex-Profi sogar am Sonntag spielen können. Dieses Risiko wollte der VfL aber nicht eingehen. Die Freigabe im Spielbericht wurde augenscheinlich nicht gewährt, weil dem Verband noch ein schriftlicher Gehaltsnachweis fehlte.

Das ruft bei Haeseler indes nur Kopfschütteln hervor: „Wir haben immer sauber unsere Beiträge überwiesen. Allein an der Höhe des Abgabenbetrags hätten die Verantwortlichen sehen können, wie viel Personen bei uns beschäftigt sind.“

Auch der schriftliche Beweis, dass Mehmet Kara weiterhin beim VfL Kamen spielt, wurde in dieser Woche erbracht – und fortan sicherheitshalber wohl jedes Jahr aufs Neue.

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Redaktion Lokalsport
67er Jahrgang aus dem Herzen Westfalens. Lokaljournalist durch und durch, seit über 25 Jahren mit dem geschärften Blick auf das Sportgeschehen zwischen Lippe und Ruhr.
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Thorsten Teimann

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