Bei den bisherigen Finalteilnahmen des BVB war immer volles Haus im Berliner Olympiastadion. Dieses Jahr werden die Ränge menschenleer sein. © dpa

BVB-Fanklub-Boss: „Das vielleicht unwichtigste Pokalfinale in der Vereinsgeschichte“

Im Pokalfinale trifft Borussia Dortmund auf RB Leipzig. Große Euphorie stellt sich beim BVB-Fanklub Black Lions Unna nicht ein. Dennoch gibt es eine besondere Motivation, den Pott zu holen.

Es geht um den letzten Titel im deutschen Profifußball. Seit vergangenem Wochenende steht der FC Bayern bereits rechnerisch als Deutscher Meister fest. Am Donnerstag trifft Borussia Dortmund im Berliner Olympiastadion auf RB Leipzig. Doch das Endspiel steigt wegen der Corona-Pandemie – wie schon im Vorjahr – vor leeren Rängen. Davon sind auch die Mitglieder des BVB-Fanklubs Black Lions Unna betroffen.

Seit 1989 hat der Fanklub kein Pokalfinale verpasst. „Wir waren immer live dabei. Das ist jetzt das erste Finale, bei dem wir nicht nach Berlin fahren“, sagt der Präsident der Black Lions Unna, Steven Kornacker. Das sei auch der Grund, weswegen er diesem Spiel nicht die Bedeutung beimisst, wie er es unter normalen Umständen getan hätte. „Ich würde schon sagen, dass es vielleicht das unwichtigste Pokalfinale in der Vereinsgeschichte des BVB ist“, meint Kornacker.

Befürchtung, dass Finaleinzug als selbstverständlich angesehen wird

Auf der anderen Seite geht es aber um sehr viel: „Wir wollen natürlich nicht, dass Leipzig gegen uns den ersten Titel holt“, so Kornacker. Trotzdem merkt man dem Fanklub-Boss an: Die ganz große Euphorie will für das Finale nicht so wirklich aufkommen.

Der Fanklub Black Lions fährt regelmäßig nach Berlin - hier beim Bundesliga-Auswärtsspiel im November 2019.
Der Fanklub fährt regelmäßig nach Berlin – hier beim Bundesliga-Auswärtsspiel im November 2019. © Black Lions Unna © Black Lions Unna

„Das war ja auch schon bei unserem letzten Endspiel in Berlin so, als wir 2017 gegen Frankfurt den Pott gewonnen haben“, führt Kornacker aus. Selbst da sei die Euphorie schon ordentlich abgeebbt. „Da hatte ich die Befürchtung, dass der Finaleinzug von den BVB-Fans inzwischen als selbstverständlich angesehen wird.“

Präsident der Black Lions Unna ärgert sich über die Anstoßzeit

Für den BVB ist es seit 2012 bereits die sechste Teilnahme am Endspiel, in den letzten fünf Austragungen ging die Borussia zweimal als Pokalsieger vom Platz – 2012 gegen die Bayern (5:2) und 2017 gegen Frankfurt (2:1). Nach den Siegen folgte stets eine Pokalfeier mit Fans und der Mannschaft rund um den Borsigplatz. Doch dazu wird es in diesem Jahr definitiv nicht kommen. „Der BVB hat geschrieben, alle sollen zu Hause bleiben. So eine Feier könnte man auch nicht nachholen“, ist sich Kornacker sicher.

Steven Kornacker © Black Lions Unna © Black Lions Unna

„Klar, ein Pokalsieg wäre geil. Aber es wäre auch nicht so wie in den Jahren zuvor.“

Steven Kornacker

Von der Anstoßzeit (20.45 Uhr, live in der ARD) ist Kornacker ebenfalls nicht begeistert: „Okay, das Finale steigt immer abends“, sagt er, „aber dieses Mal findet es an einem Feiertag statt. Am nächsten Tag müssen alle Leute arbeiten. Die Ausgangssperre spielt der Politik jetzt auch noch in die Karten. Es ist schon ziemlich doof, dass man das Spiel nicht mit Freunden zusammen schauen kann.“

Erst vergangenes Wochenende traf der BVB auf Leipzig. In der Bundesliga gewann Dortmund spät mit 3:2. Einen Vorteil für seinen Verein sieht Kornacker dadurch aber nicht: „Ich glaube, das hat RB noch mehr angespornt. Dortmund muss sich am Donnerstag gehörig steigern.“ Aber Kornacker ist zuversichtlich: „Ich glaube an einen 4:2-Sieg für den BVB nach Verlängerung.“

Und wenn es nicht klappen sollte? „Dann ist Platz vier in der Liga ohnehin wichtiger. Klar, ein Pokalsieg wäre geil. Aber es wäre auch nicht so wie in den Jahren zuvor. Die Champions-League-Teilnahme haben wir in der eigenen Hand, die dürfen wir uns nicht mehr nehmen lassen.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann