Philipp Kremer führte das sogenannte Distanzelektroimpulsgerät im Trainingszentrum der Polizei vor. © Stephan Schütze
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Diskussion um Polizei-Taser: Wichtige Ergänzung oder unberechenbare Gefahr?

Seit kurzem testet die Polizei Elektro-Taser in Dortmunds Nordstadt. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Manche Bürger begrüßen ein härteres Vorgehen, andere sehen lebensgefährliche Probleme.

Schon vor ihrer offiziellen Vorstellung am Freitag (15.1.) standen die neuen Elektro-Taser der Polizei in der Diskussion. Jetzt ist klar, dass sie ein Jahr lang in der Nordstadt eingesetzt werden, was zu einer Beschwerde der Grünen führte – der stärksten Partei im Stadtbezirk.

Die Menschen in der Nordstadt dürften nicht zu Versuchskaninchen werden, hieß es in einer Mitteilung der Politiker. Der exklusive Einsatz in dem Stadtbezirk sei „zumindest befremdlich“, wird Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum zitiert.

Neben den Grünen hat sich auch die Fanhilfe Dortmund bereits entschieden gegen den Taser-Test positioniert – vor allem wegen der möglicherweise gravierenden Folgen bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Polizei hat bereits bei der Vorstellung der Geräte auf mögliche gesundheitliche Folgen erwidert, dass nach jedem Taser-Einsatz sofort ein Arzt hinzugezogen werde.

„Darüber hinaus gibt es für den Einsatz des Tasers nicht annähernd so restriktive Regelungen wie für die Anwendung der Schusswaffe“, schreibt die Fanhilfe. Die Taser sollen als Ergänzung zu Schlagstock und Reizgas eingesetzt werden, nicht als Ersatz der Schusswaffe.

Polizei-Gewerkschaft fordert flächendeckenden Einsatz

Die Dortmunder Fanhilfe befürchtet einen wahllosen Einsatz der Taser, weil mit Reizgas nicht selten auch unbeteiligte Personen getroffen würden. Polizeipräsident Gregor Lange betont hingegen, „dass unsere Beamtinnen und Beamten immer mit sehr viel Fingerspitzengefühl und unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften in jeden Einsatz gehen werden“.

Für den Test spricht sich die Deutsche Polizei-Gewerkschaft (DPolG) aus. „Wir begrüßen den nun endlich stattfindenden Pilotversuch, drängen aber auch auf eine zeitnahe flächendeckende Ausstattung aller operativen Einheiten in Nordrhein-Westfalen“, so der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus.

Es lägen ausreichend Erfahrungen, Zahlen und Fakten aus anderen Bundesländern vor, sodass man in NRW auch durchaus auf einen Pilotversuch hätte verzichten können. „Die Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt weiter zu, die Einführung führt nachweislich zu einem deutlichen Rückgang der Übergriffe gegen Polizeibeschäftigte“, schreibt er.

Wer sich falsch verhält, muss mit Antwort rechnen

In der Bevölkerung gehen die Meinungen auseinander. „Finde ich total überzogen für die Nordstadt. Falscher Aktionismus der Polizei. Taser sind gefährliche Waffen, die durch ihre vermeintliche ‚Ungefährlichkeit‘ die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt senken“, schreibt ein Nutzer unter den Beitrag unserer Redaktion bei Instagram. In einer Zuschrift ist die Rede von den Elektro-Pistolen als „Folterinstrumenten“.

Ein anderer meint: „Wer sich den Cops gegenüber wie der letzte Assi verhält, der muss sich nicht wundern wenn ein Echo kommt, aber es sollte im Rahmen bleiben.“ Die Taser böten eine bessere Möglichkeit, als direkt die scharfe Schusswaffe zu nutzen.

„Wer sich aggressiv gegenüber Polizeibeamten verhält, der soll ruhig die neue ‚Schärfe‘ zu spüren bekommen“, meint ein Leser bei Facebook. Ein anderer schreibt: „Ich wehre mich gegen die Verallgemeinerung der Nordstadt.“ Er finde den Testlauf aber gut und hoffe, dass der Einsatz zu mehr Respekt gegenüber Einsatzkräften führe.

Am Mittwoch (20.1.) berichtet die Polizei schon von einem Einsatz am Montag, bei dem die Androhung des Taser-Einsatzes Schlimmeres verhindert habe.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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