Trotz Corona ist Urlaub an vielen Orten in Europa möglich. Allerdings gibt es ein paar Regeln zu beachten. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Storno, Einreise, Corona-Regeln: Worauf man beim Urlaub in Europa achten muss

Viele Menschen sehnen sich gerade in diesem Jahr nach Urlaub. Doch wo ist der überhaupt möglich? Welche Regeln gelten bei der Einreise? Und wie sieht es mit Stornierungen aus? Ein Überblick.

Jedes Jahr tummeln sich tausende deutsche Touristen in den Städten und an den Stränden Spaniens, Griechenlands, Italiens oder der Türkei. In Zeiten der Corona-Pandemie ist jedoch vieles anders. Vor allem zu Beginn des Jahres, als die Fallzahlen in vielen Ländern in die Höhe schnellten, schien eine Besserung oder gar ein Urlaub in weiter Ferne.

Inzwischen haben sich die Inzidenzen nicht nur in Deutschland erholt. Wer im Frühjahr noch verunsichert war, ob er einen Urlaub buchen sollte, sehnt sich wohlmöglich jetzt nach Erholung an einem sonnigen Strand. Doch kann man aktuell überhaupt überall Urlaub machen? Was muss bei einer Reise in Corona-Zeiten beachtet werden? Welche Regeln gelten vor und nach dem Urlaub und wie sieht es mit Stornierungen aus? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Urlaub in Europa.

Wo kann ich aktuell trotz Corona Urlaub machen?

Den Sommerurlaub in einem europäischen Land zu verbringen, ist derzeit im Prinzip überall möglich. Vor allem beliebte Urlaubsländer wie Spanien oder Griechenland weisen immer niedrigere Inzidenzwerte auf und lockern die Corona-Regeln. Auch Länder wie die Türkei, die lange Zeit von hohen Fallzahlen betroffen waren, versuchen zumindest für Touristen wieder zu lockern. Allerdings gelten in vielen Ländern unterschiedliche Regeln – ob bei der Einreise oder beim Urlaub vor Ort. Ein kurzer Überblick über die beliebtesten europäischen Reiseziele der Deutschen:

Spanien

Die Pandemie-Lage in Spanien entspannt sich immer mehr – und das hat Auswirkungen auf die Regeln vor Ort. Auf Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera dürfen Gastronomen Gäste auch abends wieder in den Innenbereichen bewirten. Zudem ist die nächtliche Ausgangssperre inzwischen aufgehoben. Weiterhin gilt die Maskenpflicht (auch im Freien). Nur am Strand und in Restaurants darf die Maske abgenommen werden.

Seit dem 7. Juni dürfen alle vollständig Geimpften ohne Corona-Beschränkungen in Spanien einreisen. Für nicht geimpfte Menschen, die aus einem Risikogebiet im Ausland einreisen, wie etwa aus Deutschland, gilt weiterhin die Testpflicht.

Griechenland

Griechenland hat im Verhältnis zu anderen Urlaubsländern relativ früh viele Maßnahmen gelockert. Trotzdem sinken die Fallzahlen weiterhin, was auch am Impf-Tempo der Griechen liegen könnte. In Griechenland werden die Peloponnes und die Inseln der nördlichen Ägäis – dazu zählen unter anderen Lesbos und Samos – am Sonntag (13. Juni) von der Risikoliste gestrichen. Archäologische Stätten, Museen, Außenbereiche von Cafés, Bars und Tavernen sind bereits geöffnet. Es gelten jedoch Sicherheits- und Abstandsregeln sowie eine Ausgangssperre von 0.30 Uhr bis 5 Uhr.

Urlauber müssen vor der Einreise auf einer Webseite ihre Daten angeben und erhalten einen QR-Code. Bei der Einreise muss eine vollständige Impfung oder ein höchstens 72 Stunden alter PCR-Test vorliegen – das gilt auch für Kinder ab fünf Jahren. Eine Quarantänepflicht besteht nicht mehr. Wer zurück nach Deutschland reist, muss einen negativen Schnelltest vorlegen.

Italien

In Italien dürfen inzwischen Bars und Restaurants ihren Innenbereich für Gäste wieder öffnen, auch Theater, Museen und Kinos sind offen. Es gilt an allen Orten die Pflicht zum Tragen der Maske. Ansonsten ist das Mittelmeerland in zwei Zonen eingeteilt: eine weiße und eine gelbe.

Zu der Weißen Zone gehören die Regionen Molise und Friaul-Julisch Venetien sowie die Insel Sardinien. Dort entfällt zum Beispiel die nächtliche Ausgangssperre. Im Rest des Landes gilt die Gelbe Zone und somit eine Ausgangssperre ab Mitternacht. Wer nach Italien einreist, muss ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen können, dann entfällt die Quarantäne.

Türkei

In der Türkei lagen die Corona-Fallzahlen im europäischen Vergleich mit am höchsten, gehen jedoch auch immer mehr zurück. Die türkische Regierung hofft auf viele Touristen im Sommer und rührt kräftig die Werbetrommel. Auch gelten für Reisende weniger Regeln: Zum Beispiel sind sie von der immer noch geltenden Ausgangsbeschränkungen ausgenommen.

Für die Einreise reicht seit Juni ein negativer Corona-Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder ein maximal 72-Stunden alter PCR-Test. Vollständig geimpfte sowie genesene Menschen dürfen ohne Test einreisen.

Kroatien

In Kroatien sind ab Sonntag (13. Juni) nur noch zwei Regionen im Landesinneren auf der Risikoliste, alle Urlaubsgebiete an der Adria-Küste sind „risikofrei“. Wie viele andere europäische Länder lockert auch Kroatien nach und nach die Corona-Regeln. So dürfen Restaurants Gäste wieder in ihren Innenbereichen bewirten. Ausgenommen davon sind lediglich Cafés ohne Speisenangebot, die nur draußen bedienen dürfen.

Die Maskenpflicht gilt weiterhin in allen öffentlichen Gebäuden sowie an den Orten, wo kein Abstand gehalten werden kann. Urlaub machen dürfen in Kroatien vollständig Geimpfte, Genesene und aktuell Getestete. Bei der Einreise muss ein entsprechende Nachweis erbracht werden.

Niederlande

Die Niederlande haben schon dann angefangen zu lockern, als die Infektionszahlen noch relativ hoch waren. Inzwischen dürfen Restaurants unter Auflagen Gäste auch im Innenbereich bedienen, Museen, Theater und Kinos sind wieder geöffnet.

Die heftig kritisierte nächtliche Ausgangssperre ist bereits abgeschafft worden. Geschäfte dürfen wieder Kunden empfangen, es kann bei zu großem Andrang aber auch zu Einlassbeschränkungen kommen. Bei der Einreise in die Niederlande müssen Urlauber seit dem 10. Juni auch keinen Corona-Test mehr vorweisen können.

Frankreich

In Frankreich haben Kultureinrichtungen, Geschäfte und auch Restaurants und Cafés inzwischen wieder geöffnet – letztere sowohl im Außen- als auch Innenbereich. Nachts gilt allerdings noch immer eine Ausgangssperre ab 23 Uhr. Wer nach Frankreich einreist, muss inzwischen keinen negativen PCR-Test mehr vorweisen. Allerdings muss eine Erklärung ausgefüllt werden, in der Reisende versichern, keine Corona-Symptome zu haben.

Einen Überblick über alle europäischen Staaten gibt unsere interaktive Karte. Sie zeigt an, welche Einstufungen das Auswärtige Amt und das RKI für die einzelnen Länder vornehmen.

Von nicht erforderlichen oder allen Reisen wird abgeraten, wenn besondere Risiken für Reisende bestehen.

Reisewarnungen enthalten einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land oder in eine Region eines Landes zu unterlassen.

Was muss ich vor einer Reise beachten?

Für einige Länder gilt weiterhin die Reiserwarnung des Auswärtigen Amtes. Eine Reisewarnung ist allerdings kein Reiseverbot – wer in den Urlaub möchte, entscheidet in eigener Verantwortung, ob man eine Reise antreten möchte.

Die Regeln zur Einreise sowie die Corona-Regeln vor Ort sind von Land zu Land unterschiedlich. Bei Flugreisen muss generell ein negativer Corona-Test vorliegen. Der kann auch in der Regel direkt am Flughafen gemacht werden. Dafür sollten Reisende aber genug Zeit einplanen. Von der Testpflicht ausgenommen sind genesene und vollständig geimpfte Personen mit einem entsprechenden Nachweis.

Vor einer Reise sollten vor allem aber auch einige Fragen der eigenen Absicherung geklärt sein. Daher ist es ratsam, sich bei dem jeweiligen Reiseanbieter über Stornokosten zu informieren (zum Stornieren von Reisen in Corona-Zeiten unten mehr) oder sich um eine Reiserücktrittsversicherung zu bemühen. Auch sollte geklärt werden, was die eigene Reisekrankenversicherung abdeckt – im Fall einer Reise trotz Reisewarnung des Auswärtigen Amtes können nämlich sonst rechtliche Schritte drohen.

Was ist, wenn ich mich im Urlaub mit dem Coronavirus infiziere?

Vor der Rückreise nach Deutschland mit dem Flugzeug oder dem Schiff muss ein Corona-Test gemacht werden. Fällt dieser positiv aus, entscheiden die Behörden des jeweiligen Landes, welche Maßnahmen ergriffen werden. Möglicherweise können Quarantänemaßnahmen angeordnet werden, ähnlich wie sie auch in Deutschland gelten.

Da eine verordnete Quarantäne befolgt werden muss, ist eine Rückreise mit einer Corona-Infektion nicht möglich. Eine mögliche Umbuchung der Rückreise richtet sich nach den Vertragsbindungen des Reiseanbieters. Für zusätzliche Unterbringungskosten in einem Hotel oder einem Ferienhaus müssen in der Regel die betroffenen Reisenden aufkommen. Durch eine Reiseabbruchs- oder Reiserücktrittsversicherung können sich Urlauber jedoch finanziell absichern.

Was gilt bei der Reiserückkehr nach Deutschland?

Die Regeln für Reiserückkehrer fallen unterschiedlich aus, je nach Einstufung des Urlaubslandes in Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet. Welche Regeln jeweils gelten, schreibt die Coronavirus-Einreiseverordnung der Bundesregierung vom 12. Mai 2021 vor. Hier ein Überblick über die wichtigsten Regeln:

  • Wer mit dem Flugzeug nach Deutschland einreist, muss vor dem Abflug dem Beförderer ein negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Genesenennachweis vorlegen. Unabhängig davon, ob das Urlaubsland vom RKI als Risikogebiet eingestuft ist oder nicht.
  • Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich vor der Rückreise online anmelden. Auf dem Einreiseportal www.einreiseanmeldung.de müssen dazu die Informationen zu den Aufenthalten der letzten zehn Tage angegeben werden. Die Bestätigung, die man danach erhält, wird vor der Rückreise kontrolliert. Nach der Einreise gilt eine häusliche Quarantäne. Bei Aufenthalt in einem einfachen Risikogebiet oder einem Hochinzidenzgebiet beträgt diese zehn Tage, bei Aufenthalt in einem Virusvariantengebiet 14 Tage. Die Quarantäne kann vorzeitig beendet werden, wenn ein Genesenennachweis, ein Impfnachweis oder ein negativer Testnachweis über das Einreiseportal übermittelt wird. Außerdem muss spätestens 48 Stunden nach der Einreise ein Corona-Test gemacht werden, wenn kein Impf- oder Genesenennachweis vorliegt.
  • Wer aus einem Hochinzidenzgebiet einreist, muss vor dem Abflug einen negativen Corona-Test vorweisen. Alternativ gelten auch hier Impf- oder Genesenennachweise. Nach Aufenthalt in Hochinzidenzgebieten müssen Reiserückkehrer ebenfalls in häusliche Quarantäne und können sich frühestens fünf Tage nach der Einreise „freitesten“.
  • Die Anmelde- und Quarantänepflichten gelten auch bei der Rückkehr aus einem Virusvariantengebiet. Allerdings kann man sich nicht aus der häuslichen Quarantäne nach Ankunft in Deutschland „freitesten lassen“. Die 14-tägige Dauer muss komplett eingehalten werden.
  • Die Quarantänepflicht gilt vorerst bis zum 28. Juli 2021.

Kann ich meinen Urlaub wegen Corona stornieren?

Eine Pauschalreise kann generell jederzeit storniert werden – nur fallen dann meist Gebühren an. Eine kostenfreie Stornierung ist nur dann möglich, wenn bei der geplanten Urlaubsreise „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise“ beeinträchtigen (§651 h, BGB). Ein Einreiseverbot in das Ziel-Land wäre ein solcher Fall. Auch wenn eine Pauschalreise nicht wie geplant durchgeführt werden kann, kann man auf eine Erstattung der Reisekosten oder zumindest eine Umbuchung der Reise hoffen. Es ist ratsam, sich vor dem Urlaub beim Veranstalter zu erkundigen, ob eine Reise wie geplant durchgeführt werden kann. Die gleichen Regeln gelten auch bei Kreuzfahrten.

Wer für seine Reise Hotelübernachtungen und Flüge direkt im Ausland oder in einem Online-Portal gebucht hat, kann nur dann kostenlos stornieren, wenn der Anbieter seine Leistung nicht erbringen kann. Das gilt beispielsweise dann, wenn sich Reisende bei der Einreise in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssen. In zahlreichen europäischen Staaten legen zudem die Hotelbetreiber selbst fest, ob eine kostenlose Stornierung eines Zimmers möglich ist. Wer Übernachtungen bucht, sollte sich also bei dem Anbieter vorab gut informieren, welche Regeln bei der Stornierung gelten.

Eine Reiserücktrittsversicherung greift nur dann, wenn eine gebuchte Reise aus einem vorher versicherten Grund nicht angetreten werden kann. Das kann beispielsweise eine schwere, unerwartete Krankheit sein. Auch ein positiver Corona-Test kann als Krankheit gewertet werden und somit von der Reiserücktrittsversicherung abgedeckt sein. Hierbei lohnt sich aber ein Blick ins Kleingedruckte der Versicherung, denn: Oft enthalten Reiserücktrittsversicherungen eine Klausel, die eine von der WHO als Pandemie eingestufte Krankheiten – also auch Corona – vom Schutz ausschließen. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist ebenfalls nicht durch eine solche Versicherung abgedeckt.

Allgemein gilt: Bei einem positiven Corona-Test und einer behördlich angeordneten Quarantäne können Reiseveranstalter, Hotels und Airlines Stornokosten verlangen. Eine entsprechend abgeschlossene Reiserücktrittsversicherung sichert in solchen Fällen ab. Die Sorge, sich in einem Land mit dem Coronavirus anzustecken, reicht in keinem Fall als Stornierungsgrund. In dem Fall sollte man vielleicht lieber ganz auf Urlaubsreisen verzichten.

Über den Autor
Redakteur
Studium der Germanistik und Geschichtswissenschaften in Düsseldorf. Nach freier Mitarbeit bei verschiedenen Medien im Rheinland nun seit 2018 für die Ruhr Nachrichten im Ruhrgebiet unterwegs. Ist als Volontär für verschiedene Redaktionen tätig, immer auf der Suche nach spannenden Themen.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt