Urlaub in der Pandemie

So könnte die Corona-Krise den Ballermann auf Mallorca verändern

Die Corona-Krise macht vielen Tourismusregionen zu schaffen - auch Mallorca leidet. Was die Krise für die Partyszene auf der Mittelmeerinsel bedeutet, berichtet Sängerin Isi Glück.
© picture alliance/dpa

Ballermann und die deutschen Touristen – das gehörte in den vergangenen Jahrzehnten unweigerlich zusammen. Doch seit dem Ausbruch der globalen Corona-Pandemie ist das anders: die Partyszene wurde still gelegt. Künstler, Techniker und Veranstalter haben keine Perspektive – und bangen um ihre Existenz.

Denn nicht jeder der Künstler ist seit Jahrzehnten so erfolgreich wie die großen Namen wie Jürgen Drews und Mickie Krause und hat für schlechte Zeiten etwas zurückgelegt. „Die letzten Monate waren eine Vollkatastrophe für alle. Wir haben wir von einem Tag auf den anderen alles verloren. 2020 war das schlimmste Jahr ever“, berichtet die Sängerin Isi Glück, die seit vier Jahren auf Mallorca lebt, im Gespräch mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND).

Mallorca gilt seit dem 12. März in Deutschland nicht mehr als Risikogebiet in der Corona-Pandemie. Derzeit liegt der Inzidenzwert auf der Insel bei etwa 20. Nun kehren die deutschen Urlauber zurück. Genaue Zahlen über die Touristen, die jetzt kommen, gibt es noch nicht.

Doch nennt der Hotelierverband FEHM eine Auslastung der 49 geöffneten Hotels von 10 bis 15 Prozent. „Wir freuen uns, dass langsam wieder Touristen kommen können“, sagt Isi Glück. Auch wenn sie sich angesichts der vielen Extraflüge auch Sorgen gemacht habe, ob die Insel Menschenmassen derzeit vertragen könne.

Ballermann: Immer wieder im Lockdown

Denn das ging schon einmal schief. Zwischen Mitte Juli und Mitte Oktober 2020 wurde nach Straßenpartys explizit der Ballermann auf Mallorca von der Regierung in den Lockdown geschickt – die Sangriabars und Restaurants waren durch ein Betriebsverbot zwangsweise dicht. Das war nicht das einzige Mal, dass Restaurants auf der Baleareninsel schließen mussten: 98 Tage lang wurde von Mitte März bis Mitte Juni 2020 in ganz Spanien der Ausnahmezustand ausgerufen.

Erst ab dem 25. Mai durften die Inselbewohner wieder ihre eigenen Strände aufsuchen und dort baden gehen. Die Diskotheken haben seit Beginn des ersten Lockdowns auf Mallorca gar nicht erst wieder geöffnet. Anfang diesen Jahres kam dann mit der zweiten Welle auch die zweite Schließung. Im Januar und Februar mussten auf Mallorca wegen der hohen Infektionszahlen alle Lokale wieder schließen.

Isi Glück hat sich im Lockdownjahr auf Mallorca zumindest nicht ganz von den Malle-Partys verabschiedet: „Ich habe neue Songs produziert. Ich habe mich auf Instagram entfaltet. Ich bin thematisch der Partyszene treu geblieben“, sagt sie im RND-Gespräch.

So mache sie auch regelmäßig Onlinepartys, um ihre Fans aufzumuntern und im Gespräch zu bleiben. Finanziell habe sie zum Glück dadurch, dass sie auch als Influencerin tätig sei, nicht zu sehr gelitten. Außerdem sei sie als freiberufliche Künstlerin in Deutschland, wo sie sonst auch viele Auftritte hat, gemeldet und habe von dort staatliche Hilfen bekommen.

Jeder dritte Urlauber auf Mallorca kommt aus Deutschland

Mallorca lebt vor allem vom Tourismus – und jeder dritte Urlauber kommt aus der Bundesrepublik. Deswegen war die Information, ob man unkompliziert nach Mallorca reisen kann, nicht nur für Mittelmeersehnsüchtige aus Deutschland interessant, sondern auch für die mallorquinische Wirtschaft.

Laut der „Mallorca Zeitung“ waren im vergangenen Jahr von Januar bis August 85 Prozent weniger internationale Touristen auf den Balearen als noch 2019. Auf Mallorca waren es 2020 nur noch 1,4 Millionen Urlauber im Vergleich zu 10,1 Millionen Touristen im Jahr 2019.

Und auch für 2021 sehen die Tourismusprognosen nicht rosig aus. Laut dem Branchenverband Exceltur, aus dem die „Augsburger Allgemeine“ zitiert, wird wegen der Pandemie Mallorca etwa 95 Prozent der touristischen Einnahmen einbüßen müssen – das sind 13,5 Milliarden Euro.

Für Festangestellte gibt es in Spanien, ähnlich wie in Deutschland, ein Kurzarbeitergeld, erzählt Isi Glück. „Das ist allerdings nicht wie in Deutschland am Gehalt orientiert. Das sind etwa 950 Euro. Pro Kind gibt es noch ein bisschen mehr“, berichtet die 30-Jährige.

Der Ballermann entwickelte sich in den 1980ern

Über Mallorca wird gern als „17. Bundesland“ gewitzelt. Und der Ballermann steht als Synonym für mindestens eine Art des Urlaubs: den Partytourismus. Die Partymeile in der Bucht „Playa de Palma“ hat sich seit Mitte der 1980er mit dem einsetzendem Massentourismus durch erschwingliche Flugpreise entwickelt.

Bis 1997 entwickelte er einen derartigen Kultstatus, dass der Ursprungskneipe an der Partymeile der Film „Ballermann 6″ mit Tom Gerhardt in der Hauptrolle gewidmet wurde. Doch langsam wurde der Tourismussegen zum Fluch: 2014 kündigte der Vizebürgermeister von Mallorca, Alvaro Gijon, an: „In den nächsten fünf bis sechs Jahren werden wir das Erscheinungsbild an der Playa de Palma um 180 Grad drehen. Den Ballermann wird es in dieser Form nicht mehr geben.“

Weiter zu diesem Trend könnte tatsächlich die Corona-Pandemie beitragen. Denn nach den Osterferien will die Regionalregierung dem Partytourismus auf Mallorca Einhalt gebieten: Zwischen dem 1. April und dem 30. September gelten für die Schinken- und die Bierstraße als Sonderinterventionszonen von touristischem Interesse besondere Regeln.

So darf außerhalb von Restaurants und Bars in der Öffentlichkeit kein Alkohol konsumiert werden, wie das „Mallorca Magazin“ schreibt. Bei Verstößen drohe den Partygängern eine Geldstrafe von 3000 Euro. Die Regelung soll bis September gelten.

„Ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr noch Partys erleben“, sagt auch Isi Glück. Sie rechnet mit den großen Feiern erst wieder in der Saison 2022. Falls sie dann noch stattfinden. Sie jedenfalls glaubt daran, dass der Ballermann zurückkommt.

RND

Der Artikel "So könnte die Corona-Krise den Ballermann auf Mallorca verändern" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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