Corona-Inzidenz

Positive Entwicklung bei Corona-Inzidenzzahlen: Deutschland wird wieder „gelb“

Die Inzidenzzahlen sinken langsam - lagen sie in manchen Städten bei 500, sinken einige Kreise nun unter die 50er-Marke. Bürgermeister und Landrat machen Erklärungsversuche für die Zahlen.
Im Landkreis Bautzen kletterte die 7-Tage-Inzidenz über die Marke von 500 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - inzwischen hat sich die Lage in Deutschland etwas entspannt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Aus rot wird gelb: Die Inzidenzzahlen in Deutschland entwickeln sich in eine positive Richtung. Nach einem Höchstpunkt von einem durchschnittlichen Inzidenzwert bei den Corona-Infektionszahlen von 175 in der gesamten Bundesrepublik am 10. Januar liegt die gesamte durchschnittliche 7-Tages-Inzidenz laut der übermittelten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI), die diesem Artikel zugrunde liegen, nun bei 81.

Wer noch einmal zum letzten Höchststand am 10. Januar zurückgeht, sieht, dass die gesamte Deutschlandkarte zu dem Zeitpunkt fast dunkelrot eingefärbt war – drei Landkreise und Städte überstiegen sogar den Inzidenzwert von 500. Und nur neun Landkreise und Städte wiesen einen Wert von unter 50 auf. Vor einer Woche zeigte sich bereits, dass die Lage sich etwas beruhigt hat: Die dunklen 500er-Flecken sind verschwunden und schon 36 Landkreise lagen bei unter 50.

Und am heutigen Donnerstag? Die Karte wird definitiv gelber: Die Flecken mit einem Inzidenzwert von unter 50 breiten sich aus – und auch das helle Gelb mit einem Inzidenzwert von unter 35 blitzt durch: Schon 28 Kreise und Städte sind auf der Deutschlandkarte in der hellgelben Kategorie eingefärbt.

Zweibrücken hat den niedrigsten Inzidenzwert

Die geringste Inzidenzzahl hat an diesem Donnerstag die kreisfreie Stadt Zweibrücken in Rheinland-Pfalz laut den übermittelten Zahlen des RKI mit nur 12 Fällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Grundsätzlich lag ihr Wert während der zweiten Welle weit unter dem deutschlandweiten Durchschnitt – am 10. Januar etwa lag sie bei 53 – doch vor einer Woche noch bei 44. Wie kam es zu einer solch schnellen Entspannung?

„In dieser Situation sind unsere Bürger unheimlich diszipliniert“, sagt der Zweibrückener Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es habe keine größeren Einsätze wegen Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen gegeben. Auch seien die Seniorenheime derzeit coronafrei. „Wir haben gerade das letzte Seniorenheim zum 2. Mal durchgeimpft“, berichtet Wosnitza. Sollte es noch einen Fall geben, kann die 35.000-Einwohner-Stadt schnell handeln.

Inzidenz schwankt in kleinen Städten mehr

Nach einem positiven Test in einem Heim könne das Testteam innerhalb von einer Stunde vor Ort sein und so eine Ausbreitung verhindern. Gleichzeitig würden kleine Städte einer größeren Schwankung unterliegen. „Wir sind an einem Tag von 29,2 auf 11,7 gefallen. Das lag daran, dass wir eine Neuinfektion hatten und gleichzeitig fünf Fälle durch die Genesung aus der Statistik wieder herausgefallen sind.“

Auch im Landkreis Ammerland in Niedersachsen waren die Zahlen während der zweiten Welle deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Derzeit weist der Landkreis einen Inzidenzwert von 19 auf – und ist damit laut RKI der Landkreis mit den derzeit niedrigsten Inzidenzwerten. Warum? Ein Anruf im Norden Deutschlands.

Niedrige Zahlen dank Disziplin, Zufall und Glück

So ganz kann der parteilose Landrat Jörg Bensberg die Frage, warum die Corona-Infektionszahlen in seinem Landkreis so gering sind, nicht beantworten. „Ehrlicherweise spielen da auch viel Zufall und Glück rein“, sagt er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Doch zwei Gründe gebe es: „Die Ammerländer verhalten sich relativ diszipliniert und versuchen wirklich, die Kontakte zu reduzieren.“

Die Polizei müsse kaum zu Einsätzen wegen Corona-Verstößen ausrücken. Außerdem habe sein engagiertes „Team Corona“ beim Gesundheitsamt bisher immer die Möglichkeit, Kontakte konsequent nachzuverfolgen. Gleichzeitig haben die umliegenden Städte und Kreise ebenfalls niedrige Fallzahlen – so sei ein Infektionsrisiko beim Einkaufen oder auf der Arbeit auch geringer. Ist die 0 bei den Inzidenzwerten im Ammerland nun zum Greifen nah? „Das ist eine Utopie. Das wird in diesem Jahr definitiv nicht mehr passieren, das kann erst eintreten, wenn die Impfquote hoch genug ist.“

„Kontaktreduzierung ist effektiv“

Gleichzeitig betont der Ammerländer Landrat aber, dass sich die Zahlen auch schnell ändern können. „Morgen reden wir vielleicht darüber, dass das Ammerland eine Inzidenzzahl von über 50 hat.“ Zum disziplinierten Verhalten der Bewohner benötige es auch eine gute Portion Zufall und Glück, damit die Inzidenzzahlen niedrig bleiben.

Eine Maßnahme hat in seiner Beobachtung jedoch für eine deutliche Abwärtsbewegung bei den Zahlen gesorgt: „Die strenge Reduzierung auf einen Kontakt ist das effizienteste gewesen.“ Das lasse sich auch in der Nachverfolgung ablesen. „Dreiviertel unserer in Quarantäne gesetzten Kontaktpersonen stammen aus dem familiären Umfeld.“ Die Bewohner würden ihre Kontakte demnach gering halten.

Noch sechs Landkreise und Stäte mit Inzidenzzahlen von über 250

Aber niedrige Inzidenzzahlen bedeuten nicht unbedingt eine Entspannung für alle. Noch immer gibt es sechs Städte und Landkreise, deren Inzidenzwert über 250 liegt. Das zeigt auch das Beispiel des Landkreises Hof in Bayern. Während der Bundesdurchschnitt sinkt, steigt in dem Landkreis die Kurve kontinuierlich an. Noch am 10. Januar lag der Landkreis mit dem Bundesdurchschnitt in etwa gleich auf. Doch ab dem 20. Januar stieg die Kurve steil an – von einem Inzidenzwert von 124 auf einen Wert von 329 heute.

Gerade in Städten und Landkreisen mit einer geringen Bewohneranzahl kann der Inzidenzwert von einem Tag auf den anderen schnell schwanken. „Die Zahlen sind immer eine Momentaufnahme“, so Oberbürgermeister Marold Wosnitza. Für ihn sind einzelne Zahlen an einzelnen Tagen nicht wichtig. Er konzentriert sich darauf, dass „wir an einem Punkt sind, an dem wir eine Rückkehr aus dem Lockdown nachdenken müssen.“ Da müssten alle in Deutschland eine gemeinsame Linie fahren – mit Einzellösungen sei niemandem geholfen.

Der Artikel "Positive Entwicklung bei Corona-Inzidenzzahlen: Deutschland wird wieder „gelb“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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