Coronavirus

Merkel: „Die Schnelligkeit unseres Handelns lässt sehr zu wünschen übrig“

In ihrer Rede beim Online-Treffen des Weltwirtschaftsforums hat Angela Merkel eine kritische Bilanz der Corona-Bekämpfung gezogen. Die Schnelligkeit der Maßnahmen habe zu wünschen übrig gelassen.
Klaus Schwab (M,l), Gründer und Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF), hört Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu während einer Videokonferenz bei der Davos Agenda im Rahmen des Weltwirtschaftsforum (WEF). Aufgrund der Corona-Pandemie findet das Weltwirtschaftsforum online statt. © picture alliance/dpa/KEYSTONE

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Rückblick auf ein Jahr Corona-Pandemie auch eine kritische Bilanz gezogen. Es seien in Deutschland Schwachstellen und Stärken sichtbar geworden, sagte sie am Dienstag beim Online-Treffen des Weltwirtschaftsforums. Die Tagung ersetzt in diesem Jahr die traditionelle Jahrestagung in Davos.

In Deutschland habe man sehr auf den Gemeinsinn und den Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern bauen können. Ein gutes Fundament seien die soliden Finanzen gewesen. So habe man Unternehmen und Bürgern helfen können, fügte Merkel hinzu.

Kritisch äußerte sie sich zur Geschwindigkeit von Prozessen in Deutschland: „Die Schnelligkeit unseres Handelns lässt sehr zu wünschen übrig.“ Prozesse seien oft sehr bürokratisch geworden und dauerten lange. Da habe man nachzuarbeiten. „Wo wir nicht gut aussahen, das zeigt sich bis in die heutigen Tage, das ist der Mangel an Digitalisierung unserer Gesellschaft.“ Merkel nannte als Beispiele die mangelnde Vernetzung der Gesundheitsämter, der Verwaltung und des Bildungssystems.

Noch strengere Maßnahmen nötig?

In einer Videokonferenz mit Fraktionschefs der Union aus Bund und Ländern soll Merkel am vergangenen Wochenende das Management in der Corona-Krise noch deutlicher kritisiert haben. „Uns ist das Ding entglitten. Wir müssen noch strenger werden, sonst sind wir in 14 Tagen wieder da, wo wir waren“, soll sie Teilnehmern zufolge am Sonntag gesagt haben. Die „Bild“-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.

Auch die Auslandsreisen vieler Deutscher habe sie kritisiert, berichtete das Blatt. Weihnachten seien jeden Tag 50.000 Menschen auf die Kanaren und die Malediven geflogen. „Warum können wir die Reisen nicht verbieten?“, soll die Regierungschefin gefragt haben. Man müsse „den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt“, sagte Merkel nach Angaben von Zuhörern der Schalte. Sie fügte auch an, Deutschland brauche ein härteres Grenzregime.

In Bezug auf die Mutationen des Virus soll sie geschildert haben, dass man „auf einem Pulverfass“ lebe. Öffnungen der Geschäfte und Restaurants Mitte Februar sind laut Merkel „nicht gesichert“. Bei möglichen Öffnungen müsse die Reihenfolge lauten: Erst Kitas und Schulen, dann Geschäfte, dann Restaurants.

Merkel für rasche Verteilung der Corona-Impfstoffe an ärmere Länder

Beim Online-Treffen des Weltwirtschaftsforums sprach sich Merkel zudem für eine möglichst rasche Verteilung der knappen Corona-Impfstoffe auch in ärmeren Ländern der Welt aus. Ausdrücklich wandte sich Merkel gegen Nationalismus bei den Massenimpfungen als Weg aus der Corona-Pandemie.

„Hier geht es um eine faire Verteilung und eben nicht nur um die Verteilung von Geld“, sagte Merkel dazu am Dienstag bei ihrem Beitrag. Sie begrüßte, dass bei der internationalen Corona-Impfinitiative Covax erste Verträge abgeschlossen seien. „Wir werden natürlich alles dafür tun, dass jetzt auch schnell die Verteilung beginnen kann“, sagte Merkel. „Die Frage, wer auf der Welt welchen Impfstoff wann bekommt, wird natürlich auch Verbundenheiten und neue Erinnerungen schaffen.“

Merkel betonte, dass es zwölf Monate nach Beginn der Pandemie noch nicht genug, aber sehr vielversprechende Impfstoffe gebe. Damit gebe es einen Weg aus der Pandemie – auch wenn der noch mühselig und nicht so kurz sein werde, wie es manche erhofft hätten.

„Es ist die Stunde des Multilateralismus“

Merkel beschwor die enge weltweite Zusammenarbeit der Staaten als zentral im Kampf gegen die Corona-Pandemie. „Es ist die Stunde des Multilateralismus“, sagte Merkel. Sie mahnte, „dass ein Abschottungsansatz uns nicht helfen wird, die Probleme zu lösen“.

Merkel kündigte verstärkte Anstrengungen bei der Entwicklungszusammenarbeit an und warb dafür, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit größerem Nachdruck zu verfolgen. „Die große Gefahr jetzt nach der Pandemie besteht darin, dass wir uns alle auf uns selbst erstmal konzentrieren“, sagte Merkel bezogen auf die Industrieländer.

Die Entwicklungsanstrengungen dürften nicht vernachlässigt werden. Als deutsches und europäisches Ziel versprach Merkel: „Wir werden nicht sparen bei Entwicklungszusammenarbeit, sondern eher müssen wir hier noch eine Schippe drauflegen.“

RND

Der Artikel "Merkel: „Die Schnelligkeit unseres Handelns lässt sehr zu wünschen übrig“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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