Einzelhandel

Kleidung und Blumen: Profitieren Supermärkte auf Kosten anderer vom Lockdown?

Viele Einzelhändler und Floristen beschweren sich, dass die Supermärkte derzeit ihr Segment übernehmen und da Geschäfte machen, wo sie es nicht können. Doch der Lebensmittelhandel wiegelt ab.
Kleidung, Bettwäsche, Kopfhörer: Der Discounter Lidl wirbt für seine Saisonangebote. © picture alliance/dpa

Modegeschäfte, Blumenläden, Elektronikfachmärkte – sie alle bleiben noch mindestens bis zum 7. März geschlossen. Der verlängerte Lockdown macht dem Einzelhandel schwer zu schaffen, viele Händler mussten schon Insolvenz anmelden, viele werden noch folgen.

Das steigt der Unmut über die, die weiter Geschäfte machen. Die Tchibo-Ecken in Supermärkten zum Beispiel hatten wohl selten so eine Anziehungskraft auf die Kunden, die ja sonst nirgends mehr stöbern können. Gleiches gilt für die Aktionsware von Aldi und Lidl oder etwa das Blumenangebot bei Rewe und Penny.

„Wir können nur zuschauen, wie die Konkurrenz das Geschäft übernimmt“

Dass die Supermärkte diese sogenannten Non-Food-Artikel weiter anbieten dürfen, ärgert viele. „Wir können nur zuschauen, wie die Konkurrenz unser Geschäft übernimmt“, klagte kürzlich der Geschäftsführer des Floristenverbandes Bayern, Roland Maierhofer. „Gerade Rewe und Edeka stellen nun Floristen ein und lassen sie in einer Ecke Sträußen binden.“ Kurz vor dem umsatzstarken Valentinstag sei das für die Floristen ein riesiges Problem.

Der Chef der Modekette s.Oliver sagte gegenüber dem Nachrichtensender n-tv, die Lebensmittel- und Drogeriemärkte würden sich im Sortiment der Modegeschäfte derzeit sehr wohl fühlen. Und der Mannheimer Modehändler Christian Burkardt-Leitner spricht in der Wirtschaftswoche von Wettbewerbsverzerrung: „Die Discounter und Drogerien dürfen Hemden, Hosen, Schuhe, Dekorationsartikel und Spielzeug verkaufen und wir kleinen Händler sind dicht gemacht worden.“

FDP-Abgeordneter schimpft bei Facebook

Auch der bayrische FDP-Abgeordnete Alexander Muthmann prangert die Verkaufsstrategie der Lebensmittelhändler an. Auf seiner Facebookseite schreibt er: „Norma, Lidl, Real – alle bieten in ihren heutigen Prospekten massenhaft Klamotten, Sportgeräte, Elektronikgeräte, Kleinmöbel usw an!!UND unsere Fachhändler??Müssen zusperren und zuschauen, wie die Filialisten Geschäfte machen. Ein unhaltbarer Zustand!!!“

Der bayrische Landtagsabgeordnete Toni Schuberl von den Grünen wollte gar erreichen, dass der Verkauf aller verzichtbaren Produkte in Lebensmittelmärkten vorerst untersagt wird. Doch die zuständige Behörde wiegelte ab: Wettbewerbsnachteile seien „bedauerlich, aber derzeit leider unvermeidlich“, hieß es in der Antwort des Wirtschaftsministeriums Bayern. „Eine stärkere Beschränkung der Sortimente in den Lebensmittelmärkten würde im Übrigen den geschlossenen Betrieben keinen Vorteil bringen, aber das Warenangebot für die Kunden weiter beschränken.“

Mit dem Thema haben sich auch schon Juristen beschäftigt. Doch das Augsburger Verwaltungsgericht bestätigte kürzlich: Mischbetriebe wie große Supermärkte und Drogerien dürfen weiterhin alles anbieten, was nicht über ihr übliches Sortiment hinausgeht.

Tchibo: Absatz verteilt sich nur um

Die kritisierten Lebensmittelketten und Tchibo beteuern, dass sie kein Profit aus dem geschlossenen Einzelhandel schlagen. „Wir haben unser Sortiment im Lockdown nicht speziell angepasst, um die Nachfrage aus dem geschlossenen Einzelhandel aufzufangen“, sagt Tchibo-Pressesprecher Arnd Liedtke. Tchibo sei durch die Schließung von rund 600 Filialen selbst vom Lockdown betroffen.

Der Absatz verteile sich nun um: „Das was in den Filialen gerade nicht gekauft werden kann, wird dafür im Handel oder Online erworben“, so Liedtke. Derzeit besonders gut verkauft werde alles, was mit Indoorsport zu tun habe, Loungewear und Kochutensilien. Zahlen zum Umsatz im Corona-Jahr 2020 veröffentlicht Tchibo aber erst im August.

Aldi Nord mit reduziertem Non-Food-Geschäft

Der Discounter Lidl teilt auf Anfrage mit, die wöchentlich wechselnden Aktionswochen seien langfristig im Voraus geplant. Das Non-Food-Sortiment werde in bisherigem Umfang angeboten. Man habe aber auf die aktuellen Bestimmungen reagieren und beispielsweise medizinische Masken ins Angebot aufnehmen können.

Aldi Nord geht sogar noch weiter: Man habe im Lockdown das stationäre Non-Food-Geschäft reduziert und die Werbung dafür deutlich heruntergefahren. Der Verkauf konzentriere sich derzeit vor allem auf lange geplante und disponierte Saisonartikel. „Freie Non-Food Plätze werden in unseren Filialen konsequent mit Lebensmitteln des Standardsortiments belegt, um unsere Kunden bestmöglich mit dem zu versorgen, was sie für ihren täglichen Einkauf benötigen“, teilt Aldi Nord mit.

Ware für Toom wird bei Rewe vermarktet

Rewe und Penny verzeichnen nach eigenen Angaben seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Einkäufe in den meisten Sortimenten. Gleichzeitig sei die Unternehmensgruppe durch die Schließung der Toom-Baumärkte ebenfalls direkt vom Lockdown betroffen. Zum Thema Blumenverkauf am Valentinstag hieß es: Schnittblumen und Topfpflanzen gehörten seit jeher zum Angebot der Supermärkte. Nun helfe man „wo möglich, unseren Gärtnern auch die für Toom angebaute Ware bei Rewe und Penny zu vermarkten“.

RND

Der Artikel "Kleidung und Blumen: Profitieren Supermärkte auf Kosten anderer vom Lockdown?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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