Kriminalität

Ikea wirbt mit Horrorfilm über häusliche Gewalt für ein sicheres Zuhause

In Tschechien sorgt ein Werbespot des schwedischen Möbelhauses Ikea für Aufsehen. In dem Film treibt ein Geist sein Unwesen in einem Haus. Ikea will mit dem Film auf häusliche Gewalt hinweisen.
Ikea Tschechien will nun zwei Jahre lang Frauen unterstützen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Mit einer Art Horror-Video will das Möbelhaus Ikea in Tschechien auf das Problem der häuslichen Gewalt aufmerksam machen. In dem Clip ist eine verängstigte Frau zu sehen, die in ihrer Wohnung sitzt, während wie durch Geisterhand Gläser zerspringen und Türen zuknallen.

Erst am Ende wird ein wütender Mann als Verursacher eingeblendet. Daraufhin heißt es, häusliche Gewalt bleibe oft verborgen, obwohl nahezu die Hälfte aller tschechischen Frauen schon eine Art von Missbrauch in ihrem Zuhause erlebt hätten. Unter dem Ikea-Logo ist zu lesen, dass jedes Zuhause ein sicherer Ort sein solle.

Auf Facebook wurde über das Video, über das in Deutschland die Marketing-Fachzeitschrift „Horizont“ und andere Medien berichtet hatten, am Samstag kontrovers diskutiert. „Das ist so bewegend, dass ich eine Gänsehaut bekommen habe“, schrieb eine Nutzerin.

Häusliche Gewalt werde in der tschechischen Gesellschaft zu wenig wahrgenommen. „Ikea hat ein hartes Geschäftsgebaren – und nur ein Dummkopf lässt sich von solchen herzerweichenden Videos ködern“, schrieb indes ein Kritiker. Vor allem bei tschechischen Frauen kommt der Clip indes sehr gut an. Einige danken der Firma, dass sie sich dem Thema nun annimmt.

Corona-Pandemie und Winterzeit erhöhen das Risiko auf häusliche Gewalt

Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 73 Prozent der tschechischen Frauen häusliche Gewalt für ein schwerwiegendes Problem halten, dem zu wenig Beachtung geschenkt werde. Bei den Männern waren es nur 50 Prozent.

An der Befragung im Auftrag der Vodafone-Stiftung nahmen mehr als tausend Personen im Alter ab 18 Jahren teil. Ikea Tschechien schreibt auf Instagram, dass sie in den nächsten zwei Jahren Frauen unterstützen wollen, die von häuslicher Gewalt bedroht sind.

In der kalten und dunklen Jahreszeit und gerade jetzt in der Corona-Pandemie, wenn sich nahezu das gesamte Leben drinnen abspielt, ist die Gefahr für häusliche Gewalt besonders groß. Der Werbespot spielt dabei mit der Außenwahrnehmung von Familien: Während die Gefahr der häuslichen Gewalt für Betroffene real und ein ständiger Begleiter ist, ist sie für Außenstehende oft unsichtbar – wie der unsichtbare Geist, der Gläser zertrümmert und Türen zuknallt.

RND

Der Artikel "Ikea wirbt mit Horrorfilm über häusliche Gewalt für ein sicheres Zuhause" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland
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