Coole Ideen für Eis-Foodies

Gerollt, geschabt, beschwipst: Sieben Eis-Trends aus aller Welt

Bis vor einigen Jahren waren Kreationen wie Pizza- oder Sushi-Eis das Aufregendste, was in deutschen Eisdielen zu finden war. Aber nun tut sich was in der Szene - Trends aus aller Welt.
Eis in der Waffel geht immer - es gibt aber Raffinierteres. © picture alliance / dpa Themendienst

Wer heute Eis essen geht, hat längst nicht nur die Wahl zwischen den Sorten Schoko, Schlumpf oder Mango. In manchen Läden wird das Frosten als Live-Show zelebriert. Andere locken mit gesundem Natureis. Oder mit Schnaps.

Trend 1: Das Nebelspektakel

Er trat bei Galileo sowie in der Höhle der Löwen auf und für Stefan Raab frostete er live Mettbrötchen-Eis: Philipp Niegisch. Er gehört zu den vielleicht bekanntesten Eismachern Deutschlands.

Seinen Fernsehruhm verdankt er seiner spektakulären Methode: Niegisch arbeitet bei Woop Woop Ice Cream in Berlin mit flüssigem Stickstoff – das Gas brodelt und dampft wie kochendes Wasser.

Mit knapp 200 Grad minus trifft der Stickstoff auf die Mischung aus Milch, Sahne, Zucker und weiteren gewünschten Zutaten. Unter schnellem Rühren wird alles in 30 bis 40 Sekunden schockgefriert.

Das Ganze ist nicht nur Budenzauber. Durch das extrem schnelle Frieren bildeten sich nur winzige Eiskristalle, sagt Niegisch. Das Eis werde so außergewöhnlich cremig. Und weil kaum Luft eingeschlagen wird, schmecke es sehr intensiv.

Erfunden hat Niegisch diese Methode nicht. Stickstoff-Eis gab es zuvor schon in den USA, in Australien und Großbritannien. In Deutschland hat mittlerweile N’Ice in Osnabrück nachgezogen.

Aber während die meisten Stickstoff-Eismacher mit Handschuhen und Schutzbrille hantieren, kann sich Niegisch diesen Panzer sparen. Ein Kryotechnik-Ingenieur bastelte ihm ein vakuumisoliertes Rohrleitungssystem, die goldenen Töpfe mit der Mischung stehen in einem Glaskasten, das Stickstoffventil wird per Knopfdruck geöffnet.

Die Sorten wechseln jeweils nach vier Wochen und haben alle einen besonderen Twist. Vanille zum Beispiel ist gemixt mit Keksteig und Salzbrezeln. Klingt wie das perfekte Rezept für einen Hype.

Warum gibt es nicht längst mehr Stickstoff-Eiscafés?

„Stickstoff hat seinen Preis“, sagt Niegisch, seine Methode sei technisch aufwändig, und das individuelle Mixen und Frosten für jeden Kunden dauere. „Klassische Eisdielen produzieren effizienter und günstiger.“

Fun Fact: Die Töpfe von Woop Woop Ice Cream sind nicht wirklich vergoldet. „Wir ließen sie mit Titaniumnitrit beschichten“, erzählt Niegisch. „Zum Glück kamen sie golden zurück und nicht giftgrün.“

Trend 2: Rollen statt Kugeln

Reichlich Live-Show bekommen die zahlenden Kunden auch bei gerolltem Eis. Erfunden wurde es angeblich in Thailand, zum internationalen Hype wurde es – wie könnte es anders sein? – in New York.

Online trug dazu maßgeblich der Hamburger Gil Grobe bei, der den extrem beliebten You-Tube-Kanal Ice Cream Rolls betreibt. Allein seine Anleitung für Schokoladeneis wurde 61 Millionen Mal geklickt.

Ice Rolls - mal etwas anderes als die üblichen Kugeln.
Ice Rolls – mal etwas anderes als die üblichen Kugeln. © picture alliance / Daniel Karmann/dpa © picture alliance / Daniel Karmann/dpa

Der Clou am Rolleis ist eine bis zu minus 30 Grad kalte Platte. Auf ihr werden Milch oder Sahne sowie die geschmacksgebenden Zutaten gekippt – und dann mehrmals mit zwei Spachteln zerhackt und gemixt. Zum Schluss die Masse sehr dünn und gleichmäßig über die kalte Platte verstreichen, mit dem Spachtel Bahn für Bahn aufrollen – fertig.

Die gesamte Prozedur dauert nur wenige Minuten, dadurch sind die Eisrollen besonders cremig. Und im Becher nebeneinander gestellt und mit einer Sahnehaube gekrönt, sehen sie aus wie eine Blume.

Hierzulande bieten das Trend-Eis zum Beispiel diese Läden an:

  • Delabuu Ice Cream in Berlin
  • Cinelli’s Ice Cream Rolls in Frankfurt am Main.

Im Prinzip lasse sich aus allen Zutaten Rolleis machen, sagt Grobe, der mittlerweile mehr als 1000 Videos produziert hat. Eines seiner Lieblingsrezepte: gesalzene Kartoffelchips mit Karamell.

Die arabische Variante des Rolleises bietet Abeer Audi im Café Frisch in Kiel. In ihrer Heimat Syrien werde gerolltes Eis seit langem auf Hochzeiten serviert, erzählt die Juristin. Das klassische und bis heute beliebteste Rezept: Mascarpone, Sahne und viele Pistazien. Die arabische Note bringen zermahlene Orchideenknollen, getrocknetes Harz von Mastixsträuchern und Orangenblütenwasser rein.

Tipp: Rolleis lässt sich auch zu Hause ohne Kälteplatten machen:

  • Früchte, Kekse oder Schokolade fein hacken,
  • mit Milch, Eiern und Zucker mixen und
  • dünn in einer Stahlpfanne verteilen.
  • Mehrere Stunden in die Tiefkühltruhe stellen undmit einem scharfen Pfannenwender aufrollen.

Trend 3: Bunter-Schnee-Eis

Auch dieser Eis-Trend kommt aus Asien – ist aber schon mehr als 1000 Jahre alt. In Japan ließen sich damals Kaiser und Adelige Eisblöcke von den Bergen schleppen und aus den zugefrorenen Seen schneiden, mit superscharfen Messern feine Flocken absäbeln und Sirup drüber gießen.

Übersetzt bedeutet Kakigori nichts anderes als: geschabtes Eis.

Seit es Eismaschinen gibt, ist Kakigori für jeden erschwinglich. Und dank Pionieren wie Masataka Namba können nun auch Europäer das Nationaleis Japans probieren.

  • Im Sommer 2018 eröffnete er in Berlin das Tenzan Lab, das erste Kakigori-Café Europas.
  • Mittlerweile bietet auch der Tokyo Yatai Foodtruck in Frankfurt am Main Kakigori an.

Namba ist ein Vertreter der neuen Kakigori-Welle, die seit einigen Jahren durch Japan rollt. „Besessene suchen nach dem perfekten Eis und tüfteln an ausgefallenen Sirup-Kombinationen“, erzählt Namba.

Ein Beispiel: Matcha – zermahlener Grüntee – mit Mascarpone und Sake kasu, also die weiße Paste, die beim Brauen von Sake übrig bleibt.

Allein die glasklaren Eisblöcke zu fertigen, ist eine ausgefeilte Prozedur. Mehrere Tage dauert es, bis das Wasser bei knapp unter null Grad gefroren ist.

„Je langsamer es friert, desto fluffiger wird es“, sagt Namba. Und Fluffigkeit ist der Clou an Kakigori. Mit einer rasiermesserscharfen Klinge raspelt die Maschine hauchfeine Flocken von den Eisblöcken. Die Sirupe und auch die Kondensmilch dazu macht Namba selbst.

Auf Instagram und Co. sehen die Schneeberge mit ihren bunten Hauben natürlich grandios aus. „Eigentlich will ich, dass die Kunden gleich essen“, sagt Namba, „aber viele fotografieren erst mal lange.“

Geschabtes Eis gehört auch in Taiwan, Korea und selbst auf Hawaii zur kulinarischen Kultur. Die südkoreanische Variante Bingsu ist zum Beispiel im Restaurant Kyu Bang in Frankfurt am Main zu haben.

Fun Fact: Dass japanische und italienische Eistradition wunderbar vereinbar sind, beweist das Restaurant Per La Vita in Tokio. Es bietet Tiramisu-Kakigori an. Das Eis dafür stammt angeblich vom heiligen Berg Fuji.

Trend 4: Veganes Eis

Den Megatrend zum leichten und gesunden Essen können natürlich auch die Eismacher nicht ignorieren. „Das Thema Vegan spielt eine große Rolle“, sagt Ernst Kammerinke vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). „Das wird auch dauerhaft bleiben.“

Bei Sorbets – Halbgefrorenem aus Fruchtsaft, Fruchtpüree und Zucker – haben es die Eismacher leicht: sie sind meist von Natur aus vegan. „Milch würde den Geschmack von Erdbeeren oder Mango nur verfälschen“, erklärt Stefano De Giglio, der Gründer der Eismarke Del Fiore.

Nun aber werden zunehmend Milch und Sahne durch Mandel-, Hafer- oder Kokosmilch sowie durch Raps- und Sonnenblumenöl ersetzt. „Vorreiter war das Schokoladen-Sorbet“, sagt Annalisa Carnio von Uniteis, der Union Italienischee Speiseeishersteller in Deutschland. „Mittlerweile gibt es auch Pistazie, Haselnuss oder Mandel vegan.“

Im Grunde kehren Eismacher damit zu den Wurzeln zurück, sagt Adriano Colle, Besitzer des Eiscafé Venezia in Kempten. „Mein Großvater hatte in München vier oder fünf Sorten, alle Sorbets“ erzählt der deutsche Eismeister von 2014. Schoko- und Nusseise seien früher als Sorbets zubereitet worden. „Kakao und Nüsse haben ja genug Fett“.

Und wie schmeckt das? Drei Experten geben ihre Einschätzung ab:

  • Veganes Schokosorbet sei „tausend Mal interessanter als klassisches Schoko-Eis“, sagt Giorgio Ballabeni, der in München mehrere Eisdielen betreibt. In fünf Jahren werde es mehr vegane als klassische Eissorten geben.
  • Adriano Colle stimmt ihm zu. „Wenn jemand dunkle Schokolade liebt, ist Sorbet das Richtige.“ Milch überdecke den Kakaogeschmack, im Sorbet komme er erst richtig zur Geltung. „Ich bin Fan von Veganeis“, sagt Colle.
  • Stefano De Giglio ist eher skeptisch. „Bisher kommt nichts an echte Milch heran“, sagt er. Und noch sei es unmöglich, Sahne geschmacklich gleichwertig zu ersetzen. Zwar sei es kalifornischen Firmen gelungen, Milchproteine identisch nachzubilden. Bisher aber seien diese auf dem europäischen Markt nicht verfügbar. „Das ist noch Zukunftsmusik“, sagt De Giglio.

Trend 5: Fitness-Eis

Eine gesunde Alternative soll auch Protein-Eis sein. Die Hersteller setzten meist Milch- und Molkenproteine zu, erklärt Ernst Kammerinke vom BGSI. Bei veganen Sorten verwenden sie Erbsenprotein. Die Packungen versprechen oft weniger Zucker oder Fett. Gesüßt wird mit Ahornsirup oder Süßungsmitteln wie Erythrit.

Die Frage ist: Schmeckt das?

„Eis ohne Zucker ist wie ein Filet-Steak ohne Fleisch“, sagt Uwe Koch, der Gründer der Eisfachschule in Werl. „Es ergibt keinen Sinn.“ Denn Zucker mache das Eis nicht nur süßer, sondern auch cremiger.

„Fitness-Eis ist Marketing, ein Fantasiebegriff“, sagt Harald Seitz, der Sprecher des Bundeszentrums für Ernährung. „Es bleibt eine Süßigkeit, meist mit einer ganzen Menge Zucker.“

Einen Schritt weiter geht Gunther Nann, der Gründer von Ice Date. Fast alle seine Eissorten haben nur drei Zutaten: Cashewcreme als Basis, Datteln zum Süßen und die namensgebende Zutat, zum Beispiel Himbeere oder Haselnuss.

„Jede Zutat soll ein gesundes Lebensmittel sein, das ich auch pur essen würde“, sagt Nann. Deshalb druckt er sie auch groß auf den Deckel. Seine Rezepte entwickelte Nann, als er als Rohköstler in einer Jurte in den Schweizer Bergen lebte.

Worauf er stolz ist: Alle seine Eise, die er in Bioläden und seiner Eisdiele in München verkauft, haben den Nutri-Score A – also die Bestnote auf der fünfstufigen Nährwertampel. Und die Cashews und Datteln kommen von fairen Bio-Projekten in Burkina Faso und Tunesien.

Trend 6: Cocktail-Eis

Eis am Stiel klingt nach Kindheit, nach Freibad und Urlaub mit den Eltern. Zwei junge Eismacher haben es nun partytauglich gemacht. Die beiden Marken heißen, getunkt in viel Lokalkolorit, „Schleckdruff“ in Berlin und „Eiskoid“ in München.

Bei Eiskoid gibt es vor allem den puren Stoff – zum Beispiel:

  • Marille
  • Willi – also Williams Birne
  • Pfeffi

Schleckdruff setzt auf Cocktails – wie:

  • Moscow Mule
  • Mojito
  • Mango Daiquiri
  • Strawberry Daiquiri

Verkauft wurden das Schnaps-Eis bisher vor allem auf Festivals, aus dem Bauchladen. „Auf Hochzeiten sind sie eine super Alterative zum Sektempfang“, sagt Andreas Linke, der Gründer von Eiskoid.

In Coronazeiten bleibt nur der Online-Versand – zum stolzen Preis: 15 Stück kosten 44 Euro aufwärts. Dafür gibt’s ausschließlich natürliche Zutaten. „Und bis auf Espresso Vodka ist alles vegan“, sagt Linke.

Drinks zum Schlecken bieten auch andere Marken, etwa:

Shot Ice

24 ICE

Und online finden sich längst Rezepte zum Selbermachen.

Viele beschwipste Eise enthalten nur vier bis sieben Prozent Alkohol. In Eiskoid und Schleckdruff dagegen stecken 11,5 Prozent – zu kaufen sind sie deshalb erst ab 18 Jahren. Auf Festivals bekommen das so manchen schwitzenden und durstigen Tänzern zu spüren, sagt Linke. „Nach dem achten Eis bin ich nicht mehr ganz bei mir.“

Trend 7: Eis als Kunst

Zugegeben, der Weg ist weit. Aber was der Eismacher Giapo Grazioli in Auckland so zaubert, ist schlicht spektakulär. In seinem Laden „Giapo“ in Neuseelands Metropole bastelt er aus Schokolade, Waffeln und Eis etwa Fingerpuppen, Bilderrahmen für Selfies oder Kalmare mit gewundenen Tentakeln. Seine Kreationen sind wie geschaffen für Instagram und Co. Und nebenbei schmecken sie auch noch fantastisch.

dpa

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