Frohe Ostern – Streamingtipps für die Feiertage

Dank Streaming kann man sich sein Feiertagsprogramm zu Ostern selbst zusammenstellen. Bei Amazon wird es vorwiegend heiter, bei Sky in „Your Honor“ ernst, auch in der ZDF-Mediathek wird man fündig.
Dank Streaming kann man sich sein Feiertagsprogramm zu Ostern selbst zusammenstellen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Die Osterfeiertage hatten früher TV-mäßig immer eher etwas Ernstes, Erhabenes. Es war die Zeit für brokatene Bibelfilme – für „Das Gewand“, „Ben Hur“, „Quo Vadis“. Mit dem Heraufziehen der privaten Sender schmuggelte sich dann auch schon mal ein Horrorfilm ein. Aber zum Lachen ging das christliche Abendland an diesen Feiertagen in den Keller oder auf Ostereiersuche. Mit Streaming nun ist inzwischen jeder der Souverän seiner eigenen feiertäglichen Programmgestaltung. Und: Alles geht.

Stunde der Comedians – vorwiegend heiter bei Amazon und Sky

Wer es also zu Ostern gern fröhlich hat, der versuche es bei Amazon Prime Video mit der ersten Staffel der Show „LOL: Last One Laughing“, die dort seit 1. April zu sehen ist. Zehn deutsche Comedians dürfen partout nicht lachen, während sie auf Teufel komm raus versuchen, sich gegenseitig eben dazu zu bringen. Wer wird als Letzte(r) die Mundwinkel Richtung Ohren verziehen – Anke Engelke, Barbara Schöneberger, Carolin Kebekus, Max Giermann, Kurt Krömer, Wigald Boning, Torsten Sträter, Rick Kavanian, Mirco Nontschew oder Teddy Teclebrhan? Das wird von Bully Herbig streng überwacht.

Beim Bezahlsender Sky startet eine komplette Lustigkeitssparte namens Sky Comedy. Und Dieter Nuhr bietet drei Episoden lang „Eine kurze Geschichte des Humors“. Comedians und wissenschaftliche Experten stehen ihm zur Seite. Und wenn Kulturanthropologen und Sozialpädagogen alles gesagt haben, wissen wir, warum wir lachen und über wen nicht.

Bryan Cranston, Sherlocks junge Helfer, Miss Marples Erben

Der Atem stockt: Bryan Cranston gerät in der Thrillerserie „Your Honor“ bei Sky als gütiger Richter über eine Unfallflucht seines Sohnes in eine ähnlich gefährliche Bredouille wie Sascha Gersak als bestechlicher Polizist Frank Elling in Holger Karstens äußerst gelungener deutscher Thrillerserie „Die Toten von Marnow“ (in der ARD-Mediathek). Netflix hat mit „Dealer“ die wohl rasanteste aller Serien derzeit am Start. Da die zehn Folgen im Schnitt neun Minuten dauern, kann man sich schnell anderen Feiertagsstreamingprojekten zuwenden.

Zum Beispiel der Serie „Die Bande aus der Baker Street“. Netflix führt hier in ein ahistorisch aufgepepptes viktorianisches London, in dem Straßenkinder und ein Königssohn als Gehilfen von John Watson und Sherlock Holmes (beide Krimilegenden sind komplett anders drauf als das Cumberbatch/Freeman-Doppel) auf übernatürliche Ereignisse stoßen. Ohne Schreckwesen aus anderen Welten geht es bei Cormoran Strike und Robin Hellacott zu. Das Detektivduo aus der Feder von Joanne K. Rowling erinnert in der zweiten Staffel von „Strike“ bei Sky an die großen Tage von Agatha Christies Miss Marple.

Netflix macht in Cowboys, Disney+ in Science Fiction

Auf dem Portal mit dem roten „N“ reist man mit Tom Hanks und Helena Zengel in „Neues aus der Welt“ 118 Minuten lang durch einen unfreundlichen Wilden Westen. Oder man reitet mit Idris Elba – auch bei Netflix – im Vater-Sohn-Drama „Concrete Cowboy“ durch Philadelphia.

Bei Disney+ kann man mit „Wanda Vision“ und „The Falcon and The Winter Soldier“ erleben, dass Marvel mit seinen Superhelden höchst vergnüglich neue Wege beschreiten kann. Und wer auf demselben Portal den „Mandalorian“ noch nicht gesehen hatte, dem wird in zwei Staffeln die beste „Star Wars“-Geschichte seit „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ vor fast 40 Jahren offenbar. Es geht doch!

Eltern, Kinder, Geheimnisse

Eine Mutter, eine Tochter und Geheimnisse gibt es in Netflix‘ Familienserie „Ginny & Georgia“ – einer Art „Gilmore Girls“ in düster. Und dann sind da noch ein Vater, eine Tochter und menschliche Abgründe: Quasi auf den letzten Feiertagsdrücker veröffentlicht Amazon Prime Video am Ostermontag (5. April) Samantha Starks brisante Künstlerdoku „Framing Britney Spears“. Der von der „New York Times“ mitproduzierte Film stellt die Frage, wie ein längst wieder souverän agierender Popstar mit 39 Jahren immer noch unter der Vormundschaft seines Vaters stehen kann. In den USA hatte Starks Werk eine schwelende Debatte über Fremdbestimmung neu entfacht.

In der ZDF-Mediathek schließlich findet sich die komplette, wunderbare „Ku’damm“-Saga samt aktuellem Neuzugang „Ku’damm 63“. Wer nie geglaubt hätte, die konservative Tanzschulmatriarchin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) könnte heimlich im Freestyle zu „Twist & Shout“ von den Beatles abrocken – hier hat man (inmitten von sehr viel Drama) das Vergnügen. Nach dem Ende der drei Episoden hat man dann sofort wieder Heimweh nach dem Kurfürstendamm. Also das Ganze noch einmal von vorn. Mit Streaming geht auch das!