Wohnen

Die eigene Einrichtung mieten statt kaufen: ein Trend mit Zukunftschancen?

Bei einigen Anbietern kann man Möbel mieten statt kaufen. Wie funktioniert das, für wen lohnt es sich und welche Vorteile bringen gemietete Möbel und Wohnaccessoires mit sich? Ein Überblick.
Mit Mietmöbeln kann man sein Zuhause ständig verändern, ohne gleich alles neu kaufen zu müssen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Möbel mieten statt kaufen: Die Shared Economy setzt sich zusehends auch beim Thema Einrichtung durch. Mehrere Anbieter haben vom speziellen Bett bis zur Kompletteinrichtung alles fürs Wohnen auf Zeit im Angebot.

Auf den ersten Blick wähnt man sich bei Lyght Living in einem gewöhnlichen Webshop. Auf der Startseite erscheinen wechselnde Aufnahmen verschiedener Wohnbereiche, darunter zeigen freigestellte Bilder eine Auswahl von Möbeln: einen Esstisch aus Eichenholz, ein dunkelgraues Boxspringbett, ein Set aus Schreibtisch und Schreibtischstuhl.

Ein Button mit der Aufschrift „Entdecken Sie unsere Produkte“ führt zu einer Übersicht mit allen Möbelstücken und Wohnaccessoires, die Bandbreite reicht von Sofas, Sesseln und Sideboards über Kissen im Dschungellook bis hin zum Dekountersetzer aus Seegras und einem Zeitungshalter aus Kupferdraht.

Doch spätestens bei den Preisen, die unter den einzelnen Artikeln stehen, fällt schließlich auf, dass hier etwas anders ist. Denn statt einer festen Zahl steht dort ein Preis pro Monat – ein Mietpreis. Einrichtungsgegenstände zu mieten war bisher vor allem in der Eventbranche verbreitet. Dort können Veranstalter beispielsweise Stühle, Tische oder Loungemöbel für die Dauer ihres Events gegen eine Gebühr ausleihen. Nun erobert das Konzept aber auch andere Branchen und private Haushalte.

Für Flexible und Experimentierfreudige

Diese Entwicklung bestätigt auch Daniel Ishikawa, der Gründer des Unternehmens Furniture Leasing, das die Marke Lyght Living kürzlich übernommen und in Lyght Living Furniture Leasing umbenannt hat. Zu seinem Kundenstamm zählen beispielsweise Betreiber von Studentenwohnheimen und Firmen aus den verschiedensten Sparten.

Gerade bei Letzteren sei das Homeoffice seit Sommer 2020 zum großen Thema geworden. „In der Anfangsphase war es gang und gäbe, sich selbst zu kümmern“, sagt Ishikawa, „doch immer mehr Arbeitnehmende haben die Nase voll davon, am Esstisch ihre Arbeit zu verrichten und den Arbeitgebern kostenlos ihre Zimmer und Möbel zur Verfügung zu stellen.“

In den letzten Monaten sähen sich daher viele Firmen gezwungen, Lösungen für ihre Angestellten anzubieten. Aus diesem Grund bietet Ishikawa verschiedene Homeofficesets an, die alle arbeitsrechtlichen Bedingungen erfüllen und daher unter anderem ergonomisch geformte Stühle und höhenverstellbare Schreibtische beinhalten.

Ganz generell, sagt Ishikawa, beobachte er aber, „dass das Angebot, Möbel zu mieten, nicht mehr nur Firmen anspricht“. Zu den Kunden und Kundinnen seines Unternehmens zählen etwa Studierende oder Pendler. Und gerade die jüngere Generation wünsche sich oft mehr Flexibilität im Leben. Darüber hinaus seien Möbel auf Zeit für viele eine gute Möglichkeit, sich immer mal wieder neu einzurichten, Stile und Trends auszuprobieren, ohne sich langfristig an seine Einrichtung zu binden.

Das Rundum-sorglos-Paket – zum entsprechenden Preis

Das Ganze funktioniert wie folgt: Zunächst wählt man aus, welche Möbel oder Wohnaccessoires man wie lange ausleihen möchte. Neben Einzelstücken sind auch komplette Zimmerausstattungen mietbar, etwa ein Schlafzimmerset mit Bettgestell, Lattenrost, Matratze und Beistelltisch, auf Wunsch zusätzlich mit Decken, Kissen, Lampen und Deko. Die Mindestlaufzeit beträgt bei den meisten Anbietern vier Wochen; die maximale Mietdauer mehrere Jahre. Zumindest bei Lyght Living mieten die Menschen ihre Einrichtung im Schnitt aber zwei Jahre.

Nach wenigen Tagen kommt ein Transporter angerollt, die Möbel werden aufgebaut und dem Kunden oder der Kundin fix und fertig übergeben. Nach Ablauf der Mietdauer kommt wieder ein Team des jeweiligen Anbieters, baut alle Möbel ab und transportiert sie wieder in das Lager. Für den Kunden oder die Kundin kann es weitergehen in eine neue Wohnung, eine neue Stadt, ein neues Land – ohne dass er oder sie sich darum kümmern muss, dass alles pünktlich zum Auszug abgebaut ist, dass die Möbelteile richtig im Umzugswagen verstaut sind und rechtzeitig am neuen Wohnort landen.

Diese bequeme Art, sich einzurichten, hat ihren Preis. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Mietmöbeln auszustatten kostet etwa 150 bis 200 Euro im Monat. „Für jedes weitere Schlafzimmer kann man ganz grob mit 50 Euro mehr rechnen“, sagt Ishikawa von Furniture Leasing. In Anbetracht der Tatsache, dass Vermietende bei einer möblierten Wohnung den sogenannten Möblierungszuschlag auf die monatliche Miete aufschlagen dürfen, ist das Ganze aber ein Rechenbeispiel: Kostet eine möblierte Wohnung mehr als eine vergleichbare unmöblierte Wohnung plus die selbst angemieteten Möbel, lohnt sich die Sache auch finanziell aus Mietersicht.

Nachhaltigkeit durch ein Kreislaufsystem

Darüber hinaus ist das Konzept des Möbelmietens auch aus umwelttechnischer Sicht interessant. „Schon beim Einkauf wählen wir Möbelstücke aus, die sich gut für die Vermietung eignen“, erklärt Daniel Ishikawa vom Unternehmen Furniture Leasing. Dabei komme es unter anderen darauf an, wie schwer und sperrig die Möbelstücke seien – aber vor allem auch, wie stabil.

Das kommt auch der Umwelt zugute: „Wir wählen Möbel aus, die lange halten“, sagt Daniel Ishikawa, „auch aus Eigennutz. Wenn wir die Möbel nach einer Vermietung in den Sperrmüll schmeißen müssten, könnten wir das Geschäftsmodell nicht lange halten.“

Stattdessen lässt Ishikawa alle Einrichtungsgegenstände nach jeder Vermietung aufarbeiten und zum Teil reparieren. Bei den Polstermöbeln werden, wo es möglich ist, die Bezüge abgezogen, gewaschen und wieder aufgezogen. Selbst Matratzen erhalten eine umfangreiche Reinigung. Auf diese Weise gelangen sie neuwertig und komplett hygienisch an ihrem nächsten Einsatzort an – und das mehrmals, sofern sie dann die maximale Nutzungsdauer von sieben bis zehn Jahren, die beispielsweise der Fachverband Matratzenindustrie empfiehlt, noch nicht überschritten haben.

Die meisten Objekte lassen sich Ishikawa zufolge so fünf- bis siebenmal neu vermieten. Bei der von ihm genannten durchschnittlichen Mietdauer von zwei Jahren sind die Möbel so mindestens zehn Jahre im Umlauf, manche auch länger. „Auf diese Weise erweitern wir die Lebenszyklen der meisten Möbelstücke deutlich“, sagt er.

Sein Ziel ist es dennoch nicht, die Menschen zu missionieren: „Möbel mieten ist nichts für jedermann oder jedefrau“, stellt Ishikawa klar – aber für alle, die sich gerne flexibel einrichten und ihr Zuhause nur auf Zeit bewohnen, durchaus eine Alternative zum eigenen Mobiliar.

Der Artikel "Die eigene Einrichtung mieten statt kaufen: ein Trend mit Zukunftschancen?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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