Matthias Hilgering im Deutschland-Shirt gegen Matthias Missing mit den französischen Vertretern. © Stephan Schütze
Kulinarischer EM-Vergleich

Deutschland gegen Frankreich: Wer knallt besser – Sekt oder Champagner?

Zum Fußballklassiker Deutschland-Frankreich wollen wir eine kulinarische Grundsatzfrage klären. Was ist besser: deutscher Sekt oder französischer Champagner? Ein Dortmunder Weinhändler hilft.

Frankreich ist Fußballweltmeister. Und wohl auch Schaumwein-Weltmeister, denn das prickelnde Getränk , das ausschließlich in der Champagne produziert werden darf, gilt weltweit als das festlichste aller Getränke. Das Nonplusultra des Prickelns, der Spielmacher des Spaßes, quasi unbesiegbare Exklusivität.

Kann da der deutsche Winzersekt überhaupt mithalten? Mit dieser Frage haben wir uns an das Dortmunder Weinhaus Hilgering am Westenhellweg gewandt. Die Wein-Experten Matthias Hilgering und Matthias Missing haben für uns zwei Länder-Auswahlen zusammengestellt.

„Prost!“ gegen „Santé!“: Die Wein-Experten testen die Kontrahenten. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Aus jeweils drei Flaschen (statt elf) bestehen die Teams, ein Angreifer ist dabei der Star, ein Mittelfelder als Allrounder und ein Verteidiger für jede Gelegenheit.

Die Frage nach dem Favoriten erübrigt sich beim Blick auf den Marktwert der beiden Mannschaften. Für Deutschland treten drei flaschengereifte Winzersekte im Wert von 56,40 Euro an, die Franzosen kommen auf 332 Euro. Die Sache scheint schon vor dem Anpfiff klar.

Angriff: Superstar für 220 Euro gegen Preis-Leistungs-Riesen

Superstar in den Reihen der Franzosen ist der „2012er Roederer Cristal Brut“. Stattliche 220 Euro kostet der edle Tropfen, der nur in jenen „großen Jahren“ produziert wird, in denen der Chardonnay (40%) und der Pinot Noir (60%) ihre perfekte Reife erlangen.

Anschließend lagert er 6 Jahre im Keller und ruht weitere 8 Monate nach dem „Dégorgement“ (dem Entfernen des Hefesatzes, der bei der Produktion von Schaumwein mittels Flaschengärung entsteht).

Der „2012er Roederer Cristal Brut“ besticht durch seine Ausgewogenheit. In der seidigen Textur verschmelzen verschiedene Fruchtaromen von kandierten Früchten, Zitrusnoten, Pollen (weiße Blüten), gerösteten Haselnüssen und Madagaskar-Vanille. Am Gaumen ist er konzentriert und kreidig. Er kann einfach alles. Eine reine Tormaschine. Schwer zu verteidigen.

Team Frankreich: Drei mal Champagner. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Doch er bekommt heute einen unkonventionelles Gegenüber: einen „2015er Assmannshäuser Pinot Noir Sekt Brut (rot)“ aus der Sektmanufaktur Schloss Vaux im Rheingau (25,90 Euro).

Der Jahrgang 2015 war perfekt für den Pinot Noir. Der Geschmack ist geprägt von reifen Tanninen und Frucht, die an Kirschen erinnert. Ein Hauch von Mandel. Die Grundweine stammen aus einer der besten deutschen Rotweinlagen, dem Assmannshäuser Höllenberg.

Drei deutsche Sekte: aus Rheinhessen, der Pfalz und dem Rheingau. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Der Höllenberg mit seinem Mikroklima aus sonnenbeschienenen Hängen, dem ausgleichenden und wärmereflektierenden Rhein zu Füßen und der idealen Zusammensetzung der Schiefer- und Quarzitböden macht ihn zu einem würdigen Gegner. Durch seine Qualitäten ist er ein Preis-Leistungs-Riese.

Trotzdem: Gegen den Kilian Mbappé unter den Schaumweinen kommt er nicht an. 1:0 für Frankreich.

Mittelfeld: Gute Balance gegen Hefearomatik

Das Duell im Mittelfeld zeigt ebenso deutlich die jeweilige nationale Spezifik. Die Winzersekte punkten mit guter Balance zwischen Frucht und Säure, die Champagner prahlen mit ihrer schönen Hefearomatik.

Für Deutschland tritt hier ein echter Knipser an. „Chardonnay Sekt Brut nature“ vom Weingut Knipser aus der Pfalz (16,50 Euro) gegen den „Champagne Ruinart Blanc de Blancs Brut“ (72,50 Euro).

Der Pfälzer erinnert an die „Walz aus der Pfalz“: Fruchtig-jugendlicher Chardonnay brut nature, endvergoren – ohne Dosage (0g Restzucker). Elegante, reife Zitrusfrüchte, Birne und grüner Apfel, kombiniert mit subtiler Briochenote und einem saftigen, erfrischenden Nachhall mit einem zarten Schmelz.

Der teurere Franzose ist ein Routinier: Die erste Nase erzählt von frischen Früchten, insbesondere reifen Zitrusfrüchten. Die Zweite ist sehr fein und blumig, mit Geruchsnoten von weißen Blüten und weißfleischigen Früchten (weißer Pfirsich). Ein eleganter Mittelfeldstar.

Sein Spielwitz ist dann doch ein wenig zu viel für den Pfälzer. 2:0 für Frankreich.

Verteidigung: Auf diese prickelnden Vertreter ist Verlass

Zweimal souveräne Verlässlichkeit in der Abwehr: der „Champagne Billecart Salmon Brut Reserve“ (39,50 Euro) ist hierzulande nicht so bekannt, in Frankreich ist er einer der beliebtesten auf Feiern aller Art: Auch er ist klassisch Brut vergoren, sehr harmonisch, angenehm schlank und besticht mit einer feinen Perlage. Am Gaumen entfaltet er ein fruchtiges Aroma von Zitrusfrüchten, etwas Steinobst und feine beerige Noten.

Doch auch ihm gegenüber muss sich der deutsche Kontrahent nicht verstecken. Ein „Cisterzienser Sekt Sauvignon Blanc Brut“ vom Cisterzienser Weingut Michel aus Rheinhessen (14,90 Euro). Er besticht durch tolle Noten feiner Blüten und die sortentypische Stachelbeere, gepaart mit reifem Steinobst und Mango. Im Mund präsente Säure mit feiner, süßer Frucht, die Perlage ist fein und klar.

Damit hat er die Nase knapp vorne vor seinem französischen Kontrahenten. 2:1, der Anschlusstreffer immerhin, aber mehr auch nicht.

Fazit: Deutschland muss sich auf eigene Stärken konzentrieren

Gegen die Champagner-Stars können die Deutschen nicht gewinnen, wenn sie sein wollen wie sie. Doch mit Konzentration auf die eigenen Stärken, mit Mut zum eigenen Stil und großer Klasse im Preis-Leistungs-Segment kann sich das Trio sicherlich den Stars stellen. Die Fans lieben beide Teams.

Und wie heißt noch ein berühmtes Sprichwort über den Schampus: „Nach einem Sieg verdienst Du ihn, nach einer Niederlage brauchst Du ihn!“ In diesem Sinne!

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