Impfung

Corona-Impfungen: Ab wann besteht ein Immunschutz?

Daten aus Israel zeigen, dass schon eine erste Corona-Impfdosis das Erkrankungsrisiko reduzieren kann. Vor allem ältere Menschen sollten sich jedoch noch nicht in Sicherheit wiegen.
Eine Krankenhausmitarbeiterin wird im Universitätsklinikum Gent mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus geimpft. © picture alliance/dpa/BELGA

Wie lange dauert es, bis nach der Corona-Impfung ein Impfschutz aufgebaut wird? Die Zulassungsstudien der Hersteller und erste Daten aus Israel zeigen, dass schon nach der ersten Impfdosis das Erkrankungsrisiko sinkt. Für die Hauptrisikogruppe der älteren Menschen reicht die Wirkung aber nicht aus, warnt das Robert Koch-Institut.

Biontech/Pfizer schätzen anhand der Daten ihrer Zulassungsstudien, dass zwölf Tage nach der ersten Impfdosis eine Wirksamkeit von 52 Prozent erreicht wird. Die Autoren betonen dabei, dass die Studie nicht darauf ausgelegt sei, die Effektivität einer ersten Impfdosis zu berechnen.

Die britischen Gesundheitsbehörden hatten eine eigene, allerdings umstrittene Auswertung der Pfizer-Daten vorgenommen und dabei für den Tag 15 bis 21 nach der ersten Dosis einen Impfschutz von 89 Prozent errechnet. Aufgrund der Berechnungen verabreicht Großbritannien die zweite Impfdosis erst später und versucht stattdessen, schnell möglichst vielen Menschen eine erste Impfdosis zukommen zu lassen.

Erste Erfahrungswerte

Nach Beginn der Massenimpfungen liegen nun erste Erfahrungswerte vor. Gute Daten gibt es vor allem aus Israel, wo relativ schnell ein großer Anteil der Bevölkerung geimpft wurde. Das israelische Gesundheitsministerium hatte verglichen, wie viele Geimpfte sich zwei Wochen, nachdem sie die erste Dosis der Vakzine von Biontech/Pfizer erhalten hatten, noch infizierten. Im Vergleich zu Ungeimpften steckten sie sich nur noch halb so oft mit dem Coronavirus an, was zu der von Biontech/Pfizer angegeben Wirksamkeit von etwa 50 Prozent passt.

Allerdings ist auch das Alter der Geimpften von Bedeutung. So lag das mittlere Alter der Probanden in der Zulassungsstudie von Biontech/Pfizer bei 52 Jahren. In höheren Altersgruppen ist aber von einem generell niedrigeren Impfschutz auszugehen. Das israelische Clalit Research Institute hatte in einer Gruppe von 200.000 Geimpften über 60 Jahren zwei Wochen nach der ersten Impfung eine Wirkung von nur 33 Prozent festgestellt.

30 Prozent weniger schwere Verläufe seit Impfbeginn

In gemischten Altersgruppen wurde nach einer zweiten Dosis laut Clalit Research Institute eine Wirksamkeit von 94 Prozent erreicht. Sie war damit fast genau so hoch wie in den Zulassungsstudien, wo sie sieben Tage nach der Impfung bei 95 Prozent gelegen hatte. Bei Älteren dürfte die Schutzwirkung auch nach der zweiten Dosis deutlich niedriger liegen, es fehlen aber verlässliche Daten.

Zumindest wurde in Israel beobachtet, dass schwere Verläufe bei älteren Menschen seit Beginn der Impfungen stark abgenommen hatten. Das geht aus einer Veröffentlichung des Weizmann Institute of Science hervor: Als 80 Prozent der über 60-Jährigen zweimal geimpft worden waren, infizierten sich in dieser Altersgruppe fast 50 Prozent weniger Personen und es mussten 30 Prozent weniger schwere Verläufe behandelt werden. Dabei dürften zwar auch Corona-Schutzmaßnahmen eine Rolle gespielt haben. Zumindest in Teilen seien die gesunkenen Zahlen auf die Impfung zurückzuführen, so die Autoren.

Schwere Erkrankungen trotz erster Impfdosis

Zum Impfstoff von Astrazeneca, der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt wurde, war im Januar eine Studie veröffentlicht worden. Darin wird eine mittlere Wirksamkeit von 76 Prozent drei Wochen nach nur einer Dosis angegeben. Das ist insofern überraschend, als dass die Wirksamkeit nach zwei Dosen mit 70 Prozent angegeben wurde. Über die Wirksamkeit des Astrazeneca Impfstoffs besteht aber ohnehin noch Unklarheit.

So hatte der Konzern Studienergebnisse zusammengerechnet, die mit verschiedenen Dosierungen erzielt worden waren. Die Daten zur Wirksamkeit in den höheren Altersgruppen werden vom Robert-Koch-Institut als unzureichend eingestuft. Deshalb wird die Impfung von Astrazeneca in Deutschland nur für unter 65-Jährige empfohlen.

Vor allem in der Hauptrisikogruppe der älteren Menschen lässt sich also nicht sicher sagen, welche Schutzwirkung mit der ersten Impfdosis erzielt wird. Aus Israel wurde berichtet, dass 17 Prozent der Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen erkrankt waren, obwohl sie zuvor eine erste Impfdosis (Biontech/Pfizer) erhalten hatten.

Robert-Koch-Institut hält am Impfschema fest

Aus diesem Grund hält auch das Robert-Koch-Institut (RKI) am Impfschema mit zeitnah aufeinanderfolgenden Impfdosen fest. Es sei „unsicher, inwiefern die Impfeffektivität nach einer Dosis ausreicht, um gerade die Hochrisikogruppen im hohen Alter zu schützen“, heißt es auf der Seite des Instituts. Und weiter: „Da die aktuelle Impfstrategie besonders auf über 80-Jährige ausgerichtet ist und im hohen Alter Immunantworten auf Impfungen in der Regel geringer ausfallen als bei Jüngeren, sind die berechneten Impfeffektivitätswerte nach einer Dosis nur bedingt aussagekräftig.“

Vor allem ältere Menschen sollten sich daher nicht in falscher Sicherheit wiegen, ehe sie nicht die zweite Dosis der Impfung erhalten haben – selbst danach sind sie schließlich schlechter als Jüngere geschützt. Das RKI empfiehlt, die zweite Dosis je nach Impfstoff drei Wochen (Biontech/Pfizer), vier bis sechs Wochen (Moderna) oder neun bis zwölf Wochen (Astrazeneca) nach der ersten Dosis zu verimpfen.

RND

Der Artikel "Corona-Impfungen: Ab wann besteht ein Immunschutz?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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