Überlastung der Krankenhäuser

Corona: Grünen-Politikerin vermutet massenhaft versteckte Triage

Ein Lockdown-Ziel ist es, die Triage zu verhindern. Also jene Situation, in der Ärzte entscheiden müssen, welcher Patient zuerst behandelt wird. Eine Bundestagsabgeordnete meint, dass dieses Ziel täglich in Deutschland verfehlt wird.
Immer mehr Coronavirus-Patienten müssen in den Dortmunder Krankenhäusern behandelt werden. © dpa

Die Grünen-Bundestags­abgeordnete Corinna Rüffer hegt den Verdacht, dass es in Deutschland bei der Behandlung von Corona-Erkrankten täglich massenhaft zu einer versteckten Triage-Situation kommt.

„Wir müssen befürchten, dass insbesondere erkrankte Hochbetagte in Pflegeheimen nicht die medizinische Versorgung bekommen, die sie eigentlich bräuchten“, sagte Rüffer dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

Rüffer verwies auf die aktuellen Statistiken des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu den Corona-Todesfällen. Aus ihnen werde deutlich, dass rund zwei Drittel der Corona-Verstorbenen nicht auf einer Intensivstation gestorben seien, sondern zum Beispiel in einem Pflegeheim.

„Das könnte darauf hindeuten, dass vor Ort in einer Art Triage entschieden wird, schwer Erkrankte nicht mehr ins Krankenhaus zu bringen“, so Rüffer. „Das muss untersucht werden“, forderte die Grünen-Abgeordnete. „Wir brauchen darüber eine öffentliche Debatte.“

Rüffer sagte, denkbar sei zum Beispiel, dass die Krankheit so schnell verlaufe, dass es gar nicht mehr zu schaffen sei, die Patienten ins Krankenhaus zu bringen. Ärzte hätten ihr aber berichtet, dass das eher die Ausnahme sei.

Auch hätten Bewohner von Pflegeheimen zum Teil eine Patienten­verfügung. Das erkläre aber nicht die hohe Zahl derjenigen, die nicht auf Intensivstationen versterben, sagte die Bundestags­abgeordnete.

„Für mich besteht daher der Verdacht, dass Menschen aus Pflegeheimen keine Chance auf eine intensiv­medizinische Behandlung bekommen, weil sie von vornherein aussortiert werden“, sagte Rüffer. „Wenn das zutrifft, würde das im Prinzip bedeuten, dass eine Vor-Triage in Einrichtungen stattfindet.“

Möglich sei zwar auch, dass Verwandte eine Verlegung in eine Klinik ablehnten aus Sorge, ihre Angehörigen würden dann wegen der dortigen Isolation allein sein und im Zweifel auch einsam sterben. „Palliativmediziner haben mir berichtet, dass deshalb oftmals statt einer Beatmung eine palliative Sterbebegleitung vorgezogen wird“, sagte Rüffer.

„Das zeigt, in welch schlimmem Dilemma sich Angehörige befinden, und es stellt sich dann doch die Frage, warum die Kliniken es bis heute nicht schaffen, eine Begleitung durch Angehörige zu organisieren“, sagte sie.

Zudem wurde ihr von Einzelfällen berichtet, in denen die Angehörigen von der Einrichtung gedrängt wurden, auf eine Einweisung in ein Krankenhaus zu verzichten. Rüffer sagt, Corona sei in allererster Linie eine Pandemie der alten Menschen. „Diese mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen wäre die erste Pflicht des Staates gewesen. Dabei hat er bis heute versagt“, so die Grünen-Politikerin.

RND

Der Artikel "Corona: Grünen-Politikerin vermutet massenhaft versteckte Triage" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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