Tourismusansturm

Chaos an deutschen Touristenzielen: „Bitte sehen Sie von Ausflügen ab!“

Schnee und Ferien führen zu einem Tourismusansturm in Harz, Sauerland und Erzgebirge. Verkehrschaos und Verstöße gegen die Corona-Regeln sind die Folgen. „Tu Dir den Stress nicht an!“
Viele beliebte Ausflugsziele in Deutschland erleben einen zu großen Besucheransturm. © picture alliance/dpa

Die Menschen zieht es trotz Corona-Pandemie an Ausflugsziele – und vielerorts ist der Andrang einfach zu groß. Stau, überfüllte Parkplätze und nicht eingehaltene Abstände sind die Folge.

Im Oberharz waren laut Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) am Montagmittag alle Parkplätze, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. „Die Kapazität der Parkplätze im Oberharz ist komplett ausgelastet.“

Auf der B4 habe sich von Bad Harzburg Richtung Torfhaus bereits ein mehr als 400 Meter langer Stau gebildet, teilte die Polizei Goslar am Montagvormittag über Twitter mit. Sie appelliert: „Bitte sehen Sie von Tagesausflügen ab!“ Am Nachmittag sprachen die Beamten bereits von drei Kilometern Rückstau bis Bad Harzburg.

Verstopfte Straßen vor Winterberg: Besucheransturm im Sauerland

Diese Szenen sind kein Einzelfall: Auch viele andere beliebte Ausflugsziele in Deutschland erleben einen zu großen Besucheransturm.

Aus dem Sauerland in Nordrhein-Westfalen kommen eindringliche Bitten, auf die Anreise zu verzichten: „Liebe Gäste, die Verkehrssituation spitzt sich derzeit bereits wieder extrem zu. Auch heute bleibt uns nur die Bitte an alle, die sich gerade auf den Weg machen oder schon auf dem Weg zu uns sind, von der Anreise abzusehen.

Alle Parkkapazitäten sind erschöpft, die Straßen sind verstopft!“, postete die bei Skifahrern und Wanderern beliebte Gemeinde am Montagmittag auf Facebook.

Die Ski- und Rodellifte sind in Nordrhein-Westfalen wegen des Lockdowns noch bis mindestens zum 10. Januar geschlossen, und es gibt keine Einkehr- oder Aufwärmmöglichkeiten. Trotzdem war bereits über die Feiertage der Ansturm groß – und auch gegen das Rodelverbot an den Liften war nach Angaben der Gemeinde mehrfach verstoßen worden.

Ausflügler überrennen Erbeskopf in Rheinland-Pfalz

Auch die Polizei in Rheinland-Pfalz spricht von einem Verkehrschaos, weil so viele schneehungrige Menschen den höchsten Berg des Bundeslandes stürmen. Der Betriebsleiter der Wintersportanlage am 816 Meter hohen Erbeskopf im Hunsrück, Klaus Hepp, sagte am Montag: „Heute um 11 Uhr war der Parkplatz schon rappelvoll mit Nummernschildern nicht nur aus Trier und Wittlich, sondern auch aus Mainz, Wiesbaden und Kaiserslautern.“ Auch zahlreiche Saarländer und Luxemburger seien gekommen. „Die Leute sind im Lockdown eingesperrt, die hungern nach Schnee, es ist ein Riesenandrang.“

Eine Familie geht auf dem Erbeskopf, dem mit 816 Meter höchsten Berg in Rheinland-Pfalz, im Schnee spazieren. In den Höhenlagen gibt es in Rheinland-Pfalz Weiße Weihnachten. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Ein Polizeisprecher erklärte, eine Zufahrtsstraße sei schon gesperrt, weil Rettungsfahrzeuge sonst nicht an parkenden Autos vorbei kämen. Zudem werde zusammen mit der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf erwogen, den Autoverkehr weiter zu beschränken – beispielsweise mit einer zeitweisen Sperrung der Landesstraße 164.

Hepp sagte, trotz gesperrter Lifte und Restaurants stürmten Wanderer und Familien, Ski- und Schlittenfahrer vor allem seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag (Samstag) die unpräparierten Pisten am Erbeskopf.

Wie in ganz alten Zeiten gebe es sogar Leute, die mit ihren Abfahrtskiern zu Fuß nach oben stapften, um dann im Tiefschnee hinunterzugleiten. Manche bauten auch Schneemänner. Die Schneefans hielten sich Hepp zufolge aber an die Corona-Regelungen zu Mindestabständen und Schutzmasken.

Verstöße gegen Corona-Verordnung im Erzgebirge

Im Erzgebirge vergnügten sich am Sonntag trotz Ausgangsbeschränkungen viele Sachsen im Schnee – die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet, dass die Polizei allein in Oberwiesenthal mehr als 100 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung aufgenommen hat.

Mindestabstände wurden nicht eingehalten, auch auf den Mund-Nasenschutz verzichteten viele Besucher. Am Fichtelberg gab es kaum einen freien Parkplatz, obwohl die Skigebiete dort wegen des Lockdowns geschlossen sind.

Schwarzwald: Schnee sorgt für Ausnahmezustand

Auch die Skiliftbetreiber im Schwarzwald appellieren, die Skihänge nicht anzusteuern. Dort stehen aufgrund der Corona-Pandemie die Lifte still und die Hänge sind dementsprechend auch nicht präpariert.

An der Schwarzwaldhochstraße und dem Dobel mussten bereits am Wochenende teils Zufahrten gesperrt werden. Auch am Montagvormittag waren die Parkplätze laut einem Bericht des „SWR“ erneut stark ausgelastet.

RND/gei

Der Artikel "Chaos an deutschen Touristenzielen: „Bitte sehen Sie von Ausflügen ab!“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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