Weitgehend hinter verschlossenen Türen verhandelte die Große Strafkammer des Landgerichts am zweiten Verhandlungstag gegen einen vermeintlichen Wunderheiler aus Südlohn, der drei Kinder missbraucht haben soll. © MLZ
Missbrauchs-Prozess

„Wunderheiler“ muss auf sein Urteil warten: Gericht braucht noch Infos

Fünf Verhandlungstage liegen hinter Richter und Schöffen – ein Urteil gegen den 51-jährigen Südlohner wegen sexuellen Missbrauchs gibt es aber nicht: Noch fehlen wichtige Informationen.

9 Uhr, Mittwochmorgen im Saal 112 des Amtsgerichts Bocholt: Einige Verwandte der drei Mädchen, die der Angeklagte sexuell missbraucht haben soll, und die gesetzliche Vertreterin der Jugendlichen haben Platz genommen. Sie sind gespannt: Das Urteil gegen den 51-Jährigen soll gesprochen werden.

Der Angeklagte kommt aus der Untersuchungshaft und wird von zwei Justizbeamten zu seinem Platz geführt. Es dauert einige Minuten, bis die drei Richter und die zwei Schöffen den Saal betreten. Es habe noch Gesprächsbedarf gegeben, teilt der Vorsitzende Richter mit.

Gericht muss noch Informationen sammeln

„Die Kammer ist der Ansicht, wir können heute noch nicht die Beweisaufnahme schließen. Wir müssen in alle Richtungen Informationen sammeln.“ Konkret geht es um eine medizinische Behandlung eines der drei Mädchen – das Gericht will die behandelnden Ärzte um Auskunft bitten.

„Es steht viel auf dem Spiel, da müssen wir genau hinschauen“, erläutert der Richter die Entscheidung. Tatsächlich werden dem Südlohner, der nicht vorbestraft ist, insgesamt 57 Handlungen vom 1. September 2017 bis zum 30. September 2019 vorgeworfen. Seine Opfer waren zwischen 14 und 16 Jahren alt. Der 51-Jährige hatte angegeben, als „Wunderheiler“ durch Massagen mit Cremes und Ölen zu heilen, dabei sollen sich die Übergriffe ereignet haben.

Als neuer Termin wird der 13. April, 9 Uhr, Saal 112 im Bocholter Amtsgericht als Außenstelle des Landgerichts Münster festgesetzt.

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Anne Winter-Weckenbrock
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