Wenn E-Autos brennen, steht die Feuerwehr vor einem ziemlich großen Problem

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Stehen sie einmal in Flammen, sind Elektroautos durch herkömmliche Löschmittel kaum zu löschen. Auch in Südlohn und Oeding machen sich die Feuerwehrleute Sorgen, was da auf sie zukommt.

Südlohn

, 08.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn ein Elektroauto brennt, steht die Feuerwehr vor einem großen Problem. Mit konventionellen Methoden ist bei so einem Brand nämlich nicht viel zu machen. Udo Bußkamp, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Südlohn und Oeding, erklärt gegenüber unserer Redaktion wieso. Der entscheidende Unterschied liegt im Antrieb. Genauer: Zwischen Tank und Akkupaket.

Wenn E-Autos brennen, steht die Feuerwehr vor einem ziemlich großen Problem

Udo Bußkamp, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Südlohn und Oeding. © Stephan Teine

Wenn der Tank eines konventionellen Autos in Brand gerät – egal ob mit Benzin oder Diesel – strömt der Treibstoff relativ schnell aus und verteilt sich. „Klar, das brennt dann, ist aber relativ schnell zu löschen“, sagt Udo Bußkamp, Leiter der Feuerwehr in Südlohn und Oeding. Explosionen wie im Actionfilm seien eine reine Hollywood-Erfindung. „Das habe ich in meiner Feuerwehr-Karriere noch nicht erlebt“, sagt er. Mit Schaum sei so ein Feuer jedenfalls schnell unter Kontrolle zu bringen.

Wenn E-Autos brennen, steht die Feuerwehr vor einem ziemlich großen Problem

Über 24 Stunden blieb das Hybridfahrzeug auf Tauchstation. Erst dann war sich die Feuerwehr sicher, dass auch die letzten Flammen erstickt waren. © Brandweer Midden-en West-Brabant

Bei Akkus sei das anders: Einmal durch die große Stromspannung, die an den Akkus anliegt und durch ihre kompakte Bauweise. „So ein Akkupaket hat keine Sicherung“, erklärt der Feuerwehr-Leiter. „Kommt es darin zu einem Kurzschluss, fließt sofort ein großer Strom. Eine Gefahr für die Einsatzkräfte“, so Udo Bußkamp weiter. Und wenn so ein Akku erst einmal brennt, sei er extrem schwer zu löschen. „Da braucht man Unmengen von Wasser“, erklärt Udo Bußkamp.

Im Ernstfall müsse man improvisieren. Eine Variante: Das gesamte Auto wird in einem mit Wasser gefüllten Container versenkt. Das haben die Feuerwehrleute in Breda (NL) Ende März genau so gemacht: In einem Autohaus war ein Sportwagen mit Elektroantrieb in Brand geraten. Die Feuerwehr versenkte das Auto in einem Wasserbad und ließ es dort über 24 Stunden. „Das Wasser kann so langsam bis in den letzten Winkel der Akkus vordringen, kühlt sie herunter und erstickt so schließlich die Flammen“, erklärt Udo Bußkamp.

Wenn E-Autos brennen, steht die Feuerwehr vor einem ziemlich großen Problem

Eine Alternative zu dieser eher brachialen Löschmethode hat die Feuerwehr auch in Deutschland noch nicht. © Brandweer Midden-en West-Brabant

Denn neben der offenen Flamme ist vor allem die Hitze ein großes Problem in einem brennenden Akku. Die einzelnen Zellen erwärmen sich nach und nach und entzünden sich schließlich. Eine Kettenreaktion. „Anders kommt man einfach nicht heran“, erklärt Udo Bußkamp.

Ein Rollcontainer und mehrere zehntausend Liter Löschwasser – die Feuerwehr in Südlohn und Oeding wäre damit erst einmal überfordert. „Wir haben 3000 Liter Löschwasser auf einem Fahrzeug“, sagt Udo Bußkamp. Die weitere Wasserversorgung müsste sie über Hydranten oder offene Gewässer sichern. Im Zweifel würde die Feuerwehr so ein brennendes Elektroauto ausbrennen lassen. „Wir würden den Brand abschranken, also verhindern, dass er sich weiter ausbreitet“, erklärt er. Die Personenrettung stehe natürlich sowieso an erster Stelle.

Elektroautos sind nicht das einzige Akku-Problem

Mit den Elektroautos sei es ähnlich wie vor einigen Jahren bei den Photovoltaikanlagen. Auch die wurden montiert ohne unbedingt als erstes an den Brandschutz zu denken. Auch bei brennenden Dächern mit montierten PV-Anlagen sei die Feuerwehr immer noch sehr vorsichtig. Standards gibt es nicht. Genauso bei den Elektrofahrzeugen. Udo Bußkamp: „Wir laufen der technischen Entwicklung hinterher.“ Gleichzeitig beruhigt er aber auch. Brennende E-Autos seien bisher noch die Ausnahme. Mit den leistungsstarken Akkus bekommt es die Feuerwehr aber auch an anderen Stellen zu tun: etwa bei E-Bikes, die in einem brennenden Schuppen stehen oder bei Batterien, die in inzwischen in Häusern verbaut werden, um Energie von Photovoltaikanlagen zwischenzuspeichern.

Aber zurück zu den Autos. Da macht es Markus Egelhaaf, Unfallforscher bei der Dekra, den Feuerwehren nicht so einfach. Bei vielen Feuerwehren – egal ob Freiwillig oder Berufsfeuerwehr – kursiere gefährliches Halbwissen aus dem Internet. Beispiel Lithium: „Natürlich ist in den Akkus Lithium enthalten, aber eben nicht in seiner elementaren Form.“ Von einem Metallbrand könne man daher nicht ausgehen.

Das Problem sei aber – und da gibt er Udo Bußkamp Recht – dass das Wasser eben nur sehr schwer an den Brandherd gelange, wenn der Akku tatsächlich in Flammen stehen sollte. „Die brennende Zelle erhitzt dann ihre Nachbarzellen, die auch irgendwann Feuer fangen“, erklärt er. Um sie zu schützen seien die Zellen außerdem in eine sehr stabile Hülle verpackt.

Ein Gefahrstoff, der beim Brand eines Elektrofahrzeugs entstehen kann, sei allerdings Flusssäure. „Ein extrem ätzender Stoff“, wie er erklärt. Letztlich sei aber auch das kein Problem: „Durch den hohen Wassereinsatz wird der schnell verdünnt“, erklärt Markus Egelhaaf. Flusssäure entstehe übrigens auch, wenn moderne, konventionelle Autos brennen:

Eine Basisinfo sei schon durch einen Übungsabend im Jahr umzusetzen.

Insgesamt gehe von einem Elektroauto aber keine größere Brandgefahr aus, als von einem konventionell betriebenen Auto. Bevor ein Akku überhaupt in ein Fahrzeug verbaut werden darf, muss er mehrere Tests absolvieren. „Da geht es um mechanische Belastung, Feuerproben oder auch die Überladung“, sagt er. Insgesamt ein sehr hohes Sicherheitsniveau. Dennoch muss sich die Feuerwehr auf die Veränderungen im Verkehr einstellen. Etwas Zeit hat sie dafür noch. Denn auch wenn immer mehr Elektrofahrzeuge zugelassen werden, ihre Zahl im Kreis Borken ist noch recht überschaubar: Zum Jahreswechsel 2018/2019 waren es laut der Zulassungsstelle gerade einmal 340 Stück – bei insgesamt 315.473 zugelassenen Fahrzeugen im Kreis.

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