Weihnachtsmarkthütte ermöglicht Besuche im Henricus Stift trotz Corona

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Im Henricus Stift können Angehörige wieder die Bewohner besuchen. Einrichtungs- und Pflegedienstleitung haben eine Lösung für die Coronakrise gefunden: eine Weihnachtsmarkthütte der Gemeinde.

Südlohn

, 06.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal kann es so einfach sein: Eine Weihnachtsmarkthütte der Gemeinde Südlohn sorgt jetzt dafür, dass die 102 Bewohner des Henricus Stifts trotz des Coronavirus wieder Besucher empfangen dürfen. Natürlich immer noch auf Abstand und unter den strengen Vorschriften der Coronaschutzverordnung.

Doch der Reihe nach. Seit sechs Wochen sind die Türen des Henricus Stifts fest verschlossen. Besucher sind dort wegen der Coronakrise aktuell nicht erlaubt. Das führte zu einigen kreativen Umwegen. „Angehörige stehen zum Beispiel im Innenhof und unterhalten sich mit den Bewohnern über den Balkon“, erzählt Einrichtungsleiter Jochen Albers. Eine Notlösung, keine Frage, aber keine gute.

Kreativität schafft Möglichkeiten trotz Coronavirus

„In solchen Zeiten muss man kreativ werden und überlegen, was möglich ist“, ergänzt Pflegedienstleiter Sebastian Stödtke. Und so kam er auf die Weihnachtsmarkthütten der Gemeinde. Die stehen im Moment ungenutzt in einem Lager des Bauhofs. Und so kostete es von der Idee bis zur Umsetzung nur ein paar Telefonate.

Eine dieser Hütten wurde nun vor einer Schiebetür der Cafeteria im Henricus Stift aufgebaut. Besucher können von außen in die Hütte eintreten, die Bewohner sitzen im Innern der Cafeteria. Getrennt werden sie zusätzlich durch eine Plexiglasscheibe und einige Meter Abstand.

„Auch das ist natürlich nicht ideal, aber zumindest besteht so wieder die Möglichkeit für Gespräche auf Augenhöhe – und ohne dass die halbe Nachbarschaft zuhört“, erklärt Sebastian Stödtke.

Mehr als neun Besuchstermine pro Tag sind nicht möglich

Die Besuche folgen relativ strikten Regeln: Damit möglichst viele Bewohner die Besucherhütte nutzen können, sind die einzelnen Besuche auf 30 Minuten begrenzt. Jede der fünf Wohngruppen bekommt einen festen Besuchstag. Zwischen 10 und 12 Uhr sowie 13.45 und 18 Uhr sind die Besuche durch maximal zwei Personen möglich.

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Pro Tag gibt es bis zu neun Besuchstermine. „Wir würden auch gerne mehr anbieten, aber unser Personal ist ja auch in die Pflege eingebunden“, erklärt Sebastian Stödtke. Und bei vielen Bewohnern müsse das Personal zumindest auf dem Weg zum Besuch und wieder zurück helfen. Außerdem müsse die Hütte nach jedem Besuchstermin desinfiziert werden.

Stimmung im Henricus Stift ist trotz allem noch gut

Insgesamt sei die Stimmung unter den Bewohnern im Henricus Stift noch gut, erklärt Jochen Albers. Natürlich fehle der Besuch.

Aber weil ja die gesamte Gesellschaft im Moment große Kompromisse machen müsse, stoße das aber auch auf viel Verständnis unter den Bewohnern. Eine klare Absage erteilt er deswegen Ideen, nur Risikogruppen unter Kontaktbeschränkungen zu stellen und das übrige Leben wieder hochzufahren.

Seine große Sorge bleibe, dass das Coronavirus irgendwann ins Haus kommt. Vor drei Wochen habe er noch geglaubt, dass das nur eine Frage der Zeit sei. Inzwischen ist er sich auch da nicht mehr sicher. Für eine Entwarnung oder eine allgemeine Öffnung des Hauses sei es aber einfach noch zu früh.

Leben spielt sich im Moment fast nur in den Wohnbereichen ab

So lange sind alle Gemeinschaftsveranstaltungen abgesagt. Das Leben spiele sich zurzeit fast ausschließlich in den fünf Wohnbereichen ab. Auch dort werde es natürlich zunehmend schwieriger, für Abwechslung und Struktur im Alltag zu sorgen. Auch deswegen seien die Besuche so wichtig: „Allein schon, um die Bewohner kognitiv zu fördern“, erklärt er.

„Bisher ist die befürchtete Depression aber ausgeblieben“, sagt auch Sebastian Stödtke. Von den Angehörigen außerhalb der Einrichtung komme langsam aber spürbar mehr Druck auf. „Die Anfragen nach Besuch werden häufiger“, erklärt er.

Dennoch sei die rechtliche Lage eben im Moment so. „Das sind ja keine Vorgaben, die wir machen, sondern die uns vorgegeben werden“, sagt Jochen Albers.

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