Christoph Hollad vom gleichnamigen Modehaus an der Bahnhofstraße in Südlohn hofft auf eine Richtungsansage der Politik, wann Einzelhändler und Gastronomen wieder ihre Türen öffnen können. Im Vordergrund ist die angelieferte Frühjahrsware zu sehen, im Hintergrund ist noch reichlich Winterware im Angebot. © Markus Gehring
Corona-Lockdown

Volle Regale mit Winterware – Südlohner Läden würden gerne durchstarten

Ein Ende des Lockdowns bislang nicht in Sicht, aber das Lager voll mit Winterkleidung – auch die Textilbranche hat hart zu kämpfen. Wir haben uns in Südlohn und Oeding umgehört.

Christoph Hollads Stimmung könnte besser sein. „Sorgen haben wir alle“, sagt er. Der Geschäftsführer des Südlohner Modehauses spricht für die Einzelhändler und Gastronomen. Der zweite Lockdown zerrt an den Nerven. Für die Textilbranche ist das Geschäft mit der Winterware so gut wie gar nicht gelaufen, wie eine kurze Umfrage in Südlohn und Oeding ergab.

Online- oder Telefonverkauf „ein Tropfen auf dem heißen Stein“

Da hilft auch das Angebot „Bestellen und Abholen“ nicht sehr viel weiter. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Christoph Hollad. „Wir haben Umsatz gemacht, aber es ist nicht zu vergleichen.“ Am Dienstagmorgen ist er mit einer Mitarbeiterin im Laden und arbeitet die Bestellungen ab, seine Frau erledigt die Buchhaltung. „Wir haben sonst 38 Mitarbeiter in Vollzeit“, zieht Christoph Hollad den niederschmetternden Vergleich.

Was dem Modehaus, das für festliche Kleidung über Südlohns Grenzen hinaus bekannt ist, natürlich doppelt schadet in Corona-Zeiten ist, dass gerade auch nur bestimmte Kleidung gefragt ist. „Das Feine wird nicht gebraucht, der Bedarf ist nicht da“, betont Christoph Hollad. Das lässig Sportive reiche fürs Homeoffice. Verkauft würden aktuell eher Basics.

Vielleicht Sonderverkauf zum Herbst hin

Was die Winterware angeht, zweifelt er noch. „Vielleicht machen wir zum Herbst hin einen Sonderverkauf.“ Diesen zu machen, wenn die Ladentüren wieder geöffnet werden nach dem aktuellen Lockdown, hält er für keine gute Idee. Dann Winterkleidung kaufen – „das macht doch keiner.“

Er hofft jetzt dringend „auf einen Leitfaden, eine Richtung“ seitens der Politik. Von den staatlichen Hilfen hält er nicht viel: „Da setze ich keinen Pfifferling drauf.“ Das den Gastronomen versprochene Geld sei größtenteils jetzt noch nicht angekommen, sagt er verärgert. Aber auch hier gilt für ihn: Abwarten.

Obwohl es schwerfällt. „Es muss bald etwas passieren. Der März ist für die Kleidungs- und Schuhbranche ein enorm wichtiger Monat. Frühjahrsmode wird nicht erst im Mai verkauft“, sagt Nicolas Kleine von der Geschäftsführung von Bruno Kleine.

Bruno Kleine: Einlagern oder spenden

„Im Moment läuft im Grunde gar nichts, der Online-Handel ist bei uns ein sehr kleines Geschäft und kann die Umsätze im stationären Verkauf nicht im entferntesten erreichen“, beschreibt er die Lage. Winterware habe bis Oktober verkauft werden können, dann nicht mehr.

Bruno Kleine an der Jakobistraße in Oeding: Dort hat das Unternehmen Platz, um zeitlose Winterware einzulagern.
Bruno Kleine an der Jakobistraße in Oeding: Dort hat das Unternehmen Platz, um zeitlose Winterware einzulagern. © Stephan Rape © Stephan Rape

Aber das Unternehmen Bruno Kleine habe einen kleinen Vorteil, was die Winterware angeht: Kapazitäten, um Ware einzulagern. „Die Basic-Jeans oder den marineblauen Pullover kann man einlagern“, sagt Nicolas Kleine. Am Heimstandort in Harsewinkel und gerade in Oeding gebe es Platz.

Einlagern habe aber auch Grenzen: „Es gibt ja auch mutige Schnitte und Farben, da geht das nicht.“ Im nächsten Herbst/Winter gebe es neue modische Trends. „Da wird das eine oder andere von uns bei Hilfsorganisationen landen“, blickt Nicolas Kleine voraus. „Kleidung vernichten – das sollte man vermeiden.“

Christian Horstick: „Das wäre unser Wetter gewesen“

Christian Horstick, der einen Wellensteyn-Store in Oeding betreibt, kann mit Blick auf die Temperaturen in der vergangenen Woche nur feststellen: „Das wäre unser Wetter gewesen“. Zwar habe er „Click und collect“ angeboten, also bestellen und abholen. „Aber das wurde nur vereinzelt angenommen. Wir in Oeding leben vom Ruhrgebiets-Tourismus“, betont der Geschäftsführer.

Christian Horstick vom Wellensteyn-Shop direkt an der deutsch-niederländischen Grenze in Oeding bricht in Corona- und Lockdown-Zeiten sein Geschäft mit den Kunden aus dem Ruhrgebiet weg, die auf dem Weg nach Winterswijk auf seinen Laden aufmerksam werden.
Christian Horstick vom Wellensteyn-Shop direkt an der deutsch-niederländischen Grenze in Oeding bricht in Corona- und Lockdown-Zeiten sein Geschäft mit den Kunden aus dem Ruhrgebiet weg, die auf dem Weg nach Winterswijk auf seinen Laden aufmerksam werden. © Georg Beining © Georg Beining

Viele Kunden entdecken den Store direkt an der Grenze auf dem Weg zum Markt nach Winterswijk. „Wir haben das im Herbst direkt gemerkt“, blickt Christian Horstick auf den Lockdown auch im Nachbarland zurück.

Hoffnung auf den Herbst

Was mit den nicht verkauften warmen Winterjacken wird, kann er im Moment nicht sagen. „Wir haben ja auch eine Kooperation mit dem Hersteller“, erklärt er. Er rechnet nicht vor Ende März mit einer Öffnung der Läden, „ob es dann noch große Kaufanreize gibt?“, stellt er die rhetorische Frage. „Wir müssen es abwarten und hoffen, dass es nächsten Herbst wieder richtig losgehen kann“, hat er den Optimismus noch nicht verloren.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Hat besondere Freude daran, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken
Zur Autorenseite
Anne Winter-Weckenbrock

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.