Großeinsatz: Unbekannte kippen Chemikalien aus der Drogenproduktion in Oedinger Graben

dzIllegale Entsorgung

Giftige Stoffe haben Unbekannte am Rand eines Wirtschaftsweges in Oeding ausgekippt. Sie sollen zumindest zum Teil aus der Drogenproduktion stammen. Einsatzkräfte sind seit Dienstag vor Ort.

Südlohn

, 18.12.2019, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spaziergänger hatten am Rand des Napoleonsweg im Grenzgebiet zwischen Oeding, Stadtlohn und Vreden beißenden Geruch festgestellt und auch Dämpfe beobachtet, die aus einem Graben aufstiegen. Sie informierten den Kreis Borken.

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Feuerwehr bekämpft illegal entsorgte Chemikalien am Napoleonsweg

An einem Wirtschaftsweg haben Unbekannte Chemikalien abgekippt. Polizei, Feuerwehr und THW sind seit Dienstagmittag dort im Einsatz.
18.12.2019
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Mitarbeiter von Kriminalpolizei, Ordnungsamt, Unterer Wasserbehörde und Feuerwehrleute beraten am Mittwochvormittag, wie sie mit den illegal entsorgten Chemikalien umgehen sollen.© Stephan Teine
Auch der Ortsverband Münster vom Technischen Hilfswerk wurde zur Einsatzstelle gerufen, um dort die Kräfte zu unterstützen.© Stephan Teine
Christian Scho vom Kreis Borken war am Dienstag als Erster vor Ort. Beim Versuch, die Chemikalien näher zu untersuchen, bekam er binnen weniger Minuten stechende Kopfschmerzen. Er alarmierte deswegen die Feuerwehr.© Stephan Teine
Die Feuerwehr näherte sich dem zunächst unbekannten Stoff nur mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Proben der Substanz wurden beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz sowie bei der Polizei untersucht.© Stephan Teine
Einsatzleiter Hendrik Tenk (im weißen Schutzanzug) nahm am Mittwoch unter schwerem Atemschutz noch einmal Proben der unbekannten Chemikalie.© Stephan Teine
An dem Wirtschaftsweg, der direkt von der Baumwollstraße abzweigt, hatten die Unbekannten den Stoff vermutlich zwischen der Nacht auf Dienstag und Dienstagmittag in den Graben gekippt.© Stephan Teine
Die Feuerwehr hatte die Fundstelle zunächst abgesperrt. Die blauen Fässer stammen ebenfalls von der Feuerwehr und wurden nicht von den Tätern zurückgelassen. Die Fundstelle rechts im Graben sicherte die Feuerwehr mit Deichen ab, damit sich der Stoff nicht weiter in den Gräben verteilen kann.© Stephan Teine

Christian Scho vom Kreis Borken war als Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde am Dienstag als erster vor Ort und untersuchte den Fundort. „Innerhalb von ein oder zwei Minuten habe ich dort dann direkt stechende Kopfschmerzen bekommen und habe die Feuerwehr alarmiert“, erklärt er am Mittwoch an der Einsatzstelle.

Inzwischen sind Teile der Chemikalien untersucht: Nach ersten Erkenntnissen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz handelt es sich zumindest bei einem Teil der Stoffe um „N-Formylamphetamin“. Dieser Stoff entsteht bei der Produktion synthetischer Drogen wie Amphetaminen.

Wie Thorsten Ohm von der Pressestelle der Polizei im Kreis Borken auf Nachfrage erklärt, nehme das sogenannte „Dumping“ bundesweit zu: Illegale Drogenlabore entsorgen ihre Abfallstoffe in der Natur. „Dabei geht es jetzt zum einen um Drogenkriminalität“, erklärt Thorsten Ohm. Gleichzeitig dürfe aber auch der Umweltaspekt nicht verharmlost werden. Bei dem Stoff handele es sich klar um eine gefährliche und umweltschädliche Substanz. „Das zeigt ja schon die Folgen, die der Mitarbeiter des Kreises binnen kurzer Zeit erlitten hat“, so Thorsten Ohm.

Untersuchung der Chemikalien läuft

Die Feuerwehr aus Südlohn und Oeding hatte am Dienstag zunächst unter Atemschutz den Graben an dem Wirtschaftsweg untersucht, kam aber erst einmal auch nicht weiter. Wie Einsatzleiter Hendrik Tenk im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, wurden dann die Polizei, das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz und auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) eingeschaltet. Zusätzlich wurde der ABC-Zug der Feuerwehren im Kreis Borken alarmiert. Die Spezialisten für Chemikalien nahmen erste Proben, konnten aber nicht zweifelsfrei klären, um welche Stoffe es sich handelte.

Tief in der Nacht auf Mittwoch wurde der Einsatz deswegen zunächst abgebrochen. „Wir konnten da erst einmal nichts mehr machen und mussten auch auf die genaue Analyse warten, um welche Stoffe es sich handelt“, erklärt Hendrik Tenk. Die sollte das LANUV vorlegen.

Großeinsatz: Unbekannte kippen Chemikalien aus der Drogenproduktion in Oedinger Graben

Am Rande eines Wirtschaftsweges nahe der Baumwollstraße sind unbekannte, möglicherweise gefährliche Stoffe entdeckt worden. © Freiwillige Feuerwehr Südlohn

Die Feuerwehr legte in der Nacht noch Dämme in dem Graben an, damit sich der Stoff nicht weiter ausbreiten konnte. Klar war nur, dass er in jedem Fall unter Atemschutz geborgen werden müsse.

Chemikalien sollen am Mittwochmittag aus dem Graben geborgen werden

Am Mittwochvormittag nahm Hendrik Tenk dann unter schwerem Atemschutz erneut Proben für die Polizei. Da war die Feuerwehr schon wieder seit dem frühen Morgen vor Ort. Dieses Mal allerdings in schwächerer Besetzung. Auch da ging es zunächst vornehmlich darum, die Fundstelle abzusichern.

Gegen Mittag sollen die Chemikalien dann in Zusammenarbeit von Feuerwehr, THW und einem Entsorgungsunternehmen geborgen werden.

Auch Matthias Lüke, Leiter des Ordnungsamtes Südlohn, war vor Ort. „Illegale Entsorgungen kommen immer mal wieder vor“, erklärt er. In der Regel handele es sich dabei aber um Hausmüll, Gartenabfälle oder vergleichbare Stoffe. „Das hier hat da schon eine ganz andere Qualität“, so Matthias Lüke.

Polizei sucht dringend nach Zeugen

Die Polizei sucht dringend nach Zeugen die zwischen Mitternacht von Montag auf Dienstag und Dienstagmittag an der betreffenden Stelle Beobachtungen gemacht haben. „Vielleicht hat jemand gesehen, dass dort ein Fahrzeug längere Zeit gestanden hat“, sagt Thorsten Ohm von der Pressestelle der Polizei Borken. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat der Polizei in Borken, Tel. (02861) 9000 entgegen.

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