Umzug in die Ortsmitte: Erika Matschke und Rita Hannig haben es gewagt

dzWohnen in Oeding

Raus aus dem zu großen gewordenene Einfamilienhaus, rein in die Wohnung in der Ortsmitte: Erika Matschke und Rita Hannig können das nur empfehlen. Aber sie mahnen dringend mehr Angebote an.

Südlohn

, 10.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ansprüche an das Wohnen verändern sich mit der Gesellschaft. Das haben Rita Hannig und Erika Matschke selbst erfahren. Sie sind aus ihren eigenen vier Wänden mit Garten in Mietswohnungen mit Terrasse in die Mitte von Oeding gezogen. Weil es besser ist.

Wie den Wohnraum im Dorf gut und passend aufteilen?

Die beiden Oedingerinnen, 76 und 72 Jahre alt, haben damit schon vollzogen, was in der jüngsten Bauausschusssitzung von den Kommunalpolitikern andiskutiert wurde, als es um das Wohnraumversorgungskonzept ging: Wie schafft ein Dorf es, Wohnraum für alle Generationen zu schaffen? Wie kann es gelingen, dass vorhandene Einfamillienhäuser mit Garten, die ihren Bewohnern über die Jahrzehnte zu groß geworden sind, für jüngere Generationen zur Verfügung stehen?

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Rita Hannig sowie Erika und Dieter Matschke waren schon an der Gartenstraße Nachbarn. Vor gut fünf Jahren schaute sich Rita Hannig eine Wohnung an der Winterswyker Straße an: Dort, wo früher die Drogerie Schlecker war, direkt am Kirmesplatz, hatte der Oedinger Unternehmer Hubert Epping drei barrierefreie Wohnungen gebaut.

Erika Matschke und Rita Hannig haben Umzug in die Ortsmitte gewagt

Rita Hannig war direkt begeistert und erzählt noch am gleichen Tag ihren Nachbarn davon. So eindrücklich, dass das Ehepaar Matschke sich auch direkt informierte. Und ebenfalls die Entscheidung traf: Ihr Haus, in dem sie jahrzehntelang mit der Familie gelebt hatten, aufgeben und in die Dorfmitte ziehen. „Das war nicht schwer“, sagt Rita Hannig zu der Entscheidung damals, und Erika Matschke pflichtet ihr bei: „Uns tut es nicht Leid.“

Dieter und Erika Matschke wohnen am 8. Oktober exakt fünf Jahre am Kirmesplatz. Direkt neben der Eisdiele, an den Lebensmittelmärkten, die Apotheke ist genauso wie der Arzt fußläufig zu erreichen, die Kirche, der Friedhof... „Und im Sommer übt manchmal die Jugendfeuerwehr auf dem Rasen, das ist schön, dann ist was los“, erzählt sie.

Im ehemaligen Haus wohnt jetzt eine junge Familie

Ihr Haus an der Gartenstraße haben die Matschkes abgegeben, dort wohnt jetzt eine junge Familie. Vorherige Überlegungen, für sich behindertengerecht um- oder für die Kinder anzubauen, waren zu kompliziert, das Grundstück nicht dafür geeignet. Erika Matschke freut sich über die gefundene Lösung. Vor allem: „Das war ein langsamer Prozess. Und von uns selbst bestimmt.“

Rita Hannig sieht das auch so: „Das ist schönes Wohnen hier.“ Aber sie hat auch die Berichterstattung über das Wohnraumversorgungskonzept verfolgt und sich gefragt: Wo sind denn in Oeding geeignete Wohnungen für ältere Einwohner, die sich verändern wollen?

Hubert Epping, der Vermieter der beiden Oedingerinnen, weiß aus eigener Erfahrung, wie hoch der Bedarf an barrierefreien Wohnungsangeboten ist: Gerade ist eine Wohnung im Ortskern frei geworden – „ich hatte direkt sehr viele Anfragen“.

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Erika Matschke, ehrenamtlich aktiv im Sozialverband KAB, hat schon seit Jahren die Belange der Senioren im Blick. „Wir wollen doch alle alt werden“, sagt sie. Nur wo? „Müssen wir dann nach Südlohn?“ , frage sich der eine oder andere Senior aus Oeding. „Und barrierefreies Wohnen ist ja nicht nur was für Senioren. Auch Jüngere können diese Wohnungen brauchen, nach einem Unfall zum Beispiel“, ergänzt die 72-Jahrige.

Wunsch an die Politik: Auch die Senioren hören

Rita Hannig und Erika Matschke wünschen sich nicht nur mehr seniorengerechte Wohnungen, sondern auch spezifische Angebote in Oeding. Einen Treffpunkt, wo man sich unterhalten, austauschen oder helfen kann. Oder einen Beirat, damit die Älteren gehört werden, bevor Entscheidungen getroffen werden. Sie setzen jetzt, nicht nur was das Wohnraumkonzept angeht, auf den neuen Gemeinderat.

Welche Bauprojekte in Südlohn und Oeding aktuell geplant sind und wie es um einige steht, die einmmal vorgestellt wurden, wird Inhalt eines weiteren Artikels zum Thema „Wohnen in Südlohn und Oeding“ sein.

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