Thomas-Cook-Reisebüro Glockenstadt-Reisen ringt mit den Folgen des Insolvenzverfahrens

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Die Telefone stehen beim Thomas-Cook-Reisebüro Glockenstadt-Reisen nicht mehr still. Die Zahl der Kundengespräche können Annette und Fabian Dülker nicht nennen. Es herrscht Ausnahmezustand.

Südlohn

, 24.09.2019, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem der britische Reiseanbieter Thomas Cook Insolvenz angemeldet hat, stehen überall die Zeichen auf Krisenmanagement. „Bei uns ist gerade Land unter“, sagt Daniela Demes vom Thomas Cook Reisebüro Glockenstadt-Reisen in Südlohn am Montagmorgen. Sie verweist auf die Firmenzentrale in Gescher. Auch dort glühen seit Montagmorgen die Telefondrähte.

Am Dienstagnachmittag schlagen sich Inhaberin Annette Dülker und ihr Sohn Fabian Dülker, Büroleiter, einen kurzen Moment für ein Telefonat frei. Da kommen sie gerade aus einer Telefonkonferenz. Inhalt: Rückreisemöglichkeiten von Kunden auf Kreuzfahrten. Die sind erst einmal bis Ende September gesichert. Gebuchte Kreuzfahrten sollen bis Ende Oktober stattfinden.

Team betreut jeden einzelnen Kunden und bemüht sich um Lösung

Gezählt haben sie die Buchungen, mit denen sie sich seit Montagmorgen beschäftigen müssen, zu dem Zeitpunkt noch nicht. „Irgendwas zwischen 40 und 50“, schätzt Fabian Dülker. Jeder einzelne Kunde, der in ihren Büros eine Reise über Thomas Cook gebucht habe, werde auch einzeln betreut. In den meisten Fällen seien es Buchungen von Kunden, die eigentlich in den kommenden Tagen in den Urlaub fahren wollten.

Nur vereinzelt seien aktuell Gäste gerade im Urlaub. Etwa auf den Kanaren. Auch mit denen hat das Team schon Rücksprache gehalten, beruhigt oder versucht, Lösungen zu finden.

Alternativen gesucht, aber viele Fragen sind noch offen

„Reisen mit Thomas Cook finden ja erstmal bis zum 26. September nicht statt“, sagt Fabian Dülker. Daher haben sie versucht, Alternativen für ihre Kunden anzubieten. Alle Reisen seien zwar über die sogenannten Sicherungsscheine abgesichert, bis die Kunden ihr Geld aber wiederbekommen, kann es eine ganze Weile dauern. „Es ist ja auch noch möglich, dass die Reisen noch stattfinden“, sagt Fabian Dülker. Kurz: Es ist ein großes Stochern im Nebel.

An ähnliche Fälle kann sich Annette Dülker in der Vergangenheit zwar erinnern, die Dimension sei aber neu. „In dieser Größenordnung hat es das noch nicht gegeben“, erklärt sie. Damals habe es bis zu einem dreiviertel Jahr gedauert, bis Reisende über die Versicherungen ihr Geld wiederbekommen haben.

Thomas Cook in Deutschland ist noch nicht insolvent

„Aber dafür müsste ja erst einmal auch in Deutschland der Insolvenzfall bestehen“, sagt Fabian Dülker. Den gibt es bisher aber nur für die englische Thomas-Cook-Holding. Auch die Rückreise der Reisenden ist in Deutschland über diese Versicherung abgedeckt, anders als in England, wo inzwischen die Regierung die Rückreise der Thomas Cook-Kunden organisiert.

„Auch da wird aber gerne übersehen, dass Thomas Cook ja ebenfalls im Hintergrund weiter aktiv ist und nach Lösungen sucht“, erklärt Annette Dülker.

Schmerzhaft, aber noch nicht existenzbedrohend

Für das Unternehmen mit Büros in Gescher, Südlohn und Legden ist die Insolvenz von Thomas Cook zwar schmerzhaft aber noch nicht existenzbedrohend: Rund 25 Prozent des Umsatzes wickelt Glockenstadt-Reisen mit Thomas Cook ab, ist seit Jahren Franchise-Partner und führt den Namen Thomas Cook auch im eigenen Namen. „Wir sind aber immer eigenständig geblieben“, erklärt Annette Dülker.

Daher seien auch die eigene Wirtschaftlichkeit und die Standorte nicht gefährdet. „Eine Frage, die uns in den vergangenen beiden Tagen ständig gestellt wird“, gibt sie zu.

Wie lange der Stress für das Team noch weiter geht, mögen sie im Moment nicht abschätzen. „Es ist ja auch einfach vieles noch offen“, erklärt Fabian Dülker.

Kunden reagieren bisher überaus freundlich

Von Kundenseite aus schlage ihnen viel Freundlichkeit und Verständnis entgegen: „Nicht einer ist bisher laut geworden“, sagt Fabian Dülker. Im Gegenteil: „Die Leute haben uns sogar schon kleine Präsente vorbeigebracht, als sie gesehen haben, dass wir bis 22 oder 23 Uhr in den Büros gesessen haben“, freut er sich.

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