Thomas-Cook-Pleite: Reisebüro-Mitarbeiter in Südlohn mussten sich wüst beschimpfen lassen

dzThomas-Cook-Insolvenz

Die heiße Phase nach der Thomas Cook-Pleite scheint überwunden: Bei Glockenstadt-Reisen in Südlohn und Legden atmen die Mitarbeiter kurz durch. Es gab viel Verständnis, aber auch Ärger.

Südlohn, Legden

, 09.10.2019, 15:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 23. September beantragte die englische Thomas-Cook-Group Insolvenz. Wenige Tage später folgte die deutsche Thomas-Cook-Tochter. Für die Mitarbeiter von Glockenstadt-Reisen hieß das erst einmal: Arbeit ohne Ende.

„Die ersten zwei Wochen waren unglaublich hektisch“, erzählt Daniela Demes. Welche Kunden waren noch im Ausland? Welche Kunden wollten unmittelbar in den Urlaub starten? Die Mitarbeiter von Glockenstadt-Reisen legten Nachtschichten ein. Daniela Demes verzichtete sogar auf ihren eigenen Urlaub.

Keine Kunden im Ausland gestrandet

„Wir mussten ja erst einmal alle Kunden kontaktieren“, sagt sie. Das Wichtigste in ihren Augen sei, dass niemand im Ausland „gestrandet“ sei. Auch die Kunden hätten sich positiv zurück gemeldet: „Bisher haben wir nur von guter Betreuung durch Thomas Cook Deutschland gehört“, sagt Daniela Demes. Touristen, die über Thomas-Cook England unterwegs waren, hätten da ganz andere Geschichten erzählt.

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Inzwischen habe sich das aber alles etwas beruhigt. Am Mittwoch gab es einen neuen Stand: Im Moment sind alle Reisen, die bis zum 31. Dezember beginnen sollten, abgesagt. Was danach kommt, kann im Moment noch niemand sicher sagen. „Das Gute ist, dass diese Kunden in der Regel nur eine Anzahlung geleistet haben“, sagt Daniela Demes. Sie haben also noch etwas mehr Möglichkeiten. Können umbuchen oder eine ganz neue Reise planen.

Keine Beratung für Buchungen im Internet

Doch bei allem Zuspruch durch die Kunden, Daniela Demes kann auch von einigem Ärger berichten. „Gerade die Leute, die ihre Reise selbst im Internet gebucht hatten, wollten von uns Beratung oder Betreuung“, sagt sie. Doch denen konnte und durfte sie gar nicht helfen. „Die Menschen verstehen den Unterschied zwischen einer selbstgebuchten Reise und einer Betreuung durch ein Reisebüro nicht“, sagt sie.

Und just diese Kunden seien dann am Telefon teils ausfallend oder richtig unverschämt geworden. „Das hat schon getroffen“, sagt sie.

Glockenstadt-Reisen blickt optimistisch in die Zukunft

Auch dieser Ärger ist nun vorerst aber mal verraucht. Für Daniela Demes und ihre Kollegen von Glockenstadt-Reisen geht der Blick nun fest in Richtung Zukunft. Auf was genau die Mitarbeiter hoffen, ist noch nicht sicher. „Natürlich wird uns die Insolvenz von Thomas Cook weiter wehtun“, sagt Daniela Demes. Allein schon, weil Glockenstadt-Reisen so etliche Reisen nicht mehr verkaufen könne. Dennoch werden sich die Türen der drei Reisebüros nicht schließen. Da ist sie sich sicher.

Kunden buchen weiter – aber mit anderen Veranstaltern

Das zeige auch das aktuelle Buchungsverhalten der Kunden: „Die buchen nach wie vor bei uns“, erzählt Daniela Demes an einem Nachmittag zwischen zwei Kundengesprächen. Die Reisen würden nun natürlich nicht mehr über Thomas Cook, sondern über andere Veranstalter verkauft, sagt sie. Teilweise führen die neuen Reisen aber in dieselben Orte oder sogar dieselben Hotels wie zuvor mit Thomas Cook.

Dankbar sei sie den eigenen Kunden: „Von denen hatte jeder Verständnis für unsere Situation“, sagt sie. Denen sei klar gewesen, dass vor Ort in den Reisebüros niemand die Schuld an den Schwierigkeiten mit den Reisen trage. „Die haben sich alle bei uns bedankt oder sogar Schokolade oder Pralinen vorbeigebracht“, sagt Daniela Demes. Doch auch das sei nun schon wieder Geschichte.

Arbeit in Südlohn, Gescher und Legden geht normal weiter

Klar sei, dass das Glockenstadt-Reisen mit seinen Niederlassungen in Südlohn, Gescher und Legden selbstständig bleiben will. „Das hat unsere Chefin noch einmal bestätigt“, sagt Daniela Demes. Das Unternehmen wolle sich nicht auf Biegen und Brechen einem anderen Veranstalter anschließen.

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