Der Ortsteil Metternich wurde durch den übertretenden Swistbach überflutet, Autos und Häuser wurden teils schwer beschädigt. Gegen die Folgen kämpft derzeit auch die Südlohnerin Laurence Tenk an, deren Mutter und Bruder dort wohnen. © privat
Flutkatastrophe

Südlohnerin hilft Familie in Flutregion: „Realisiert hat das noch niemand“

Laurence Tenk ist im Rheinland geboren. Die Flutkatastrophe hat die Heimat ihrer Mutter und ihres Bruders schwer getroffen. Die Südlohnerin hilft vor Ort – und bittet weiter um Unterstützung.

Täglich 170 Kilometer hin und 170 zurück pendelte die Südlohnerin Laurence Tenk in den vergangenen Tagen zur Familie in die Flutregion im Rheinland, ihre Hilfe wird in Weilerswist im Ortsteil Metternich benötigt. Dringend.

Mittlerweile hat sie vor Ort eine Übergangsbleibe gefunden – eine erste Erleichterung. Und weil noch viel mehr Unterstützung gerade gefragt ist, hat sie auch in Südlohn einen Aufruf gestartet, um auf die dramatische Situation in der Heimat ihrer Mutter und ihres Bruders aufmerksam zu machen.

Inmitten des Chaos, das sich ihr vor Ort auch noch am Donnerstag darstellt, erinnert sie sich exakt eine Woche zurück. Gefühlt 50 Anrufe in Abwesenheit habe sie auf dem Handy gehabt, als sie wachgeworden sei. Dabei hatte niemand die sich anbahnende Lage im Kreis Euskirchen am Vortag so gravierend eingeschätzt.

Viele Bewohner mussten mit schwerem Gerät aus den Häusern evakuiert werden.
Viele Bewohner mussten mit schwerem Gerät aus den Häusern evakuiert werden. © privat © privat

„Zum Glück war meine Schwester vor Ort. So konnte sie meine Mutter in Sicherheit bringen“, berichtet Laurence Tenk, geborene Jüssen. Reflexartig sei sie am Freitag dann „runter gefahren“, um Mutter und Schwester nach Südlohn zu holen.

In Metternich kämpfte ihr Bruder mit Familie gleichzeitig gegen die Folgen der Katastrophe am eigenen Haus. Dass die Südlohnerin ihre Mutter mittlerweile bei einer Freundin in der Heimat hat unterbringen können, sei für diese wichtig.

Menschen tun sich schwer, Hilfe anzunehmen

Nein, realisiert habe noch niemand, was ihm widerfahren sei. „Keiner funktioniert hier normal, viele sind traumatisiert. Das größte Problem ist, dass sich viele damit schwertäten, die Hemmschwelle, aktiv um Hilfe zu bitten, zu überwinden“, berichtet die gebürtige Rheinländerin.

Weiter: „Man müsste eigentlich in jedes Haus gehen und fragen, welche Hilfe benötigt wird“, so die Südlohnerin. Erst wenn das erste große Chaos beseitigt wäre, würden viele Menschen erkennen, dass sie vor dem Nichts stehen – „und was sie wirklich brauchen“.

Das Ausmaß der Schäden ist noch gar nicht absehbar.
Das Ausmaß der Schäden ist noch gar nicht absehbar. © privat © privat

Gerade in den ersten Tagen habe sie eine enorme Energie gespürt. „In meiner Whatsapp-Gruppe wird jegliche Hilfe angeboten, viele Freunde aus meinem Gladbach-Fanclub kommen, es sind Menschen aus allen Teilen Deutschlands hier – unglaublich“, so Laurence Tenk.

Diese Energie entfalte sich täglich von 8 bis 18 Uhr – „dann ist der Ort totenstill“. Verzweiflung mische sich mit Erschöpfung. Eine fast gespenstische Ruhe – und das bei strahlendem Sonnenschein. Eine fast surreale Lage.

Organisatorisch stellten sich den Menschen ebenso noch einige Hürden in den Weg. So habe die Bürgermeisterin veranlasst, in Weilerswist ein zentrales Spendenlager einzurichten. „Hier ist aber kaum mehr einer mobil. Und wer hat zuhause den Platz, etwas zu lagern – so weit sind viele noch gar nicht, fragt die 49-Jährige.

Bautrockner und Hochdruckreiniger werden benötigt

Um dort hinzukommen, bräuchte es jetzt – neben „finanziellen Spenden und vielen helfenden Händen“ – vor allem Bautrockner, Hochdruckreiniger, Notstromaggregate, gar Minibagger. Ihr Appell, zu helfen, verhallt nicht – auch wenn vielerorts mittlerweile darum gebeten werde, nicht in die Orte zu fahren. Es gebe zwar teilweise wieder Strom, es fehle aber vielfach noch an Spezialisten wie Klempnern oder Elektrikern.

Einige von diesen werden am Wochenende aus der Heimat Südlohn anreisen. Unter anderem ein Stammtisch wird sich auf den Weg machen. Der „absolute Wahnsinn“, erklärt die Südlohnerin. Dann geht es weiter mit den Aufräumarbeiten, an deren Ende man sich „irgendwann einmal einen Überblick über die wahren Schäden verschaffen werden kann“.

Binnen Stunden war die gesamte Gegend zugelaufen.
Binnen Stunden war die gesamte Gegend zugelaufen. © privat © privat

Laurence Tenk ist froh, dass ihr der Rücken freigehalten wird, fünf Wochen sei sie erst einmal vom Arbeitgeber freigestellt. „Sicher nur ein Anfang, aber es ist zumindest einer“, betont die Südlohnerin, deren gesamte Familie aktuell im Dauereinsatz gegen die Flutfolgen ist – ihr Mann Andre zum Beispiel mit der Freiwilligen Feuerwehr Südlohn, die Tochter Nathalie organisierte mit der Jugendfeuerwehr einen Hilfstransort. Sehr erfolgreich.

„Es muss ja irgendwie weitergehen“, zieht die 49-Jährige viel Kraft aus der Hilfsbereitschaft. Kraft, die vielen mittlerweile fehle. „Realisiert hat hier noch niemand, was passiert ist. Geschweige denn verarbeitet“, sagt die 49-Jährige noch einmal.

Weitere Informationen

  • „Wer Hilfe und Unterstützung in welcher Form auch immer leisten kann, der kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen“, erklärt Laurence Tenk, Tel. (0151) 10 98 68 78.
  • Spenden speziell für die Feuerwehr in Metternich sind der Südlohnerin ein besonderes Anliegen. Diese können dem Konto der Gemeinde Weilerswist (Verwendungszweck: Flutkatastrophe in Metternich, nur für Löscheinheit Metternich) angewiesen werden.
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