Die Terhörnes können schon wieder lachen: Helmut, Nicole, Ina und Marc haben gerade alle Hände voll zu tun, die Folgen des Wassereinbruchs von Heiligabend zu beseitigen. Eigentlich hilft auch der älteste Sohn Nico mit – doch der war an diesem Nachmittag noch arbeiten. © Stephan Rape
Verstopftes Rohr

Riesiger Schaden: Wassermassen überfluten Kegelbahn vom Haus Terhörne

Land unter im Haus Terhörne: Tausende Liter Wasser sind in den Keller und die Kegelbahnen der Südlohner Gaststätte eingebrochen. Die Inhaber stehen vor immensen Schäden – geben aber nicht auf.

Helmut und Nicole Terhörne stehen an diesem Nachmittag mit Gummistiefeln, Schubkarre und Spaten im Garten. Drei Wochen nach einem denkwürdigen Weihnachtsfest kämpfen sie immer noch gegen die Folgen von gleich mehreren Wasserschäden. Der Restaurantbetrieb ruht inzwischen komplett. „Das Haus riecht noch nach abgestandenem Wasser“, sagt Helmut Terhörne. Das könne man Gästen auch zum Abholen von Speisen nicht zumuten. Gleichzeitig wolle er mit seiner Familie jetzt erst einmal die schlimmsten Schäden beseitigen.

Wassereinbruch am Heiligen Abend

Doch was ist passiert? Am Nachmittag des Heiligen Abends stellte die Familie den Wassereinbruch im Keller fest. Durch einen Abfluss an der Kellertreppe stieg das Wasser hoch und stand schließlich mehrere Zentimeter hoch im Partykeller. „Wir haben dann am Heiligen Abend versucht, das Wasser mit Pumpen wieder herauszubekommen“, sagt Helmut Terhörne.

Irgendwann habe er es aufgegeben: „Die Pumpen liefen, und weil sowieso nichts mehr zu machen war, haben wir dann erst einmal Weihnachten gefeiert“, erzählt er. Da habe er das ganze Ausmaß des Schadens aber noch gar nicht gekannt.

Nachbarn und Bekannte halfen gegen die Fluten

Am ersten Weihnachtstag verschlimmerte sich die Lage. Das Wasser hatte sich inzwischen durch die Wand auch auf die drei Kegelbahnen ausgebreitet. Mit viel Hilfe von Bekannten und Nachbarn hielten die Terhörnes die Fluten halbwegs im Zaum. „Ohne deren Hilfe hätten wir das nie geschafft“, sagt er dankbar. Mit Eimern, Nasssaugern und Pumpen kämpften sie gegen das eindringende Wasser.

Parallel lief die Suche nach der Ursache: „Wir konnten erst keinen Fehler oder keine Verstopfung finden“, sagt Helmut Terhörne im Rückblick. Erst mit einer ferngesteuerten Videokamera, die in das Abflussrohr geschickt wurde, kamen sie der Ursache auf die Spur: Durch die Anschlussleitung des Gartenteichs an die Regenwasserleitung zur Straße hatten sich Wurzeln vorgearbeitet und das Rohr schließlich komplett verstopft. Mehrere Meter vom Haus entfernt. Ziemlich genau in der Mitte des weitläufigen Gartens.

Wasser steht bis zu 30 Zentimeter hoch auf der Kegelbahn

Der Regen drückte weiter ins Gebäude. Zwischen 15 und 30 Zentimeter hoch stand das Wasser auf den Kegelbahnen. Dämmmaterial und Holz saugten sich komplett voll und mussten entsorgt werden. Die Terhörnes bestellten schweres Gerät: Ein großer Pumpwagen rückte an und holte knapp zwölf Kubikmeter Wasser aus dem Keller. Helmut Terhörne schätzt, dass zusätzlich noch einmal sechs Kubikmeter per Hand aus dem Haus befördert wurden.

Am Ende half nur schweres Gerät: Mit einem 14-Tonnen-Bagger musste die verstopfte Stelle freigelegt werden. Dabei war es zunächst gar nicht so einfach, das Rohr in dem weitläufigen Garten überhaupt zu finden.
Am Ende half nur schweres Gerät: Mit einem 14-Tonnen-Bagger musste die verstopfte Stelle freigelegt werden. Dabei war es zunächst gar nicht so einfach, das Rohr in dem weitläufigen Garten überhaupt zu finden. © Helmut Terhörne © Helmut Terhörne

Gleichzeitig machten sie sich auf die Suche nach der verstopften Rohrleitung. Erst per Minibagger. Als der nicht mehr ausreichte, musste auch ein größerer 14-Tonnen-Bagger anrücken. In fast vier Metern Tiefe entdeckten sie nach mehreren Versuchen schließlich das verstopfte Rohr und konnten es austauschen.

Sanierung läuft – doch muffiger Geruch hält sich noch

Seitdem laufen die Sanierungs- und Aufräumarbeiten. Zeitweise liefen gleichzeitig neun Bautrockner und drei Lüfter. Doch der muffige Geruch hält sich noch in dem verwinkelten Gebäude.

In fast vier Metern Tiefe kam schließlich das verstopfte Rohr zum Vorschein und konnte ausgetauscht werden. Bis dahin hatten die Terhörnes mit vielen Helfern und einem großen Pumpwagen schon rund 16 Kubikmeter Wasser aus dem Keller und von den Kegelbahnen gepumpt.
In fast vier Metern Tiefe kam schließlich das verstopfte Rohr zum Vorschein und konnte ausgetauscht werden. Bis dahin hatten die Terhörnes mit vielen Helfern und einem großen Pumpwagen schon rund 16 Kubikmeter Wasser aus dem Keller und von den Kegelbahnen gepumpt. © Helmut Terhörne © Helmut Terhörne

Doch damit hörte es noch nicht auf. Unabhängig von dem verstopften Rohr im Garten kamen noch zwei weitere Rohrbrüche dazu: Erst in der Decke einer Kegelbahn, dann noch einmal ein paar Tage später an der Pumpe des Warmwasserkreislaufs im Heizungskeller. „Da habe ich schon einen Moment in der Ecke gesessen und weinen wollen“, gibt Helmut Terhörne zu. Doch dafür blieb erst einmal keine Zeit, denn der Betrieb musste parallel weitergehen.

Küche versorgte Südlohner Gäste über die Feiertage noch

„Über die Feiertage lief ja noch der Außer-Haus-Betrieb“, sagt der Südlohner Gastronom und schüttelt selbst mit dem Kopf. Schließlich sollten hunderte Essen noch zur Abholung bereitgestellt werden. „Die Leute hatten ja bei uns bestellt, denen konnten wir doch nicht absagen“, erklärt er. Das haben sie geschafft.

Doch Anfang dieser Woche war erst einmal Schluss: Kochen und gleichzeitig sanieren, die Räume halbwegs sauber halten während im Keller die Reparaturen laufen, die Doppelbelastung durch normalen Betrieb und Sanierung – das wäre zu viel gewesen. So kann sich die Familie jetzt auf die Aufräumarbeiten konzentrieren.

Erst per ferngesteuerter Kamera kamen sie der Ursache für die Überflutung auf die Schliche: Etliche Meter vom Haus entfernt war durch den Anschluss des Gartenteichs die Regenwasserleitung in den Hauptkanal zugewuchert.
Erst per ferngesteuerter Kamera kamen sie der Ursache für die Überflutung auf die Schliche: Etliche Meter vom Haus entfernt war durch den Anschluss des Gartenteichs die Regenwasserleitung in den Hauptkanal komplett zugewuchert. © Helmut Terhörne © Helmut Terhörne

Den Gesamtschaden schätzt Helmut Terhörne auf 50.000 bis 80.000 Euro. Eine Versicherung werde wohl nicht einspringen. Zum Glück habe er genug Rücklagen gebildet. „Die waren natürlich eigentlich für etwas anderes vorgesehen“, sagt er. Und gerade in der ohnehin schon extrem schwierigen Corona-Pandemie nun auch noch so ein Unglück verkraften zu müssen, sei natürlich ein herber Rückschlag. Doch er gibt sich kämpferisch. „Natürlich machen wir weiter“, sagt er.

Außer-Haus-Geschäft soll in zwei oder drei Wochen neu starten

Sein Zeitplan ist dabei eng gesteckt: In zwei oder drei Wochen möchte er auf jeden Fall mit dem Außer-Haus-Geschäft wieder starten. Dann seien die gröbsten Schäden behoben und auch die Feuchtigkeit hoffentlich wieder aus dem Haus heraus. An einen regulären Betrieb sei im Moment ja sowieso nicht zu denken – wegen des Coronavirus. Deswegen hofft er, dass er in zwei oder drei Monaten mit seinem Team wieder Vollgas geben kann. Bis dahin bleibt noch viel zu tun.

Und eine Befürchtung schwingt auch noch mit: „Ich weiß noch nicht, ob ich dann wieder auf alle Mitarbeiter und Aushilfen zählen kann. Die werden sich in der Zwischenzeit ja sicherlich auch andere Jobs gesucht haben“, sagt er. Doch das ist ein Problem, mit dem er sich im Moment noch nicht befassen kann.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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