Hendrik, Lina und Judith Keppelhoff haben die Zeit der Corona-Quarantäne genutzt und dekorative Holzhasen für den guten Zweck gebastelt. 500 Euro Spendengeld für die Kinderkrebshilfe haben sie schon zusammen. © privat

Quarantäne kreativ genutzt: Südlohner Familie bastelt für Krebshilfe

Seit die Corona-Diagnose kam und mit ihr die Quarantäne, ist bei der Familie Keppelhoff alles anders. Eine kreative Idee hilft ihr durch die seltsame Zeit – und unterstützt krebskranke Kinder.

Es war der 15. Februar, als Judith Keppelhoff die Diagnose erhielt: Ihr Corona-Test war positiv. Sie hatte sich mit der britischen Mutation des Virus infiziert. Das bedeutete von der Minute an: zu Hause bleiben. Für sie, ihren Mann Hendrik und die vierjährige Tochter Lina genauso.

„Das war ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich die 37-Jährige im Telefonat mit der Redaktion. Von jetzt auf gleich nicht mehr Haus und Garten verlassen, auch wenn keine Milch mehr im Kühlschrank ist. Aber die Keppelhoffs haben Familie, Freunde und Nachbarn, die helfen, wo sie können. „Sonst würde das nicht gehen.“ Die Südlohner sind dankbar, werden versorgt, bleiben daheim.

Zwei Tage läuft Familienprogramm, so „normal“ wie möglich. „Wir sind so froh, dass Hendrik einen Kompagnon hat“, betont Judith Keppelhoff. Ihr Mann (44) ist als Dachdecker selbstständig, da passt eine Quarantänezeit eigentlich nie. Die Firma Hayk und Keppelhoff Bedachungen muss seit Mitte Februar auf einen der Chefs verzichten.

Judith Keppelhoff bei der Arbeit im Garten: Wenn die Sonne auch noch dazu schien, machte die Deko-Produktion für den guten Zweck doppelt Spaß. © privat © privat

Am dritten Tag kramt Judith Keppelhoff ihre To-Do-Liste hervor. „Ich bin gerne kreativ“, verrät sie. Holzhasen fertigen und diese mit Handlettering verzieren, stand auf der Liste. Sie zeichnete, ihr Mann Hendrik sägte aus, sie bemalte die Hasen, versah sie mit „Frohe Ostern“. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. In einer Deko-Facebook-Gruppe postete die Südlohnerin ein Foto. „300 Likes gab es dafür“, sagt Judith Keppelhoff und lacht.

Familie Keppelhoff bastelt Osterdeko zugunsten der Kinderkrebshilfe

Und es gab Anfragen, ob sie die Hasen verkaufe. Nein, das war so nicht geplant. Bis am nächsten Tag Hendrik Keppelhoff seine Frau fragte: „Wie wäre es, wenn wir die Hasen gegen eine Spende abgeben?“ Die beiden wurden in der Umgebung schnell fündig: Die Kinderkrebshilfe Horizont in Weseke sollte der Adressat sein.

Die vierjährige Lina half auch fleißig mit beim Basteln der hölzernen Osterdeko.
Die vierjährige Lina half auch fleißig mit beim Basteln der hölzernen Osterdeko. © privat © privat

„Da habe ich erstmal angerufen und gefragt, ob das sinnvoll ist“, erzählt die 37-Jährige. Aber als die Horizont-Aktiven beteuerten, sie würden sich auch über 50 Euro freuen, legten die Keppelhoffs los. Der Garten war bei schönstem Frühlingswetter die Werkstatt, Hendrik Keppelhoff sägte und sägte, seine Frau strich und bemalte. Selbst die kleine Lina half tatkräftig mit und kannte keine Scheu vor Werkzeugen.

Die Hauptaufgabe von Hendrik Keppelhoff war das Zuschneiden des Lärchenholz für die Dekoelemente.
Die Hauptaufgabe von Hendrik Keppelhoff war das Zuschneiden des Lärchenholz für die Dekoelemente. © privat © privat

„So hatte unser Tag Struktur“, hebt Judith Keppelhoff hervor. Nach dem Frühstück, gegen 9 oder 10 Uhr, ging es los, und oft werkelte die Familie bis 17 Uhr. Natürlich nicht wie an einem strengen Arbeitstag, denn Lina wollte auch mal etwas anderes unternehmen und mit ihren Eltern spielen. Ihr Vater nutzte die Zeit und baute ihr eine Spielküche aus Holz. „Und es gab ja auch noch den Alltag“, ergänzt die Südlohnerin.

Als auch der zweite Corona-Test positiv ausfiel, ging es danach weiter in der Deko-Produktion. Das Lärchenholz steuerte die Firma Hayk und Keppelhoff bei, „wir haben angerufen, und ein Mitarbeiter hat es vor den Gartenzaun gelegt“, erzählt die Südlohnerin. Und dann kamen die ersten Erfolgserlebnisse.

Die Aktion verbreitete sich wie von selbst

Judith Keppelhoff hatte eigentlich nur über ihren Status bei WhatsApp auf ihre Aktion aufmerksam gemacht. „Quarantäne sinnvoll nutzen – Oster-Spendenaktion“ waren ihr Schlagworte. So viele aktive Kontakte hat sie da gar nicht – „aber das hat sich total schnell verbreitet“, blickt sie zurück. Auch die Redaktion wurde so auf die Aktion aufmerksam. Eine Bestellung nach der anderen kam rein.

„Wir haben mit offenen Karten gespielt“, sagt Judith Keppelhoff. Die bestellten Dekoartikel – zu den Hasen kamen in den kreativen Tagen noch Eier und Vögel hinzu – hat sie verpackt und vor die Haustür gestellt. „Ich wasche mir die Hände gründlich und desinfiziere sie“, betont sie. Die Keppelhoffs wissen, wer wann etwas abholt und stellen die Deko rechtzeitig nach draußen. Bezahlt wird über Geld im Briefumschlag – „den Briefkasten desinfizieren wir auch immer“ – oder über den Zahlungsdienstleister Paypal.

Holzhase an Holzhase – so sah es zweitweise bei den Keppelhoffs im Garten aus. Alle sind für den guten Zweck abgegeben worden.
Holzhase an Holzhase – so sah es zweitweise bei den Keppelhoffs im Garten aus. Alle sind für den guten Zweck abgegeben worden. © Privat © Privat

Teil zwei der Erfolgserlebnisse: Das nach dem rasanten Anlauf selbst gesteckte Ziel, 500 Euro an Spenden zu sammeln, wurde in dieser Woche schon erreicht. „Darauf sind wir sehr stolz“, freut sich Judith Keppelhoff. Die guten Taten tragen sehr dazu bei, gute Stimmung aufrecht zu erhalten in der Quarantänezeit, wie sie betont. „Das war auch schön, die Arbeit. Da ist so ein Familiengefühl aufgekommen“, hebt sie hervor, dass die Quarantäne durchaus auch gute Seiten haben kann.

Judith Keppelhoff beherrscht Hand-Lettering, mit Osterwünschen in kunstvollen Buchstaben verzierte sie die bemalten Holzhasen.
Judith Keppelhoff beherrscht Hand-Lettering, mit Osterwünschen in kunstvollen Buchstaben verzierte sie die bemalten Holzhasen. © Privat © Privat

Auch wenn die schlechten Seiten überwiegen. Hendrik Keppelhoff muss beruflich pausieren, was als Selbstständiger schwierig ist. Auch Judith Keppelhoff kann ihren Job als kaufmännische Angestellte derzeit nicht ausüben. Der kleinen Lina fehlt der Kindergarten, das Spielen mit anderen Kindern. Auch gesundheitlich hat Judith Keppelhoff Probleme, ist extrem kurzatmig, hat kaum Kondition.

Ein Blick auf die
Ein Blick auf die “Produktpalette” der Osterdeko, die Familie Keppelhoff gegen Spenden für die Kinderkrebshilfe Horizont abgab. © Privat © Privat

Auch das Telefonat mit der Redaktion ist für sie anstrengend. Aber kein Grund für sie zu jammern. Die Familie hat angepackt, „und wir sind echt mit ganz viel Herzblut dabei“, betont die 37-Jährige. „Aber jetzt können wir auch bald keine Hasen mehr sehen“, gibt sie schmunzelnd zu.

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Anne Winter-Weckenbrock