Politiker fühlen sich von neuem Pausenraum am Klärwerk überrumpelt

dzErweiterung geplant

Das Zentralklärwerk wird für mehrere Millionen Euro erweitert. Doch ein neuer Pausenraum für 141.000 Euro sorgt nun für Aufregung. Der steht zwar im Haushalt, stößt aber auf wenig Gegenliebe.

Südlohn

, 03.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles, was in Südlohn und Oeding im Ausguss oder der Toilette verschwindet, landet früher oder später im Zentralklärwerk im Sickinghook. Über eine Millionen Kubikmeter Abwasser werden dort jedes Jahr geklärt. Die Anlagen laufen rund um die Uhr an 24 Stunden pro Tag.

Gerade gehen die Bauarbeiten für das neue Kombibecken in die Endphase. „Im Sommer können wir in den Testbetrieb gehen“, sagt Michael Niehaus vom Bauamt der Gemeinde. Deutlich über vier Millionen Euro werden dort gerade investiert.

Mehr Platz für zusätzlichen Mitarbeiter

Fünf Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Anlagen. „Aber natürlich nicht nur hier im Zentralklärwerk“, erklärt Michael Niehaus weiter. Auch die Kontrolle und Wartung von 85 Kilometern Kanalleitungen und 135 Hauspumpwerken zählen mit zu den Aufgaben der Mitarbeiter.

Im Sommer soll deswegen ein neuer Auszubildender dazu kommen. Und das gibt ein neues Problem: Der alte Pausenraum ist in Zukunft zu klein. Er soll durch einen neuen Raum ersetzt werden. Doch das sorgte bei den Politikern für überraschte Gesichter.

141.000 Euro sind dafür veranschlagt. Die Pläne für den neuen Pausenraum, der aus Fertigcontainern zusammengebaut wird, stellte Dirk Vahlmann, Leiter des Bauamtes, am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss vor.

Der alte Pausenraum im Zentralklärwerk reicht aktuell gerade eben noch aus. Er soll durch einen Neubau ersetzt werden, damit in Zukunft alle Mitarbeiter einen Platz haben – und der Raum den Arbeitsschutzbestimmungen entspricht.

Der alte Pausenraum im Zentralklärwerk reicht aktuell gerade eben noch aus. Er soll durch einen Neubau ersetzt werden, damit in Zukunft alle Mitarbeiter einen Platz haben – und der Raum den Arbeitsschutzbestimmungen entspricht. © Stephan Teine

Alois Kahmen (CDU) zeigte sich von der geplanten Investition überrascht. Weder wisse der Vorsitzende des Bauausschusses davon, noch sei die Erweiterung bei der Besichtigung des Klärwerks im vergangenen Mai Thema gewesen. „Das kommt plötzlich und unerwartet. 141.000 Euro sind eine Menge Geld“, sagte er. Er bemängelte, dass die Verwaltung außerdem keine Vergleichsangebote oder eine Variante als Mietlösung vorgelegt habe.

Ganz so überraschend kann die Planung jedoch nicht sein. Sie steht im aktuellen Haushaltsplan. Auch in der Planung für die Containerlösung wird auf die entsprechende Stelle im Haushalt verwiesen. Das erklärten sowohl Bauamtsleiter Dirk Vahlmann als auch Kämmerin Birgit Küpers.

Auch Günter Bergup (UWG) wirkte von der Planung überrascht. „Das habe ich aus der Haushaltsstelle so nicht herausgelesen“, sagte er. Dass der Arbeitsschutz eingehalten werden müsse, sei ja keine Frage. Dennoch wollte auch er über die Pläne noch einmal beraten.

„Arbeitsschutz nicht nach Kassenlage“

Bürgermeister Christian Vedder räumte den Beratungsbedarf ein. „Das verstehe ich“, sagte er. Jedoch dürfe es beim Arbeitsschutz keine Entscheidung nach Kassenlage geben. Die Gemeinde dürfe nicht das Risiko eingehen, wegen unzureichender Arbeitsschutzmaßnahmen in Regress genommen zu werden. Auch leiste das Personal im Klärwerk seit zwei Jahren vorbildliche Arbeit in einer Ausnahmesituation. „Da verstehe ich dieses Signal einfach nicht“, so Christian Vedder.

CDU-Politiker wollen alternative Ideen

Das brachte Christel Sicking (CDU) auf den Plan. „Dass wir dem Arbeitsschutz nicht folgen wollen, ist eine Unterstellung“, kommentierte sie spitz. „Wir haben hier nur eine Lösung bekommen und das reicht uns nicht. Es ist nicht mehr als recht, das zu hinterfragen“, sagte sie. Auch Frank Bengfort argumentierte in diese Richtung: „140.000 Euro für einen Container von acht mal sechs Meter kommt mir schon viel vor“, sagte er. Mietlösungen gebe es schon für 3000 Euro im Jahr.

Die Bauarbeiten für das neue Kombibecken gehen gerade in die Schlussphase. Im Sommer soll der Testbetrieb starten.

Die Bauarbeiten für das neue Kombibecken gehen gerade in die Schlussphase. Im Sommer soll der Testbetrieb starten. © Stephan Teine

Davor warnte Maik van de Sand eindringlich: „Die Lösung mit gemieteten Containern fliegt uns gerade in Südlohn um die Ohren“, sagte er. Wegen des Coronavirus verzögert sich dort die Fertigstellung der St.-Vitus-Grundschule. Die dort aufgestellten Container für Klassenzimmer müssen länger stehen bleiben als geplant. Der Haupt- und Finanzausschuss kam am Mittwoch zu keiner Lösung. Das Thema soll in der Ratssitzung am 24. Juni, erneut diskutiert werden.

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