Nur gemeinsam stark

Südlohn/KREIS Das Thema "Milch" hatte am Dienstagabend alle zusammengebracht. Bis auf den letzten Platz war das Haus der Vereine mit Landwirts-Frauen aus dem ganzen Kreisgebiet gefüllt. Die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt bewegte nicht nur die Milchviehhalterinnen, sondern auch ihre Kolleginnen aus den anderen landwirtschaftlichen Produktionszweigen.

31.07.2008, 16:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Kein Platz blieb frei bei der Vortragsveranstaltung, zu der die Milchbäuerinnen ins Haus der Vereine eingeladen hatten. MLZ-Fotos (2) Albersmann</p>

<p>Kein Platz blieb frei bei der Vortragsveranstaltung, zu der die Milchbäuerinnen ins Haus der Vereine eingeladen hatten. MLZ-Fotos (2) Albersmann</p>

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wollte auf Einladung der hiesigen Milchbäuerinnen mit ihnen über ihre Situation, Zukunft und Ängste sprechen. Magdalena Garvert, Kreisvorsitzende der Landfrauen, ermunterte dazu, weiterhin in der Öffentlichkeit Verständnis für die Preissituation bei landwirtschaftlichen Produkten zu wecken. Sie wünschte sich faire Preise bei allen hochwertigen Lebensmitteln.

"David gegen Goliath"

"Beim Kampf ,David gegen Goliath' habe ich seit Jahren nicht mehr soviel motivierte Bäuerinnen gesehen wie heute", freute sie sich über die Aktivitäten der vergangenen Monate. "Wir wollen kein Mitleid erwecken, sondern uns für die Einigkeit im Berufsverband einsetzen." Das Motto solle sein: Aufeinander hören - miteinander sprechen - miteinander handeln, und das durch einen respektvollen Umgang. "Denn nur gemeinsam sind wir stark."

Christine Schneebichler aus Neubeuern bei Rosenheim, Mitglied des BDM-Bundesbeirats, konnte als Gastreferentin direkt aus der Praxis sprechen. Die 42-jährige Mutter und Milchbäuerin hatte mit ihrem Hof schon alle Tiefen durchgemacht. "Unser Konto war leer, und wir waren mit unserem Latein am Ende", bekannte sie. Sie plädierte dafür, das Heft wieder selbst in die Hand zu nehmen. "Wir sollten uns nur noch auf uns selbst verlassen, nicht mehr auf andere Institutionen wie die Genossenschaften, die unsere Interessen nicht mehr vertreten, obwohl sie ursprünglich von uns gegründet wurden." Erst jetzt durch den eigeninitiierten Milch-Lieferstopp säßen die Milchbauern erstmals mit hochrangigen Politikern in Berlin an einem Tisch.

Dass der heutige Butterpreis auf dem Niveau von 1952 liege und sicher keiner mehr heute den Verdienst von damals haben möchte, erwähnte sie am Rande. Und auch, dass der Milchpreis vor 30 Jahren noch 80 Pfennig pro Liter betrug, heute aber auf ein Tief von 25 bis 35 Cent abgesackt ist, spreche für den ruinösen Preisverfall.

Wertvolles Gut

"43 Cent heute sind sicherlich mehr als angemessen", betont sie. "Wir alle müssen wieder Unternehmer werden, um aus dem Preisdiktat der Molkereien herauszukommen", lautet ihr Fazit. BDM-Kreisvorsitzender Johannes Harker schloss sich den Worten seiner Kollegin an: "Uns muss bewusst werden, welch wertvolles Gut unsere produzierten Nahrungsmittel sind. Deshalb muss die Interessenvertretung unabhängig sein, sie sollte direkt von uns sein und nicht von anderen Verbänden." alb

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