Neustart nach der Winterpause für das Oedinger Integrationsstübchen

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Für Geflüchtete ist das Integrationsstübchen in Oeding einer der ersten Adressen, an die sie sich wenden können. Nach der Winterpause hat das engagierte Team die Türen wieder geöffnet.

Südlohn

, 17.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viele Besucher zu erwarten sind? Reinhold Müller überlegt kurz. „Ich schätze, um die 15.“ Er schaut dabei zu seiner Mitstreiterin Ulrike Gehrigk hinüber. Die nickt bestätigend. „Das kommt hin!“

Das Integrationsstübchen des Arbeitskreises für Toleranz erwacht an diesem Donnerstag aus der Winterpause. Um 15.30 Uhr ist Wiedereröffnung an der Burloer Straße. Noch ist es ruhig.

Spielraum für Kinder

Die dritte im Bunde, Jenny Rahms, verteilt schon einmal Geschirr und Kuchenbesteck auf dem großen Tisch der Cafeteria.

Es hat sich einiges geändert im Stübchen. „Wie nehmen grundsätzlich keine Kleidung mehr an“, macht Reinhold Müller klar. Das geschehe aus Qualitätsgründen, betont er. Dafür gibt es künftig einen Spielraum für die Kinder.

Möbel gestohlen

Jenny Rahms hatte dafür vom Spendengeld des Arbeitskreises zwei kleine Tische und sechs Stühle gekauft. „Die hat man mir in der Nacht zum letzten Sonntag aus dem Hausflur geklaut“, ist die junge Frau jetzt noch empört.

Daher gibt es im neuen Spielzimmer derzeit nur ein kleines Trampolin, einen „Verkehrsteppich“ und ein großes Regal mit Spielzeug. Neue Möbel sollen bald kommen, im Moment müssen Gartenstühle aus Plastik reichen.

Dann kommen die ersten Familien mit ihren Kindern. Und letztere sehen alles ganz unproblematisch. Ohne Anlaufzeit nehmen sie von ihrem neuen Spielzimmer Besitz, hüpfen auf dem Trampolin herum, kramen in den Regalen.

Nebenan entfernt Reinhold Müller das Papier vom Kuchenblech. Ein kleiner Junge sieht das offenbar schon als Aufforderung und setzt sich in fröhlicher Erwartung an den Tisch.

Erfolg beim Sprachkurs

Am Eingang gibt es derweil Glückwünsche zu verteilen: Die Familie Shaabi - Ehefrau Sarah, Ehemann Firas Mohamad und Tochter Maria – ist da. Die Drei sind vor einiger Zeit aus Palästina gekommen, und Sarah hat gerade erfolgreich ihren B2-Sprachkurs in Borken abgeschlossen – mit einer glatten Eins.

16 Uhr: Der Neustart des Stübchens scheint geglückt. Alle sind fröhlich und guter Dinge, die kleine Cafeteria füllt sich allmählich.

Freiwillige gesucht

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Die Münsterland Zeitung hatte im vergangenen Herbst bei einem Besuch einen Appell veröffentlicht, in dem Mithelfer bei der Organisation des Stübchens gesucht wurden.

Leider, wie Ulrike Gehrigk einräumt, habe das aber keine Resonanz gehabt: „Wir stehen nach wie vor alleine da.“

Das Integrationsstübchen, das Café für Alt- und Neubürger an der Burloer Straße 19, ist in diesem Jahr noch an neun weiteren Donnerstagen geöffnet: am 9. April, 7. Mai, 4. Juni, 2. Juli, 30. Juli, 27. August, 24. September, 22. Oktober und am 19. November – immer von 15.30 bis 17.30 Uhr.
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