Lucia Heisterkamp an ihrem Lieblingsplatz in der Kita, der Bewegungsbaustelle. © Oliver Kleine
Abschied vom Kindergarten

Nach 23 Jahren tauscht Lucia Heisterkamp die Wasserfarben gegen Öl

23 Jahre war Lucia Heisterkamp Leiterin des Kindergartens St. Vitus. Heute hat sie ihren letzten Arbeitstag. Dass sie so lange bleiben würde, hätte sie damals selbst nicht geglaubt.

Als Lucia Heisterkamp die Leitung der katholischen Kindertagesstätte am Vitusring übernahm, gab es noch die D-Mark. Die Entwicklung unzähliger Südlohner Kinder hat sie in mehr als zwei Jahrzehnten gefördert.

Nun ist es Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. „Man sollte rechtzeitig gehen. Wenn man zu lange wartet, dann tut es der Einrichtung und einem selbst nicht gut“, sagt die 62-Jährige. Deshalb habe sie sich bewusst für ein Altersteilzeit-Modell entschieden. Bei diesem Modell ist sie die nächsten zwei Jahre noch angestellt, aber nicht mehr aktiv.

Der Nachfolger ist schon seit einem Jahr da

Der Nachfolger ist mit Simon Heimann schon da. Und das seit einem Jahr. „Auf diese Weise hatten wir viel Zeit, die Übergabe in Ruhe anzugehen.“ So gebe es jetzt einen nahtlosen Übergang. Auch wenn sie den Zeitpunkt selbst gewählt hat, so geht sie doch mit etwas Wehmut im Herzen. „Das ist ja eine sehr kontaktfreudige Arbeit. Ich werde die Mitarbeiter, die Kinder und auch die Eltern vermissen. Aber ich glaube, ich werde den Absprung schaffen.“

Als sie sich 1998 für die Stelle beworben hatte, sei sie gar nicht davon ausgegangen, dass sie lange in Südlohn bleibe, erinnert sie sich. Dass es dann doch viel länger als gedacht wurde, spreche für das gute Einvernehmen zwischen den Eltern, dem Team und dem Träger.

Der pädagogische Ansatz hat sich verändert

In den Jahren habe es viele Herausforderungen gegeben, die gemeistert werden mussten. Nicht nur viele gesetzliche Vorgaben änderten sich, auch der pädagogische Ansatz ist heute ein anderer als damals. Statt sogenannter gelenkter Aktivität, bei der die Erzieherinnen die Angebote für die Kinder begleiteten, ziele die Pädagogik heute auf die Eigeninitiative der Mädchen und Jungen. Damit soll die Reife für die Schule gefördert werden.

Kreativität wird mehr gefördert

Deutlich werde der Unterschied auch am Ergebnis der Bastelarbeiten. „Früher sah das Ergebnis oft etwas schablonenhaft aus, man merkte ihm die Mitwirkung von Erwachsenen an.“ Heute lasse man die Schablone bewusst weg, damit die Kinder eigene Kreativität entwickeln. „Was sie jetzt mit nach Hause bringen, sind echte Kinder-Kunstwerke. Das lohnt sich, die für spätere Zeiten zu sammeln.“

Eine der größten Veränderungen erlebte der Kindergarten 2016. Um dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gerecht zu werden, wurden die Südlohner Einrichtungen erweitert. Der rund 60 Jahre Altbau in St. Vitus wurde kernsaniert und es entstand auf dem Gelände zusätzlich ein Neubau. In dem Neubau ist seitdem der Werkstattkindergarten, die „Wichtelwerkstatt“, untergebracht. In die wechseln die Mädchen und Jungen, wenn sie älter als vier werden.

Altershomogenes Konzept

Sie finden dort etliche Angebote, an denen sie sich an der Erwachsenenwelt ausprobieren können. So gibt es eine komplette Küchenzeile in Kinderhöhe. Eine Werkbank steht ebenso ständig zur Verfügung wie unterschiedlichste Materialien. Wie beispielsweise Wasserfarben. Vorher haben sie die unterschiedlichen Altersgruppen im Altbau durchlaufen. „Wir arbeiten hier altershomogen.“ Das bedeutet, die Kinder sind in drei Altersgruppen eingeteilt. „So können wir die Herausforderungen besser dem jeweiligen Alter anpassen.“ Man habe sich für dieses Konzept nach reichlicher Überlegung und externer Beratung entschieden.

Sozialerfahrung in der Bewegungsbaustelle

Eines der Angebote in der Wichtelwerkstatt mag Lucia Heisterkamp ganz besonders. Die „Bewegungsbaustelle“, den mit allerlei veränderbaren Geräten bestückten Turnbereich. „Es ist neben der Bewegung nicht zu unterschätzen, wie dort Sozialerfahrung gesammelt, Eigenständigkeit und Rücksichtnahme geübt wird. Vor allem mag ich sie aber, weil man dort so viele lachende und fröhliche Kinder sieht.“

Heute hat sie von Amts wegen die letzte Gelegenheit dazu. Ab morgen freut sich Lucia Heisterkamp auf ein Hobby, dem sie aus Zeitmangel lange nicht frönen konnte: der Ölmalerei.

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