Am Weseker Weg zwischen Südlohn und Weseke sind noch Reste der Bahnlinie von Ahaus nach Borken zu erkennen. Eine Studie zur Machbarkeit soll jetzt aufgelegt werden. © Markus Gehring

Mit der Bahn von Südlohn nach Ahaus – Chance oder Luftschloss?

Chance oder Luftschloss? An der Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnlinie Borken-Ahaus schieden sich die Geister im Umweltausschuss. Die knappe Mehrheit stimmte für die Studie.

Die anderen Kommunen hatten sich schon dafür ausgesprochen, nun beschäftigte sich der zuständige Fachausschuss der Gemeinde Südlohn mit der Machbarkeitsstudie zu einer Reaktivierung der Bahnstrecke, die von Borken über Südlohn und Stadtlohn nach Ahaus führte – und umgekehrt. Die Meinungen zur Machbarkeitsstudie waren sehr unterschiedlich.

Bürgermeister Werner Stödtke warb in der Sitzung für ein „Ja“ aus Südlohn zur Machbarkeitsstudie. „Ich bin der Überzeugung, dass man das mittragen sollte.“ Es gehe darum, die Szenarien zu prüfen. Mit Blick auf Mobilität und Klimaschutz sei eine Bahnstrecke „eine Alternative zum Individualverkehr“, so der Bürgermeister. Gleichwohl betonte er, dass es hier um ein Projekt auf lange Sicht gehe.

Zurück blickte erst einmal Dr. Joachim Musholt: auf die Zeit, als der Schienenverkehr eingestellt wurde. „Da gab es wenige, die gesagt haben, die Strecke muss bleiben. Da haben wir einen Fehler gemacht“, nahm er die Politik mit in die Pflicht. Grundstücke seien „für drei Mark verkauft worden, die müssten wir für teuer Geld wiederkaufen“, warf er dann doch einen Blick weit voraus.

CDU: „Die Bahn ist ein Teil der Mobilität der Zukunft“

Jörg Eggink (CDU) signalisierte für seine Fraktion eine ähnliche Sicht auf die Dinge: „Wir dürfen hier nicht kurzfristig denken. Die Bahn ist ein Teil der Mobilität der Zukunft.“

Ganz anders die Haltung in WSO und UWG: „Mir fehlt die Vorstellungskraft“, kommentierte Leo Schrote trocken, „und wir erkennen den Sinn nicht. Das Geld für die Studie könnte man besser anders investieren.“ Die WSO sei dagegen.

Argumente, dass die Gemeinden nicht direkt für die Studie zahlen müsse, konterte Dieter Valtwies (UWG): „Über den Zweckverband Verkehr zahlen wir das alles mit.“

Mit der Bahn von Südlohn nach Ahaus – Chance oder Luftschloss?

Ansonsten sehe die UWG das Thema ähnlich wie die WSO: „Sinnig wäre es, das Geld jetzt da zu investieren, wo der Bürger in zwei, drei Jahren was von hat.“ In Südlohn seien im Übrigen die Flächen der ehemaligen Bahntrasse überbaut – „für mich ist das ein Luftschloss“, äußerte er sich deutlich zur Studie.

„Die Studie kann auch zum Ergebnis kommen: nicht realisierbar“, konterte Bürgermeister Werner Stödtke. Er persönlich glaube auch nicht, dass man über 30, 35 Jahre denken müsse, „das geht schneller“. Was die überbauten Grundstücke in Südlohn angehe, stellte Stödtke klar: „Das würde eine komplett andere Trasse werden.“

Aber: Auch weil Südlohn „mittendrin liegt“ in dieser Linie, appellierte er dringend an die Ausschussmitglieder, für die Machbarkeitsstudie zu stimmen.

Jörg Eggink fasste es am Ende zusammen: „Wir haben hier ganz viele Fragen. Eine Studie kann die Antwort geben. Fundiert.“ Mit den Stimmen von CDU und SPD stimmte die Ausschussmehrheit dann für die Machbarkeitsstudie.

Hier ist die Trasse noch zu erkennen – oft wurden aber die Grundstücke an und auf der ehemaligen Bahnlinie verkauft und bebaut.
Hier ist die Trasse noch zu erkennen – oft wurden aber die Grundstücke an und auf der ehemaligen Bahnlinie verkauft und bebaut. © Markus Gehring © Markus Gehring

Zum Hintergrund: Ahaus, Stadtlohn, Südlohn und Borken liegen auf einer circa 32 Kilometer langen Linie und vereinen insgesamt rund 112.000 Einwohner. Zwischen den Kommunen verlief eine Bahnstrecke der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE), die 1975 stillgelegt wurde. Die gesamte Schienenstrecke ist zurückgebaut worden, wenngleich teilweise die Trasse noch vorhanden ist. Oft wurde sie zu Radwegen umgebaut.

Borken und Ahaus haben noch Bahnhöfe mit Anbindungen

Die Städte Ahaus und Borken sind ihrerseits gut an bestehende, regional genutzte Eisenbahnstrecken angebunden. Vom Bahnhof Ahaus fahren Züge nach Gronau, Enschede, Coesfeld und Dortmund. Vom Bahnhof Borken gibt es Verbindungen des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) nach Dorsten und Essen. Von den Bahnhöfen Enschede, Dortmund und Essen bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr.

Eine direkte Verbindung der zuvor genannten Städte und Gemeinden über eine Eisenbahnstrecke, so hieß es in der Sitzungsvorlage über die Machbarkeitsstudie, könne die Reisezeiten verringern, die Verbindungsattraktivität verbessern und damit die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beziehungsweise Bahnverkehr insgesamt erhöhen.

Zusätzliche Fahrgastpotenziale könnten aus den Angebotsverbesserungen bei der Anbindung der Städte Ahaus und Borken durch eine S-Bahn Münsterland gewonnen werden, die sich derzeit in Planung befindet. So sollen insbesondere die Verbindungen nach Münster und Enschede, aber auch nach Essen ausgebaut werden.

Zweckverbandsversammlung muss der Studie noch zustimmen

Nachdem nun alle Kommunen zugestimmt haben, muss der Zweckverband Mobilität Münsterland (ZVM) in seiner Verbandsversammlung beschließen, den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie zu beauftragen und die Kosten der Studie aus dem Teilraumkonto des ZVM zu finanzieren.

Die Kosten für die Machbarkeitsstudie werden zunächst–nach entsprechender Beschlussfassung der Verbandsversammlung –vom Zweckverband Mobilität Münsterland übernommen. Sollte sich bei der Untersuchung ein Nutzen-Kosten-Faktor von über 1 ergeben, würde der übergeordnete Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) dem ZVM die Kosten erstatten. Somit kann davon ausgegangen werden, dass weder die oben genannten Städte und Gemeinden noch der Kreis Borken für die Machbarkeitsstudie eigene Mittel einbringen müssen.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Hat besondere Freude daran, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken
Zur Autorenseite
Anne Winter-Weckenbrock