Früh am Morgen in Cala Rajada: Michael Hoeper hat mit seinem Lkw die fast 2000 Kilometer lange Anfahrt hinter sich gebracht. Auf der Ladefläche: Palettenweise Hilfsgüter für die Menschen vor Ort, die durch den weggebrochenen Tourismus in Not geraten sind. © Anke Köhler / CCC Real Estate
Hilfstransport

Michael Hoeper startet Hilfstransport gegen Coronafolgen – auf Mallorca

4000 Kilometer ist der Oedinger Spediteur Michael Hoeper im Lkw gefahren, um in der Coronakrise zu helfen. Die Hilfsgütern hat er in eine Urlaubshochburg gebracht: nach Cala Ratjada auf Mallorca.

Cala Ratjada, ein Name der für Sommer, Sonne, Strand, Meer, Clubs und Sommerurlaub steht. Doch was passiert mit einer Region, die auf den Tourismus angewiesen ist, wenn Tourismus monatelang nicht stattfindet? Michael Hoeper, Spediteur aus Oeding, ist gerade von einem Hilfstransport in die Ferienregion zurückgekehrt. Fast 4000 Kilometer hat er in der vergangenen Woche dafür zurückgelegt.

Insgesamt 36 Paletten mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern hat Michael Hoeper nach Mallorca gefahren.
Insgesamt 36 Paletten mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern hat Michael Hoeper nach Mallorca gefahren. © Anke Köhler / CCC Real Estate © Anke Köhler / CCC Real Estate

Immer wieder habe er sich mit Freunden und Bekannten in der Region in den vergangenen Monaten ausgetauscht. Erst nach zigfachem Nachhaken hätten die eingeräumt, dass neben der Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus auch ganz existenzielle Nöte dazukämen: „Die Menschen dort haben schlicht und ergreifend keine Arbeit“, sagt er.

Die Arbeitslosigkeit sei auf 90 Prozent gestiegen. „Viele haben kein Geld, um sich mit ganz alltäglichen Dingen zu versorgen“, sagt er. Auch die soziale Absicherung funktioniere in Spanien längst nicht so gut wie in Deutschland. Die Sozialhilfe etwa decke nicht einmal die Kosten für die Miete auf Mallorca.

36 Paletten Hilfsgüter kommen auf Mallorca an

Michael Hoeper wollte helfen – und sprach seine Kunden an. Binnen kürzester Zeit hatte er eine Lkw-Ladung zusammen: Insgesamt 36 Paletten im Warenwert von rund 100.000 Euro: Unter anderem Konserven, Kartoffeln, Eier, Äpfel, Wurst, Kaffee, Matratzen, Decken, Hygieneartikel und Winterkleidung stapelten sich erst an der Oedinger Firmenzentrale, wurden verladen und dann vom Geschäftsführer der Spedition Hoeper persönlich nach Mallorca gefahren.

„Montagabend bin ich losgefahren, am frühen Sonntagmorgen war ich wieder in Oeding“, sagt der 50-Jährige. Auch für ihn persönlich ein ziemlicher Gewalttrip: „Ich wüsste nicht, dass ich in den vergangenen zehn Jahren so viel gefahren bin wie in dieser Woche“, erklärt er. Doch das ist für ihn nur eine Randnotiz.

Nicht nur auf Mallorca feiern sondern helfen

Eins sei ihm wichtig: „Ich wollte zeigen, dass wir nicht nur gerne zum Feiern nach Mallorca fahren, sondern auch helfen können“, erklärt er. Insgesamt habe ihn die Fahrt und der Kontakt mit den Menschen vor Ort sehr berührt. „Ich bin sehr demütig zurück gekommen“, sagt er.

Die Dankbarkeit aber auch die große Not in dem Ferienort habe ihn erschüttert. „Der Ort ist praktisch tot“, sagt er. Da träten eigene Probleme in den Hintergrund. „Wir können ja hier noch arbeiten“, sagt er. Das wollten auch die Mallorquiner. „Aber bis die wieder die gewohnten Umsätze machen können, vergehen doch noch Monate“, schätzt er.

Davon unabhängig wolle er auch wieder zu einem Hilfstransport starten. „Wenn wir die Mengen zusammenbekommen“, sagt er. „Die Not dort ist noch nicht vorbei.“ Gleichzeitig wirbt er darum, zu spenden. Und: „Wenn Reisen wieder möglich ist, sollte jeder dorthin. Das ist die beste Hilfe“, sagt er. Natürlich gebe es auch in anderen Orten ähnliche Zustände. Und natürlich müsste auch dort geholfen werden. „Aber ich habe nun mal dorthin eine Verbindung, kenne die Menschen vor Ort. Deswegen habe ich da angefangen“, sagt er.

Unternehmen, Rotes Kreuz und Verwaltung arbeiten zusammen

Neben mehreren Unternehmen aus Cala Rajada waren auch der dortige soziale Dienst des Rathauses von Capdepera und das Rote Kreuz in die Aktion eingeschaltet. So soll dafür gesorgt werden, dass die Hilfsgüter dort angekommen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.

Noch halte er sich zurück, um Sachspenden zu bitten. „Da können wir noch nicht genau sagen, was tatsächlich gebraucht wird“, sagt Michael Hoeper. Stattdessen wirbt er um Geldspenden an verschiedene Organisationen – etwa den Verein Hope Mallorca.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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