Marie-Luise Enings Gartentraum zwischen Gemüsebeet und Strandkorb

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Ein Gemüsebeet gehörte für die Südlohnerin Marie-Luise Ening schon als kleines Kind fest zu ihrem Traumgarten. Heute stammt das meiste Gemüse in ihrer Küche aus dem eigenen Garten.

Südlohn

, 21.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Marie-Luise Ening frisches Gemüse braucht, muss sie nur in ihren Garten gehen. Denn dort wächst wirklich eine Menge: Kartoffeln, Ruccola, Kohlrabi, Radieschen, Eisbergsalat, Amaranth, Knollensellerie, Rote Beete, Böhnchen, Grün- und Rosenkohl, Parika und Chili, Tomaten, Möhren, Zwiebeln und diverse Kräuter. Und alles landet irgendwann im Kochtopf.

Blicke in den Garten werfen

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Bis vergangenen Januar beispielsweise gab es bei den Enings an der Goethestraße Kartoffeln ausschließlich aus dem eigenen Garten. „Manchmal habe ich beim Einkaufen schon Bedenken was die Leute von mir sagen, weil ich so selten Gemüse kaufe“, sagt sie lachend. Dazu kommen noch drei Apfel und ein Birnenbaum, Erdbeeren, Stachel- und Himbeeren. „Eben ein typischer Bauerngarten“, fasst die stolze Gärtnerin zusammen.

Mutter brachte ihr die Liebe zum Gemüsegarten bei

Die Liebe zum Gemüsegarten hat sie von ihrer Mutter geerbt. „Meine Mutter hat da früher sehr viel Wert darauf gelegt“, erinnert sich die 67-Jährige. Auf über 1000 Quadratmeter habe die damals eigenes Gemüse gezogen.

Marie-Luise Ening (67) hat in ihrem Garten ihren Traum verwirklicht und ist stolz darauf. "Das ist so etwas wie unser grünes Kind", sagt sie. Deswegen zeige sie den Garten auch gerne. Wenn man etwas teilen könne, sei es ja noch einmal so schön.

Marie-Luise Ening (67) hat in ihrem Garten ihren Traum verwirklicht und ist stolz darauf. "Das ist so etwas wie unser grünes Kind", sagt sie. Deswegen zeige sie den Garten auch gerne. Wenn man etwas teilen könne, sei es ja noch einmal so schön. © Stephan Teine

Doch ihr Garten ist viel mehr als nur das große Gemüsebeet. Auf 1300 Quadratmetern Grundstück hat Marie-Luise Ening zusammen mit ihrem Mann Josef ihren Traum von einem Garten verwirklicht.

Nicht endende Pfade durchziehen den Garten

Verschlungene Pfade führen zu unzähligen schattigen Sitzecken. Der Garten ist unterteilt in mehrere Bereiche. Da gibt es beispielsweise den Senkgarten, eine asiatische Pagode, eine Nordsee-Ecke samt Strandkorb oder die Sitzgruppe unter den alten Linden. „Die standen damals schon hier, als wir das Grundstück gekauft haben“, sagt Marie-Luise Ening.

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Ehepaar Ening erfüllt sich Gartentraum mit Gemüsebeet und vielen Sitzecken

Gemüsegarten oder paradiesischer Rückzugsort? Der Garten von Marie-Luise und Josef Ening ist beides. An der Goethestraße in Südlohn haben sie sich ihren Traum vom Garten verwirklicht.
21.06.2020
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Marie-Luise Ening (67) hat in ihrem Garten ihren Traum verwirklicht und ist stolz darauf. "Das ist so etwas wie unser grünes Kind", sagt sie. Deswegen zeige sie den Garten auch gerne. Wenn man etwas teilen könne, sei es ja noch einmal so schön.© Stephan Teine
Wie seit einigen Jahren hat sich das Ehepaar Ening auch 2020 an der Aktion "Offene Gärten in Westfalen" beteiligt. Die Resonanz war trotz oder gerade wegen der Coronakrise groß. © Stephan Teine
Der Strandkorb in der Ecke des Gartens ist Marie-Luise Enings ganz besonderer LIeblingsplatz. "Ich bin ein großer Nordsee-Fan", gibt sie zu. Außerdem könne sie dort schon im Februar geschützt in der Sonne sitzen.© Stephan Teine
Viele Schmiedearbeiten im Garten hat Josef Ening selbst geschaffen. Er ist gelernter Schmied und für die gröberen Arbeiten im Garten zuständig. Das Kommando führt dabei seine Frau. Marie-Luise Ening ist die Chef-Gärtnerin. © Stephan Teine
Ranken und viele Wege bestimmen das Bild im Garten der Enings – wie hier der Weg entlang der Gemüsebeete.© Stephan Teine
Für Vögel und Insekten ist der Garten an der Goethestraße ein echtes El Dorado: Zusätzlich zum üppigen Nahrungsangebot ist auch für ausreichend Unterkunft gesorgt. © Stephan Teine
Die verwunschene Ruine hat ein Bekannter dem Ehepaar aus alten Backsteinen in den Garten gebaut. Dahinter verschwinden unauffällig einige Gartengeräte und die großen Komposter.© Stephan Teine
Viele Schiefertäfelchen mit Sprüchen wie diesem aus Persien hat Marie-Luise Ening in ihrem Garten verteilt.© Stephan Teine
Überall im Garten sind Tische und Stühle oder Bänke verteilt. "Im Sitzen wirkt so ein Garten noch einmal ganz anders", erklärt Marie-Luise Ening. © Stephan Teine
Der Garten ist in einzelne Bereiche und Ebenen unterteilt. So wie dieser Senkgarten, der sich an die Hauswand schmiegt.© Stephan Teine
Das Gemüsebeet ist Dreh- und Angelpunkt des ganzen Gartens. Einen Großteil des Gemüsebedarfs für die eigene Küche kann die 67-Jährige aus dem eigenen Garten decken.© Stephan Teine
Eine asiatisch gestaltete Pagode – mit einer weiteren Sitzecke – steht direkt neben dem Haus.© Stephan Teine
Kleine Skulpturen, bunte Blumen, verschlungene Wege – im Garten des Ehepaars Ening steckt viel Herzblut und Liebe zum Detail. © Stephan Teine
Kleine Skulpturen, bunte Blumen, verschlungene Wege – im Garten des Ehepaars Ening steckt viel Herzblut und Liebe zum Detail. © Stephan Teine
Viele Schmiedearbeiten im Garten hat Josef Ening selbst geschaffen. Er ist gelernter Schmied und für die gröberen Arbeiten im Garten zuständig. Das Kommando führt dabei seine Frau. Marie-Luise Ening ist die Chef-Gärtnerin. © Stephan Teine
Kleine Skulpturen, bunte Blumen, verschlungene Wege – im Garten des Ehepaars Ening steckt viel Herzblut und Liebe zum Detail. © Stephan Teine
Das Gemüsebeet ist Dreh- und Angelpunkt des ganzen Gartens. Einen Großteil des Gemüsebedarfs für die eigene Küche kann die 67-Jährige aus dem eigenen Garten decken.© Stephan Teine
Die verwunschene Ruine hat ein Bekannter dem Ehepaar aus alten Backsteinen in den Garten gebaut. Dahinter verschwinden unauffällig einige Gartengeräte und die großen Komposter.© Stephan Teine
Manche Ideen kommen ihr auch spontan: So wie diese ausgedienten Winterstiefel, die kurzerhand zum Blumentopf umgenutzt wurden.© Stephan Teine
Früher liefen die Gleise der WLE direkt hinter dem Garten der Familie entlang. Eine alte Streckenlaterne und ein Stück altes Gleis erinnern heute noch daran.© Stephan Teine

1976 hat das Paar das Grundstück gekauft. Damals verliefen direkt hinter der Gartenhecke noch die Gleise der Westfälisch-Lippischen Eisenbahn (WLE). Als die Strecke in den 1980er-Jahren endgültig stillgelegt wurde, einigten sich die Enings mit ihren Nachbarn: Jede Partei kaufte vier Meter des alten Bahndamms. Die Hecke wurde versetzt, auch das Gemüsebeet bekam einen neuen Platz. Ein Bekannter des Paars baute eine kleine verwunschene Ruine in den Garten. Dahinter verschwinden heute die großen Komposter. Ein Stück Eisenbahngleis und eine alte Streckenlaterne erinnern noch an den alten Bahndamm.

Ständiger Wandel zwischen den Beeten

Auch sonst ist der Garten ständig im Wandel. Früher einmal erstreckte sich die Rasenfläche rund um das Haus. „Das war für unsere vier Kinder der schönste Spielplatz“, sagt Marie-Luise Ening. Dann zogen die Kinder aus und der Garten bekam nach und nach seine heutige Form. Heute spielen die Enkelkinder zwischen Büschen und Beeten.

„Ohne meinen Mann, wäre das natürlich alles nicht möglich gewesen“, sagt sie. Der winkt bescheiden ab. Doch Marie-Luise Ening bleibt dabei: „Man braucht einfach einen Mann, der mit Werkzeug umgehen kann“, sagt sie. Josef Ening, gelernter Schmied, hat so beispielsweise sämtliche Metallarbeiten im Garten geschaffen. Überall in den Beeten verstecken sich kleinere oder größere Skultpuren. Doch im Garten spielt er dennoch nur die untergeordnete Rolle: „In England würde man zu mir Under-Gardener sagen. Meine Frau wäre der Head-Gardener“, erklärt Josef Ening und lächelt dabei verschmitzt.

Ideen für neue Projekte kommen ganz oft spontan

Seine Frau hat den Plan, er ist ausführende Kraft. Dabei kann es schonmal sehr spontan zugehen: „Manchmal träume ich von einer neuen Idee und verrate sie ihm am Morgen“, erklärt Marie-Luise Ening. Ihr Mann atme dann nur laut aus und mache sich ans Werk. Oft entwickle sich eine neue Idee auch über Tag: „Ich kann ja morgens noch nicht wissen, was ich abends denke“, sagt sie. Anregungen holt sie sich bei Gartenreisen, in anderen Gärten oder auch unterwegs.

Früher liefen die Gleise der WLE direkt hinter dem Garten der Familie entlang. Eine alte Streckenlaterne und ein Stück altes Gleis erinnern heute noch daran.

Früher liefen die Gleise der WLE direkt hinter dem Garten der Familie entlang. Eine alte Streckenlaterne und ein Stück altes Gleis erinnern heute noch daran. © Stephan Teine

Eine grobe Vorstellung von ihrem Garten hatte sie allerdings schon als kleines Mädchen. „Ich wollte immer einen so schönen Garten haben wie meine Tante“, sagt sie. Mit 16 habe sie sich dann ein Buch gekauft. „Im Garten zuhause“ hieß es. Und das sei dann über die Jahre ihr Motto gewesen.

Viel Freizeit vergeht im Garten

Einen so großen und liebevoll gepflegten Garten in Schuss zu halten, kostet natürlich Zeit. „Die meiste Freizeit, die wir haben, verbringen wir hier im Garten“, sagt Marie-Luise Ening. Ihr Mann nickt. Doch es kommt ihnen nicht wie Arbeit vor: „Das ist pure Erholung“, sagt sie. Und auch dabei gibt ihr Mann ihr – ohne zu Murren – Recht.

Nur vor den Tagen der offenen Gartenpforte – wie jetzt am Wochenende – wird es mal etwas stressiger: „Das ist dann stressige Freude“, sagt Marie-Luise Ening und springt vom Tisch auf: Neue Gäste sind durch die Gartenpforte getreten. Und die müssen erst einmal begrüßt werden.

Besichtigungen sind noch möglich

  • Der Garten von Familie Ening ist am Sonntag, 21. Juni, noch von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwei Euro, das Geld wird zugunsten der SOS-Kinderdörfer gespendet.
  • Weitere Besichtigungen können unter Tel. (02862) 7826 vereinbart werden.

Die lassen sich in diesem Jahr auch von der Coronakrise nicht verschrecken. „Es findet ja nichts statt, die Leute sind doch froh, mal wieder vor die Tür zu kommen“, erklärt Marie-Luise Ening. Natürlich habe sie sich mit einem Hygienekonzept vorbereitet: Nur eine begrenzte Besucherzahl darf gleichzeitig in den Garten. Jeder muss sich am Eingang die Hände desinfizieren. Auch auf Bewirtung verzichtet die Gärtnerin in diesem Jahr: „Sonst gab es bei mir immer Kaffee und Kuchen“, erzählt sie. Das müsse in diesem Jahr eben ohne gehen.

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