Die Nachbarschaft Venne-Buurn organisierte für das Brautpaar Bernhard und Sonja Icking eine echte Bauernhochzeit. Dazu gehört im klassischen Sinne auch der Schlepper-Konvoi von der Kirche zurück zum Hof. Mit dem Brautpaar vorneweg. © privat
Hof Icking

Löchte, Notnachbar, Schlepper-Konvoi: Venne-Buurn feiern echte Bauernhochzeit

Bernhard und Sonja Icking aus Südlohn haben den Bund fürs Leben geschlossen. Für die besondere Atmosphäre einer echten Bauernhochzeit sorgten vor allem Nachbarn und Familie. Ein Überblick.

Bei einer Bauernhochzeit wird einen Monat lang „gefeiert“, gerade die Nachbarn sind gefordert. Sebastian Picker von der Nachbarschaft Venne-Buurn, seines Zeichens „Notnachbar“, zeichnet die Chronologie der Bauernhochzeit auf dem Hofe Icking einmal nach.

Strohpuppen aufbauen: Drei Wochen vor der Hochzeit rücken die beiden Familien des Brautpaares an, um zwei Strohpuppen aufzubauen, die das Brautpaar symbolisieren. „Viel Herzblut und Fingerspitzengefühl sind hierbei gefragt“, so Sebastian Picker. Die passende Beleuchtung sorgt dafür, dass sogar in der Nacht von weitem gesehen werden kann, dass ein wichtiges Fest auf dem Hof ansteht.

Schon früh kündigen die Strohpuppen das große Fest an.
Schon früh kündigen die Strohpuppen das große Fest an. © privat © privat

Gratulieren: Das traditionelle Gratulieren steht 14 Tage vor den Feierlichkeiten an. Das Gratulieren bietet allen Bekannten, Freunden und Arbeitskollegen der beiden die Möglichkeit, dem Brautpaar Glückwünsche auszusprechen.

Der Tag startet am Nachmittag mit einem Kaffeetrinken für die älteren Teilnehmer aus Nachbarschaft, Hook und Familie, abends kommen die jüngeren Generationen hinzu. „Das Fest hat immer einen gemütlichen Charakter, einfach und unkompliziert soll es sein“, erklärt Sebastian Picker.

Der Kranz wird meist auf dem Hof des Notnachbarn ausgemessen.
Der Kranz wird meist auf dem Hof des Notnachbarn ausgemessen. © privat © privat

Kranz ausmessen: Die heiße Phase beginnt. Jetzt kommen die Nachbarn des Brautpaares ins Spiel. Die Nachbarn des Hofes Icking übernehmen die Aufgabe des Schmückens des Festzeltes und des Wohnhauses mit prächtigen Kränzen und einem Meer aus selbstgemachten weißen Rosen. Um hier die richtige Länge des Kranzes zu ermitteln, wird in geselliger Runde das Maßband geschwungen. „Gelegentlich werden hier sogar schon einmal Probekränze und Röschen gemacht“, weiß Sebastian Picker.

Dieser Part ist den Männern vorbehalten: Das Grün wird aufgeholt. Dies gerne mit einem kleinen Abstecher zum Brautpaar. Aus gutem Grund.
Dieser Part ist den Männern vorbehalten: Das Grün wird aufgeholt. Dies gerne mit einem kleinen Abstecher zum Brautpaar. Aus gutem Grund. © privat © privat

Grün holen, Kranz binden und Röschen machen: Dies ist der für die Nachbarn vermutlich anstrengendste Teil. Wenige Tage vor der Hochzeit geht es los. Der Schlepper wird zurechtgestellt und die Säge geschärft. Die Nachbar-Männer fahren los, um das Grün für die beiden Kränze zu holen. Natürlich führt der Weg als erstes zum Brautpaar. Dort fordern sie meist eine Löchte (Lampe) ein, um bei plötzlichem Sonnenuntergang auf jeden Fall den Weg nach Hause wieder zu finden. „In Wirklichkeit sind sie meist zufrieden, wenn sie etwas ‚Verpflegung‘ für unterwegs mit auf den Weg bekommen“, erklärt Sebastian Picker.

Das Kranzausmessen hat ergeben: Rund 1000 Röschen müssen angefertigt werden.
Das Kranzausmessen hat ergeben: Rund 1000 Röschen müssen angefertigt werden. © privat © privat

Nach der Beschaffung des Grüns wird dann beim „Notnachbarn“ in mühsamer Handarbeit das Grün in gleichmäßige Stücke geschnitten, um diese dann in einen Kranz zu wickeln. Parallel kümmern sich die Frauen um die Röschen. Fast 1000 Röschen werden gebraucht, so lautet das Ergebnis des Kranzausmessens. Nach getaner Arbeit wird das Brautpaar geholt, welches dann das Ergebnis der anstrengenden Stunden abnimmt.

„Häufig wird hier dann ein Spaßkranz präsentiert, welcher noch nicht den Wünschen des Brautpaares entspricht. Der Moment, bei dem die richtigen Kränze vorgezeigt werden, ist dann nochmal umso schöner“, betont der Notnachbar.

In echter Feinarbeit wird der Kranz gebunden.
In echter Feinarbeit wird der Kranz gebunden. © privat © privat

Schmücken: Zwei Tage vor der Hochzeit wird geschmückt. Die Kränze werden an Haustür und Zelt angebracht und die Rosen fixiert. Nachdem alles schick und prächtig blüht, wird das Brautpaar zum Begutachten aus dem Haus geholt. Die Arbeit hat sich gelohnt. Braut und Bräutigam sind glücklich. Auch die Familie, die im Hintergrund viel getan hat, ist da. Nach leckerem Essen und schönen Gesprächen geht’s langsam nach Hause.

Die Frauen schmücken Zelt wie Wohnhaus des Brautpaars.
Die Frauen schmücken Zelt wie Wohnhaus des Brautpaars. © privat © privat

Hochzeitstag: Am frühen Morgen des Hochzeitstages rücken die Nachbarn an, um das Brautpaar zu wecken. Damit gehen sie auf Nummer sicher, dass das Brautpaar seinen großen Tag nicht verschläft. Es folgt eine kurze Stärkung mit Kaffee und Brötchen. Jetzt beginnt der Tag für das Brautpaar. Braut und Bräutigam bereiten sich natürlich getrennt voneinander vor.

Der große Moment kommt: Sie sehen sich zum ersten Mal, kurz bevor sie sich das Ja-Wort in der Kirche geben. Nach einigen Fotos wird das Brautpaar dann in einem Konvoi von Autos der Nachbarn zur Kirche gefahren. Der Chauffeur des Brautpaares ist der Notnachbar, Sebastian Picker. Nach einem feierlichen Gottesdienst geht’s dann zur Gratulation und Geschenkübergabe wieder zum Hof des Brautpaares.

Vieles läuft im Hintergrund: Das Brautpaar soll am Tag der Hochzeit überrascht werden.
Vieles läuft im Hintergrund: Das Brautpaar soll am Tag der Hochzeit überrascht werden. © privat © privat

Diesmal aber nicht mit dem Auto, sondern mit einem Konvoi aus Schleppern. Ganz vorneweg das Brautpaar auf einem weißen Sofa. In Schrittgeschwindigkeit wird hier die Aussicht genossen – bis auf einmal ein Seil quer über die Straße gehalten wird. Es geht nicht mehr weiter. „Die Nachbarn schon wieder“, schmunzelt Sebastian Picker. Nach netten Worten und dem ein oder anderen Schnaps gewähren diese dann die Weiterfahrt. Nach einem schönen Sektempfang auf dem Hof geht es dann zum Essen und zur Feier in das Festzelt.

Geselligkeit in der Gruppe: Eine Bauernhochzeit schweißt zusammen, davon ist Notnachbar Sebastian Picker überzeugt.
Geselligkeit in der Gruppe: Eine Bauernhochzeit schweißt zusammen, davon ist Notnachbar Sebastian Picker überzeugt. © privat © privat

2. Hochzeitstag: Am nächsten Tag geht es weiter. Am Nachmittag kommen Familie und Nachbarn wieder, um den vorherigen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. „Hier kommt es dann ganz gelegen, dass das Fass mit Bier am Abend noch nicht leer geworden ist“, sagt Sebastian Picker und lacht.

Abschmücken: Wenn die Feiertage dann nach einigen Tagen wieder aus den Knochen sind, rücken die Nachbarn ein letztes Mal an, um die Kränze wieder abzunehmen. Das gesellige Fest schweiße nicht nur die Hochzeitsgesellschaft näher zusammen, sondern erfreue viele Mitmenschen, die am Hof vorbeigefahren sind, angehalten und Bilder gemacht haben.

„Vielleicht motiviert es auch andere Nachbarschaften oder Gesellschaften dazu, sich zusammenzufinden und schöne Abende oder Tage zu verbringen“, hofft Sebastian Picker. Abgeschmückt wird übrigens am Hof an der ehemaligen Baumwollstraße Richtung Vreden an diesem Freitagabend.

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