Landwirte brauchen mehr Geld aus jedem Liter Milch, um zu überleben

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Der Milchpreis ist im Keller. 40 Cent müsste jeder Milchviehhalter pro Liter bekommen, um langfristig wirtschaften zu können. Bettina Hueske (28) aus Südlohn will sich dafür stark machen.

Südlohn

, 22.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Milchbauern brauchen mehr Geld: Rund 35,4 Cent pro Kilogramm Milch haben Landwirte im Februar bekommen. Zwischenzeitlich rutschte der Milchpreis sogar auf 25,3 Cent ab. Im Mai lag er in Westfalen-Lippe wieder bei 32,4 Cent. Um auskömmlich wirtschaften zu können, müssten es rund 40 Cent sein.

Hubertus Beringmeier, Präsident des Westälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, warb am Montag auf dem Hof Hueske für weniger strenge Auflagen und eine Preispolitik im Einzelhandel, die den Landwirten ein Überleben ermöglicht.

Hubertus Beringmeier, Präsident des Westälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, warb am Montag auf dem Hof Hueske für weniger strenge Auflagen und eine Preispolitik im Einzelhandel, die den Landwirten ein Überleben ermöglicht. © Stephan Teine

Am Montagmorgen haben sich auf dem Milchviehbetrieb Hueske in Südlohn Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, sein Stellvertreter Wilhelm Brüggemeier und die Südlohner Milchviehhalterin Bettina Hueske mit weiteren Vertretern des Verbands getroffen.

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Milchbauern brauchen mehr Geld aus jeden Liter Milch

Ihre klare Forderung: weniger strenge Vorgaben aus der Politik und eine bessere Preispolitik des Einzelhandels – zugunsten der Landwirte.

Große Investition in neuen Stall muss sich rentieren

Familie Hueske hat auf ihrem Hof im Eschlohn 2015 in einen neuen Stall investiert. Einen hohen sechsstelligen Betrag. 130 Milchkühe und 80 Jungtiere halten sie dort. Bei der Arbeit werden sie von moderner Technik, beispielsweise Melkrobotern, unterstützt. „So eine Investition muss sich natürlich erst einmal wieder hereingeholt werden“, machte Hubertus Beringmeier deutlich.

Gerade für junge Landwirte am Anfang ihres Berufslebens sei die Planungssicherheit deswegen enorm wichtig. Die Forderungen, die der Einzelhandel an die Milch stelle, müssten sich auch im Preis niederschlagen. „Die Investitionen müssen sich natürlich für die Landwirte rechnen. Wenn mehr für das Tierwohl getan werden soll, muss sich das im Preis bemerkbar machen“, erklärte er. Wenn die Landwirte am Ende von ihrer Arbeit nicht mehr leben könnten, würden weitere Höfe verschwinden.

130 Milchkühe und 80 Jungtiere hält Familie Hueske auf ihrem Hof im Eschlohn. Die Familie würde gerne noch mehr ins Tierwohl investieren, ist dafür aber auf einen besseren Milchpreis angewiesen.

130 Milchkühe und 80 Jungtiere hält Familie Hueske auf ihrem Hof im Eschlohn. Die Familie würde gerne noch mehr ins Tierwohl investieren, ist dafür aber auf einen besseren Milchpreis angewiesen. © Stephan Teine

„Wir würden gerne weiter in Tierwohl investieren“, sagt Bettina Hueske. Auch aus eigenem Interesse: Schließlich liefere nur eine gesundes Tier eine gute Leistung. Momentan seien die Mittel dafür aber schlicht nicht aufzubringen.

Strenge Vorgaben wie in der chemischen Industrie

Politisch dürften beispielsweise einige Anforderung an Milchviehbetriebe nicht so streng sein, forderte der WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. Es könne nicht sein, dass Fahrsiloanlagen oder Güllelager ähnlich strengen Vorschriften unterliegen, wie Anlagen aus der chemischen Industrie oder der Petrochemie. Auch würden diese Anforderungen nur in Deutschland gelten. „Ein ganz klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern wie Polen, den Niederlanden, Frankreich oder Irland. Von dort würde Milch importiert, wenn sie von deutschen Landwirten nicht zu den geforderten Preisen angeboten werden können.

Einzelhandel

Knapp 33 Cent bleiben im Moment für die Landwirte pro Liter Milch übrig. Zu wenig, um langfristig wirtschaften zu können. Bettina Hueske will für bessere Milchpreise kämpfen.

Knapp 33 Cent bleiben im Moment für die Landwirte pro Liter Milch übrig. Zu wenig, um langfristig wirtschaften zu können. Bettina Hueske will für bessere Milchpreise kämpfen. © Stephan Teine

Die Politik sei dabei aber nicht der einzige Ansprechpartner. Auch der Einzelhandel sei in der Pflicht: „Vor zehn Jahren gab es noch über 1000 Milchviehbetriebe im Kreis Borken“, sagte Gerold Böggering, Sprecher der Milchviehhalter im Kreis Borken. Aktuell seien es noch 560. Auch der WLV-Vizepräsident Wilhlem Brüggemeier sprach davon, dass sich der Strukturwandel eher noch verschärfe. „Und zwar stärker als notwendig wegen der Preispolitik im Einzelhandel“, erklärte er. Die Preise müssten so gestaltet werden, dass mehr Geld bei den Landwirten ankommt. Rund 40 Cent pro Liter müssten es sein, um langfristig zu wirtschaften, investieren zu können und Rücklagen zu bilden.

Öffentlichkeitsarbeit kommt gut an

Großes Lob bekam Bettina Hueske am Montagvormittag von allen Seiten für ihre Art der Öffentlichkeitsarbeit: Seit einigen Jahren berichtet sie auf Facebook und Instagram aus ihrem Berufsalltag. Gleichzeitig hat sie regelmäßig Besuchergruppen auf dem Hof: Aus Kindergärten oder Vereinen und Verbänden. „Öffentlichkeitsarbeit ist unglaublich wichtig geworden. Nur so können wir bei den Verbrauchern für Akzeptanz werben“, erklärte Hubertus Beringmeier. Betriebe dürften sich nicht abschotten. „Wir wollen uns nicht verstecken“, erklärt er.

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