Werner Stödtke ist seit 100 Tagen als Bürgermeister der Gemeinde Südlohn im Amt. Gleichzeitig leitet er auch noch den Fachbereich Zentrale Dienste, bis seine "alte" Stelle wieder besetzt ist. Dazu gehören auch die Schulen und deren Ausstattung mit iPads, die Werner Stödkte angeschoben hatte. © Anne Winter-Weckenbrock
100 Tage Bürgermeister

Krisenmanagement prägt den Start ins Amt: „Corona rauf und runter“

Wahl am 13. September, Amtsantritt am 2. November: Die ersten 100 Tage liegen hinter Werner Stödtke (54). Wir haben den Bürgermeister gefragt, ob er Ziele erreicht hat und was dominiert hat.

Hätten Sie überhaupt am Montag daran gedacht, dass es ihr 100. Tag im Amt ist?

Ehrlich gesagt Nein (lacht): Ich selbst habe nicht dran gedacht, aber in der Zeitung vom Amtskollegen Tom Tenostendarp gelesen. Dann wusste man ja, dass man selbst auch betroffen ist.

Was hat denn die berühmten ersten 100 Tage dominiert?

Krisenmanagement, das muss ich sagen. Corona rauf und runter. Das habe ich vom Amtsvorgänger Christian Vedder so übernommen. Dann gab es ja nochmal den Lockdown, noch größere Einschränkungen…

Wie weit beschäftigt Sie der Virus?

Das ist schon jeden Tag präsent. Jetzt ist auch noch die Mutation nach Südlohn herübergeschwappt. Wir waren schon froh, dass wir da so glimpflich rausgekommen sind nach den Infektionen im Altenheim und der Grundschule. Das ist so ein Auf und Ab, einfach eine Sache, die einen von morgens bis abends begleitet, sieben Tage die Woche.

Apropos sieben Tage die Woche – wie sieht es denn arbeitszeittechnisch aus?

Das ist wohl beim Job kennzeichnend, dass man am Wochenende noch einiges macht. Auch ich nutze wie Tom Tenostendarp (Bürgermeister Vreden, Anmerkung der Redaktion) die Samstage und Sonntage dazu, Dinge zu erledigen, zu denen man in der Woche nicht gekommen ist. Über 60 Stunden werden es auf jeden Fall in der Woche. Ein bisschen Routine habe ich ja, bei Kollegen, die sich ganz neu einarbeiten müssen, ist das sicher schon anders. Andererseits habe ich meinen „alten“ Bereich noch – das ist auch eine Doppelbelastung.

Haben Sie sich schon einmal verlaufen und standen vor der Tür Ihres alten Büros – genau einen Stock tiefer?

Ja, das ist mir schon mal passiert (lacht). Ich muss ja auch nicht mehr stempeln – mit 41 Stunden komme ich auch nicht mehr hin – aber ich habe tatsächlich ein paar Mal gestempelt und dann Ärger mit der Personalabteilung gehabt. Die müssen das ja wieder austragen. Das ist schon mal passiert, aber jetzt habe ich mich dran gewöhnt. Ungewöhnlich ist für mich noch, dass ich eine Sekretärin habe. Ich war es gewohnt, meine Sachen selbst zu regeln. Jetzt werden Termine gecheckt, Telefongespräche laufen da auf – aber das schätzt man dann auch.

Hatten Sie sich ein Ziel gesetzt und wenn ja, dieses auch erreicht?

Das Ziel ist ja eher ein Verwaltungsziel gewesen: Es gab nach der Wahl Strukturen, die man vollkommen neu abbilden musste, 30 Ratsmitglieder, keine absolute Mehrheit mehr, die auf Konsens ausgelegte Ratsarbeit. Die vielen Termine dafür mit der Kommunalpolitik im Vorfeld waren zeitaufwendig, aber das war auch nötig für das Zusammenspiel in der Ratsarbeit. Die Hauptsatzung ist geändert, die Geschäftsordnung auch, die Zuständigkeitsordnung kommt jetzt noch in der Ratssitzung.

Applaus für den Wahlsieger: Am Abend des 13. September war die Bürgermeisterwahl in Südlohn direkt entschieden. Der 54-jährige Werner Stödtke konnte es zunächst gar nicht fassen.
Applaus für den Wahlsieger: Am Abend des 13. September war die Bürgermeisterwahl in Südlohn direkt entschieden. Der 54-jährige Werner Stödtke konnte es zunächst gar nicht fassen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Wie haben Sie die vorbereitenden Gespräche mit den Kommunalpolitikern erlebt?

Das Zusammenspiel ist das Entscheidende, um voranzukommen. Und hat uns, hat mir viel gebracht. Es gab vor dem Lockdown Präsenztreffen und jetzt Videokonferenzen, das waren und sind vertrauensvolle Abstimmungsrunden. Das ist das, was man sich wünscht, das Kollegiale, an der Sache orientierte Arbeiten. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Das politische Tagesgeschäft ist ja nicht immer von überbordender Harmonie gekennzeichnet. Aber fair sollte es sein und persönliche Angriffe sollten vermieden werden.

Hat den die Corona-Krise und die dadurch befürchtete Finanzverknappung für die Gemeinde für Diskussionen gesorgt?

Wir müssen nicht unbedingt, aber wir sollten sparen. Wir sollten zu typisch münsterländischer Vorsicht zurückkehren und warten, was kommt. Investitionen muss man machen. Wichtig ist, sich auf das zu konzentrieren, was nötig ist. Wir haben schon eine Menge vor der Brust, und ich sehe eine ganz hohe Bereitschaft in der Politik , den vorsichtigeren Weg mitzugehen. Stress gab es noch keinen, zumindest habe ich das so nicht empfunden.

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at Sie in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit irgendwas überrascht?

Nein, ganz ehrlich nicht. Ich habe ja bisher das Beschwerdemanagement der Gemeinde betreut, da kommt aber auch relativ viel an Beschwerden und Wünschen, wo man vielleicht überrascht war und denkt, ob man das nicht mit ein bisschen Eigeninitiative hätte selbst regeln können.

Was hätten Sie so nicht erwartet in Ihrem Zuständigkeitsbereich?

Überrascht bin ich nicht, aber ich hätte es so nicht erwartet: Ich bin jetzt auch in viele Grundstücksgeschäfte eingestiegen, da sind die einen oder anderen Sachen schon sehr zäh. Da muss man langen Atem haben, um zum Ziel zu kommen. Und bei manchen Sachen wird es nicht 2021 sein, da muss man dran bleiben. Bei manchen Geschäften würde ich mir schon wünschen, dass es einfacher ginge. Dicke Bretter bohren – das gehört wohl dazu. Positiv ist aber auch, wenn Leute auf einen zukommen, wenn Fläche frei wird. Es gab schon intensiven Telefonkontakt mit vielen Leuten, die sich an mich wenden. Nicht nur wegen Flächentausch, sondern auch, um in Sachen Umwelt weiterzukommen.

Gab es schon eine wichtige oder schwierige Entscheidung?

Man trifft ständig Entscheidungen die im Zusammenhang mit anderen Vorgängen zu sehen sind. Zum Beispiel den Weg, den wir jetzt gegangen sind Richtung Wertstoffhof. Das war die Entscheidung des Umweltausschusses – da haben wir jetzt mal eine langfristige Lösung, nach der wir lange gesucht haben. Das ist jetzt vom Tisch. Oft ist es so: Man muss eine Teilentscheidung treffen, um in Sachen, die man vorhat, wieder weiterzukommen. Das ist jetzt im Bereich Bauhof so: Jetzt wo der Wertstoffhof nicht mehr an einem Standort mit dem Bauhof geplant wird, müssen wir überlegen, wie wir den Bauhof künftig aufstellen. Das Thema ist ja auch in der Pipeline, der Bauhof muss modernisiert werden.

Über die Autorin
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Anne Winter-Weckenbrock

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