Ein Gedenkstein am Ottenstapler Weg erinnert an den 1942 beim Absturz verstorbenen Bordfunker Albrecht Risop. © Robert Wojtasik
Fliegergrab in Oeding

Klage gegen den Kreis Borken: Bergung des toten Fliegers vor Gericht

Seit 1942 liegt Flieger Albrecht Risop in einer Wiese in Oeding. Angehörige und ehrenamtlich Aktive wollen ihn bergen. Archäologen lehnen das ab. Jetzt geht der Bergungs-Streit vor Gericht.

Als Uwe Benkel, Leiter der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung, sich mit dem Schicksal des Obergefreiten Albrecht Risop beschäftigte, stand für ihn fest: Der Leichnam und das Flugzeugwrack, beides seit dem Absturz 1942 tief unter einer Wiese am Ottenstapler Weg verborgen, sollten geborgen werden.

Die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) lehnten das ab.

Der Kreis Borken als obere Denkmalbehörde hat sich der Expertise des LWL angeschlossen – und wird jetzt von Uwe Benkel verklagt. Er will die Genehmigung für die Bergung und geht damit vor das Verwaltungsgericht in Münster. Am Donnerstag, 18. März, um 9 Uhr beginnt die öffentliche Verhandlung im Saal I.

Bergung des toten Fliegers vor Gericht

Es geht um Denkmalschutzrecht. „Die Beteiligten streiten um die Erforderlichkeit einer denkmalrechtlichen Grabungsgenehmigung zur Bergung des Wracks und der sterblichen Überreste des Bordfunkers eines im Zweiten Weltkrieg abgestürzten deutschen Kampfflugzeugs“, heißt es in der Mitteilung des Verwaltungsgerichts Münster.

Zur Vorgeschichte: Obergefreiter Albrecht Risop war als Bordfunker auf dem Nachtjäger vom Typ Messerschmitt Bf 110 eingesetzt. Der Pilot war Wilhelm „Wim“ Johnen. Am 26. März 1942 schossen Johnen und Risop westlich von Wesel einen britischen Bomber ab. Einige Minuten später gerieten sie in einen weiteren Luftkampf. Dabei wurde Risop tödlich getroffen und stürzte mit dem Nachtjäger in die Wiese bei Busch-Schmittmann am Ottenstapler Weg ab.

Die Maschine versank daraufhin direkt metertief im morastigen Schwemmsandboden. Der Pilot konnte sich schwer verletzt per Fallschirm retten.

Einen ersten Antrag zur Bergung durch Winfried Leusbrock aus Heek hatten die Archäologen vom LWL abgelehnt. Sie erklärten, das Wrack sei ein Bodendenkmal und dürfe nicht zerstört werden.

Geophysikalische Untersuchungen sind durchgeführt worden

Winfried Leusbrock und sein Team hatten zuvor durch geophysikalische Untersuchungen nachweisen können, dass sich Trümmerteile des Flugzeugs in Bodenschichten bis mehrere Meter unter der heutigen Geländeoberkante befinden. Dort erwarten sie auch die sterblichen Überreste des Funkers.

Ein Grabstein, der an der Absturzstelle steht, reicht Uwe Benkel nicht: Der Rheinland-Pfälzer argumentiert, dass ähnliche Bergungsprojekte in der Vergangenheit durch die Behörden stets befürwortet und unterstützt worden seien. Auch hat er Kontakt zu Hinterbliebenen des Bordfunkers Albrecht Risop hergestellt. Die würden ebenso nicht verstehen, dass die sterblichen Überreste ihres Verwandten als „Bodendenkmal“ angesehen würden. Sie wünschen eine Bergung und die anschließende Bestattung.

Wie das Verwaltungsgericht mitteilt, sei der Kreis als Beklagter unter anderem der Auffassung, dass für die beabsichtigte Ausgrabung eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich sei, da es sich um ein vermutetes Bodendenkmal handele.

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Anne Winter-Weckenbrock

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