In der Menke Mühle eintauchen in die Welt alter Mühlentechnik

dz„Zu Hause“-Serie

In unserer Serie „Zu Hause in“ geht es heute um die 1812 erbaut und später umfangreich erweiterte Menke Mühle in Südlohn. Sie ist nicht nur für Mühlennostalgiker ein lohnenswertes Ziel.

Südlohn

, 23.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer durch das große Tor in das Gebäude mit den weithin sichtbaren Flügeln tritt, dem weht sofort ein Hauch von Nostalgie entgegen. Es ist, als ob der verstorbene letzte Müller, Bernhard Menke, gerade erst die Maschinen ausgeschaltet hat. Seine Tochter Maria Menke und Dieter Gehling sorgen sich seit Jahrzehnten um den Erhalt des Mühlenensembles.

Natürlich ist die Dampfmaschine im Betrieb zu beobachten.

Natürlich ist die Dampfmaschine im Betrieb zu beobachten. © Bernhard Frische

Dieter Gehling, eigentlich Betreiber einer Flugzeugwerft am Flugplatz in Stadtlohn, übernimmt dabei den technischen Part. Tausende Arbeitsstunden hat er mittlerweile in die Mühle gesteckt.

Viele Arbeitsstunden für den Erhalt der Menke Mühle

Er hält die alten Herforder Motoren fit, hat wieder eine alte Dampfmaschine an dem Platz eingebaut, an dem sie früher für den Betrieb der Mühle eingesetzt wurde oder rekonstruiert mit viel Liebe zum Detail alte Schalttafeln. Oft stehen ihm dafür sogar noch die Zeichnungen, Montage- oder Bedienungsanleitungen zur Verfügung aus der Zeit, als die ursprünglichen Gerätschaften der Mühle eingebaut wurden.

Auf Hochglanz poliert sind die Herforder Dieselmotoren.

© Foto: Bernd Schlusemann

In der Mühle wurde nicht nur Mehl gemahlen. Im hinteren Bereich des verwinkelten Gebäudekomplexes findet sich ein Sägegatter. Dort wurden früher ganze Bäume zu Brettern geschnitten. Über Transmissionen wurden alle Maschinen zentral angetrieben.

Beim Mühlentag: Dieter Gehling (links) erklärt den Besuchern die Funktionsweise des Sägegatters und schneidet dann einen Baumstamm zu Brettern.

© Thomas Hacker

Drei Herforder Dieselmotoren mit riesigem Hubraumvolumen können heute funktionstüchtig bei der Arbeit beobachtet werden. Für den Technikfan ist es eine Zeremonie, Dieter Gehling beim Hochfahren der Motoren zu beobachten.

Mit den Motoren wird übrigens auch der Strom für die gesamte Mühle erzeugt und in Batterien gespeichert. Die Dampfmaschine dreht sich zwar auch, doch wird damit kein Dampf für den Antrieb von Maschinen mehr erzeugt.

Die Mühle im Betrieb beobachten

Wenn die Mühle am jährlichen Mühlentag an Pfingsten geöffnet ist, können Besucher alle Maschinen im Betrieb sehen. Dann wird Mehl gemahlen und auch das Sägegatter setzt sich in Bewegung und zerteilt ganze Baumstämme. Interessant ist aber auch die Werkstatt, die mit ihren alten Werkzeugen so aussah wie vom Müller gerade erst verlassen.

Beim Mühlentag: Maria Menke ist die Müllerin und demonstriert, wie die alte Mühlentechnik funktioniert.

© Thomas Hacker

Die Mühle, heute eines der Wahrzeichen der Gemeinde Südlohn, hat sich langsam entwickelt. Start des Mühlenbetriebes war vor über 200 Jahren allein mit Windkraft, dann kam Dampf hinzu und später der Umstieg auf den Dieselantrieb mit den tonnenschweren Herforder-Motoren.

Technikfans kommen ins Schwärmen

All das ist in der Menke Mühle auch heute noch zum Greifen nah und funktionstüchtig. Technikfans kommen daher dort voll auf ihre Kosten und auch nicht selten ins Schwärmen.

Die Menke Mühle hatte ihren Ursprung im Jahr 1812.

© Bernd Schlusemann

Sie bleiben bei einem Besuch auch schon mal staunend vor den alten Motoren, den großen alten Mahlwerken oder der Dampfmaschine stehen.

Und die Menke Mühle ist für Verliebte seit ein paar Jahren ein ganz besonderer Ort: Dort kann nämlich auch standesamtlich geheiratet werden. Ein Angebot, das viele Paar gerne annehmen um sich in dieser sicher einzigartigen Umgebung das Ja-Wort zu geben.

  • Schauen Sie sich auch unseren Rundflug über die Menke Mühle an.

In der Menke Mühle eintauchen in die Welt alter Mühlentechnik
  • Die Achtkant-Holländer-Mühle wurde 1812 erbaut.

  • Seit 1865 ist die Mühle im Besitz der Familie Menke.

  • Der Mühlenantrieb ändert sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach: Windkraft, erste Dampfmaschine 1876, Dieselmotor 1951.

  • Seit 1985 steht die Windmühle unter Denkmalschutz, seit 1995 auch die gesamte technische Ausstattung, die Nebengebäude und das Müllerhaus.

  • Nach dem Tode des letzten Müllers Bernhard Menke (1989) erfolgt keine Produktion in der Südlohner Mühle mehr.

  • Die gesamte Anlage ist aber seither instand gehalten worden: die Windmühle, teils mit ursprünglicher Ausstattung und kompletter Feinmüllerei-Anlage von 1934, die Sägemühle mit dem Petermann Breitdrescher von 1914 und dem Sägegatter (Vollgatter) von 1917, dann die Dampfmühle (2015 restauriert) mit Mahlgang und Mischmaschine und 110 Volt Gleichstromanlage, das angrenzende Kesselhaus und das 2012 wieder aufgebaute Dampfmaschinenhaus mit einer Maier Dampfmaschine, die die Anlage komplettiert.

  • Nach der Dampfkraft hielt 1951 mit einem Herforder Einzylinder-Diesel (Baujahr 1939) die Dieselkraft den Einzug in die Menke Mühle. Dazu kam 1968 ein weiterer Herforder (Baujahr 1956). Diese dienten zum Antrieb der Maschinen als auch zur Erzeugung elektrischer Energie für Elektromotoren z.B. für das Sägegatter.

  • Wie der Zufall es wollte, sollte die Mühle 2016 noch einen weiteren Herforder (Baujahr 1936) erhalten, der vor der Verschrottung gerettet werden konnte. Hierfür ist der Motorraum erweitert und umgebaut worden.

  • Dass es eine „lebende“ Mühle ist, ist zum großen Teil Dieter Gehling zu verdanken, der als technikbegeisterter 15-Jähriger 1980 in die Mühle kam. Vom Müller Bernhard Menke hat er den Umgang mit der alten Technik erlernt. Die Ausstattung ist betriebsbereit.

  • Die Mühle kann nach Absprache besichtigt werden:
    Förderverein Menke Mühle e.V., Windmühlenstr. 4, 46354 Südlohn
    Kontakt: Tel. 02862 / 898989
    e-mail: menke.muehle@gmx.de
    Internet: www.menke-muehle.de
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