Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

dzRestaurant-Check

Ein Abendessen im Gasthaus Nagel am Kirchplatz: Es ist Jagdzeit, und so steht Wildes auf der Karte. Damit kann das Küchenteam bei uns punkten, genauso wie mit einem Traditionsgericht.

Südlohn

, 30.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

König Fußball regiert an diesem Donnerstagabend im Gasthaus Nagel in Südlohn. In der Gaststube haben sich viele Fans versammelt und gucken das Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den Wolfsberger AC – wir sind die einzigen, die in den benachbarten kleinen Raum geführt werden, wo die Tische einladend gedeckt sind.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Einer der Gasträume im Gasthaus Nagel. Es gibt darüber hinaus noch einen unterteilbaren Saal und ein Kaminzimmer. © Anne Winter-Weckenbrock

Wir nehmen Platz und die freundliche Servicekraft, die unser Fußballinteresse bemerkt, macht gleich einen weiteren Bildschirm für uns an. So können wir kulinarisch und gleichzeitig fußballerisch genießen. Der Abend fängt gut an. Und am Ende war die Fußballkost recht mager, ganz im Gegensatz zu unserem Menü.

Schnell werden ein Wasser und ein alkoholfreies Bier mit den Speisekarten gebracht. Die Karte ist nicht zu groß und nicht zu klein. Es gibt eine Seite mit Saisongerichten, „Vom Grill und aus der Pfanne“ und „... immer wieder gern gegessen“. Unter dieser Überschrift lacht mich „Münsterländer Zwiebelfleisch“ an. Lange nicht gegessen. Aber: Meine Wahl fällt für die Vorspeise auf die „Münsterländer Hochzeitssuppe“, und das muss reichen an regionalen Evergreens an diesem Abend.

SO FUNKTIONIERT DER RESTAURANT-CHECK Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken.

Mein Mann ist gespannt, wie wohl die Wildrahmsuppe „Hubertus“ schmeckt. Also gibt es doch – wieder ganz münsterländisch – Suppen als Vorspeise für uns beide. Für das Hauptgericht werden wir schnell auf der Saisonkarte fündig. Fleisch muss nicht immer sein. „Saftiges Lachsfilet in Hummersauce, Blattspinat und Pappardelle“ hört sich gut an. Bei meinem Mann stand ja schon auf der Hinfahrt fest, dass er Wild essen möchte. Zwischen Hirschragout in Rotweinsauce und Wildschweinbraten kann er wählen. Er entscheidet sich für Wildschwein.

Die Vorspeisen

Während wir auf unsere Suppen warten, fällt das 1:0 für Borussia. Viel Beifall gibt es im Gastraum, und nur wenig später bei uns nebenan. Für die Suppen. Mein Mann beginnt zu löffeln und sagt, bis die schöne Suppenschale halb leer ist, nur ein Wort: „Genial“. Das macht mich dann ja doch neugierig. Ich mag kein Wild, und Suppe aus Wild kann ich mir beim besten Willen nicht lecker vorstellen.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Die Wildsuppe war das Highlight des Abends. Eine Entdeckung. © Anne Winter-Weckenbrock

Aber ich probiere einen Löffel. Tatsächlich. Die Suppe ist nicht zu kräftig „wild“, ist fein mit Wein abgestimmt, die Preiselbeeren, die als schaumiger Klecks auf der Suppe schweben, geben eine ganz leicht fruchtige Note. Frisch gehackte glatte Petersilie machen die Kombination perfekt. Die Fleischeinlage ist nicht zu üppig, das Fleisch super zart. Und die Temperatur stimmt.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Die Münsterländer Hochzeitssuppe: Die Rinderkraftbrühe war mit reichlich Einlage – Eierstich, Klößchen und Blumenkohl – versehen. Frische Petersilie verlieh der leckeren Suppe den typischen Pfiff. © Anne Winter-Weckenbrock

Die Hochzeitssuppe überrascht erst mal durch die üppige Beilage. Jede Menge Klöße und Eierstich, Blumenkohl – da ist der Koch mit der Kelle wohl tief durch die unteren Regionen des Topfes gegangen. Gut so: Konsistenz und Geschmack der Einlagen überzeugen, die Rinderkraftbrühe ist nicht zu kräftig gewürzt. Der Münsterländer Evergreen schmeckt, wie er schmecken muss.

Zwischen Vorspeise und Hauptgang können wir unseren Blick durch den kleinen Speiseraum mit vier Tischen schweifen lassen. Es ist gemütlich-modern eingerichtet und passend beleuchtet, die Dekoration stimmt auf die Vorweihnachtszeit ein. Wir sind zwar in dem Raum die einzigen Gäste, aber durch den gut gefüllten Gastraum nebenan kommen wir uns nicht einsam vor.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Vom Salatbüffet dürfen sich die Gäste im Restaurant Nagel selbst bedienen. Die Auswahl ist vielfältig und alles frisch. © Anne Winter-Weckenbrock

Wir sind auch gewiss nicht die einzigen Gäste, die an dem Abend Essen genießen im Gasthaus Nagel. Das wird klar, als wir zum Salatbüffet gehen. Dafür queren wir den Gastraum und sehen im kleinen Saal nebenan eine große Gesellschaft. Das Salatbüffet im Vorraum lässt kaum Wünsche übrig: von Blattsalat und Rohkost über eingelegte Rote Bete bis hin zu Nudel- oder Kartoffelsalat ist alles da. Mein Teller ist sehr vielfältig gefüllt, mein Mann beschränkt sich auf Blattsalat, Schafskäse und Paprika.

Die Hauptspeisen

Die freundlichen und aufmerksamen Servicekräfte haben den Gastraum, die Kegelbahnen und uns immer auf dem Schirm. Zum Hauptgang wird mein Glas Grauburgunder gebracht, alles ist am Platz, als wir mit unserem Salat wieder am Tisch ankommen.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Ein frisches Stück Lachsfilet auf Parpadelle mit Hummersauce und Blattspinat. Kleiner Clou: Das Lachsfilet lag auf einem Bett aus Möhrenraspeln. Lecker. © Anne Winter-Weckenbrock

Wie schon bei den Suppen, die in schönen Schalen serviert wurden, punktet auch jetzt das Anrichten auf schönem Geschirr. Der Blattspinat wird in einem eigenen Schälchen serviert, das neben den breiten Bandnudeln – das sind also Pappardelle – steht. Auf den Pappardelle thront ein Stück Lachsfilet mit einem Hauch Hummersauce. Sieht lecker aus und ist es auch.

Nur: Ich erfahre an diesem Abend, dass Hummersauce nicht mein Ding ist. Ich schabe sie vom Lachs, und auch der extra gereichte Nachschlagportion bleibt unangetastet. Der Blattspinat ist einfach zubereitet, mit Zwiebeln und guten Gewürzen. Die Nudeln sind glücklicherweise nicht in viel Fett geschwenkt. Der frische Lachs ist ausgezeichnet gebraten. Auch die gestifteten Karotten, die sich noch unter dem Filet verbergen, passen gut zum Gericht. Ebenso der Grauburgunder.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Der Wildschweinbraten war ein Genuss, ebenso wie die Beilagen. Nur die Dekoration blieb übrig. © Anne Winter-Weckenbrock

Sechs dünne Scheiben Wildschweinbraten, alle ohne Fettrand – das war ein gutes Stück Fleisch aus der Keule und genau nach dem Geschmack meines Mannes. Wildrahmsauce bedeckt die Bratenscheiben, ein Schüsselchen extra wird auch gereicht. Das Wildschweinfleisch ist zart und geschmacklich gelungen, auf den Punkt gegart. Die Butterspätzle sind auch nur leicht gebuttert, haben eine angenehme Konsistenz und nehmen noch gut Wildrahmsauce auf. Der Apfelrotkohl ist richtig gut abgeschmeckt. Allein die Birne mit Preiselbeeren bleibt auf dem Teller.

Das Dessert

Beim Dessert muss ich nach zwei Gängen passen. Vier stehen zur Auswahl, und im Normalfall hätte mich das Vanilleeis mit Honig-Mandelnougat mit Schokoladensauce und Sahne in Versuchung gebracht. Mein Mann zögert: Kaiserschmarrn oder Schokosoufflé? Es wird schokoladig. Und er ist ganz angetan von der Komposition.

Im Gasthaus Nagel sorgt das Wildschwein für ein echtes kulinarisches Highlight

Das Schokosoufflé und Mangosorbet war zusammen mit Aprikosensauce und Sahne eine gelungene Kombination – leckeres Hüftgold. © Anne Winter-Weckenbrock

Das Schokosoufflé liegt auf einem Spiegel von Aprikosensauce, dazu wird ein Klecks Sahne gereicht und das Mangosorbet sorgt wieder für eine weitere geschmackliche Note. Die zwei Fruchtkomponenten zum noch warmen Schokoladentörtchen in der richtigen Konsistenz: Das Dessert rundet ein gelungenes Essen ab.

Das Fazit

Gutbürgerlich auf hohem Niveau – so lässt sich die Küche im Gasthaus Nagel beschreiben. Warum steht die Speisekarte nicht im Netz? Das hat einen guten Grund: Es gibt Vielfalt, und die sehr oft. Anita Schley und Heinz Kloster kochen für die nicht nur nach Saison wechselnden Karten. Insgesamt 20 Mitarbeiter haben Christian (29 ) und Josef Nagel (66) in ihrem Familienbetrieb angestellt, auch am Donnerstag wirkte das Team gut eingespielt und irgendwie hatte das Gasthaus eine familiäre Atmosphäre. Trotz der Größe: Bis zu 100 Gäste kann das Gasthaus gleichzeitig bewirten.

Die Preise

Die Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut. Alles in allem haben wir 66,10 Euro gezahlt für je zwei Vor- und Hauptspeisen, vier Getränke und ein Dessert. Die Suppen sind mit 5,70 Euro (Wildrahm) und 5,50 Euro (Hochzeitssuppe) absolut im Rahmen. Der Wildschweinbraten schien uns mit 15,50 Euro eher günstig, das Lachsgericht für die Qualität mit 17,50 Euro auch. Das teuerste Gericht auf der Karte sind Rumpsteaks für 22,50 Euro. Das vegetarische Gericht, Teigtaschen mit Spinat und Ricotta gefüllt, kostet beispielsweise 11,50 Euro.

Das Glas Grauburgunder liegt mit 5,50 Euro preislich im Rahmen, ebenso das alkoholfreie Weißbier für 4,60 Euro, das 0,3-Pils oder das 0,3-Wasser für 2,90 Euro.

Kinderfreundlichkeit

Kinder können kleinere Portionen der Gerichte von der Karte bestellen, eigene Wünsche nach Menüs mit Pommes oder Nuggets werden auch erfüllt.

Barrierefreiheit

Das Gasthaus ist vom Eingang Südwall her barrierefrei zu erreichen.

Das sagt das Netz

4,2 von 5 ist die Bewertung bei Google. „Das Essen war einfach super“, heißt es in einem erst eine Woche alten Post. „Der Service ist hervorragend! Die Mitarbeiter sind super! Zuvorkommend, hilfsbereit und freundlich.“ Bei Tripadvisor haben Hotel und Restaurant vier von fünf Punkten. „Der Service ist hervorragend! Die Mitarbeiter sind super! Zuvorkommend, hilfsbereit und freundlich“, heißt es dort in einem Beitrag von Oktober. An anderer Stelle: „Das Salatbuffet bietet eine gute Auswahl und - selten in den meisten Restaurants- die Salatgurken waren entkernt! Dafür ein extra Lob für die Küche“.

Anschrift und Öffnungszeiten

Gasthaus Nagel, Kirchplatz 8, 46354 Südlohn, Tel. (02862) 980 40

Öffnungszeiten des Restaurants (warme Küche): Mo-Sa 17. bis 21.30 Uhr, So 18 bis 20 Uhr

Mehr Infos auf der Internetseite des Gasthauses mit Hotel

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