Der Südlohner Hausarzt Dr. Thomas Vedder und sein Team übernahmen die Impfungen im Henricus-Stift (Foto entstand vor Corona). © Markus Gehring (A)
Henricus-Stift

Hausarzt nach ersten Impfungen: „Wir müssen mit offenen Karten spielen“

Der Südlohner Arzt Dr. Thomas Vedder hat zahlreiche Pfleger und Bewohner des Seniorenheims Henricus-Stift geimpft. Skepsis gab es kaum. Aber Fragen, die nicht alle beantwortet werden konnten.

Der aus dem Ahauser Ortsteil Ottenstein stammende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht in diesen Tagen unter erheblichem Druck. Die Opposition und viele Medien sprechen mittlerweile von einem „Impf-Debakel“. Einer der Hauptvorwürfe: Es geht alles zu langsam. Die Fortschritte, die unabhängig von der (politischen) Debatte allerorts erzielt werden, gehen da zum Teil unter.

Gute Nachrichten gibt es zum Beispiel aus dem Seniorenheim Henricus-Stift. Ein Großteil der Bewohner und des Pflegepersonals hat bereits die erste Impfdosis des deutschen Herstellers Biontech gespritzt bekommen. Der Rest erhält sie am Mittwoch, 13. Januar. In drei Wochen folgt die notwendige zweite Dosis. Nur ein verschwindend geringer Prozentteil hat sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entschieden, auf die Corona-Impfung zu verzichtet.

Erste Schritte auf einem langen Weg

Der Südlohner Hausarzt Dr. Thomas Vedder, der vom Caritasverband Ahaus-Vreden mit der Massenimpfung beauftragt wurde, freut sich über den ersten Schritt auf einem langen Weg. „Wir müssen sehen, dass wir im Laufe des Jahres möglichst viele Menschen von der Impfung überzeugen“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Große Überzeugungsarbeit musste er im Henricus-Stift allerdings kaum leisten. „Ein Seniorenheim ist nicht der Ort, an dem beim Thema Impfen große Skepsis herrscht. Die Bewohner freuen sich einfach darauf, dass dadurch wahrscheinlich schon bald die Besucherregelungen gelockert werden können“, berichtet Thomas Vedder.

Hausarzt steht Frage und Antwort

Trotz der grundsätzlich positiven Einstellung habe es aber auch hier Fragen zum Impfstoff und möglichen Nebenwirkungen geben. Auf viele, aber eben nicht auf alle, konnte der Hausarzt eine Antwort liefern. „Wir Mediziner müssen mit offenen Karten spielen und zugeben, dass wir manche Dinge einfach nicht wissen. Falsche Garantien, die am Ende nicht eingehalten werden können, sorgen nur für Unsicherheit und Ablehnung in der Bevölkerung“, sagt er.

Von weiblichen Pflegerinnen sei zum Beispiel mehrfach die Sorge an ihn herangetragen worden, dass der Impfstoff Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben könne. „Ich weiß nicht, wo die – überwiegend jungen – Frauen diese Information herhaben. An so einer Stelle muss ich dann aber sagen: Man kann zu diesem Zeitpunkt nicht komplett ausschließen, dass Spätfolgen auftreten könnten.“

Vertrauen in die Forschung

Er selbst aber wirbt um Vertrauen in die Forschung. „An der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen wird bereits seit langer Zeit gearbeitet. Man musste vor einem Jahr nicht bei null anfangen, sondern hatte eine Grundlage, auf der man aufbauen konnte. Das wird häufig anders wahrgenommen“, erklärt Thomas Vedder. Die in der EU zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Biontech und US-Hersteller Moderna basieren auf Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) und sind eine neuartige Technologie, die die körpereigene Immunantwort stimuliert.

Im Henricus-Stift haben Personal und Bewohner die erste Spritze auf jeden Fall gut vertragen. Nur vereinzelt sei es zu unspezifischen Nebenwirkungen gekommen, berichtet der Südlohner Hausarzt: „Ein älterer Herr klagte über ein Schwindelgefühl, ein anderer Bewohner über Unwohlsein. Das sind keine außergewöhnlichen Geschichten, sondern diese Reaktionen kommen auch bei Grippe-Impfungen vor.“

Der Mediziner rechnet damit, dass seine Kollegen und er in den nächsten Wochen und Monaten noch sehr viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Mit der Zeit, so glaubt es Thomas Vedder, werde sich dann eine Routine einspielen. „Es ist eine neue Technik und da möchten viele erst einmal schauen, wie es funktioniert. Aber gerade die jungen Menschen haben ja noch etwas Zeit, bevor sie eine Entscheidung treffen müssen.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
Zur Autorenseite
Johannes Schmittmann

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.