An dieser Stelle machten Spaziergänger kurz vor dem Weihnachtsfest 2019 eine gefährliche Entdeckung. © Privat
Napoleonsweg in Südlohn

Giftige Stoffe aus Drogenlabor: Fundort noch immer abgesperrt

Spaziergänger machten Ende 2019 in Südlohn eine brisante Entdeckung. Unbekannte hatten giftige Stoffe aus der Drogenproduktion in einem Graben entsorgt. Noch immer ist der Ort abgesperrt. Warum?

Das Gras steht hoch, der Graben ist wieder mit Wasser gefüllt. Rotweißes Flatterband sperrt den Bereich am Napoleonsweg im Grenzgebiet zwischen Südlohn, Stadtlohn und Vreden ab. Ende 2019 war der Wirtschaftsweg Schauplatz eines gefährlichen Fundes. Unbekannte entsorgten im Graben giftige Chemikalien aus der Drogenproduktion.

Doch warum ist der Bereich auch nach weit über einem Jahr noch abgesperrt? Geht von der Stelle noch eine Gefahr aus? Und wie ist der Stand der Ermittlungen? Wir haben bei Polizei, dem Kreis und der Gemeinde Südlohn nachgefragt.

Kein Ermittlungserfolg für die Polizei

Den ernüchterndenen Punkt vorweg: Was den oder die möglichen Täter angeht, tappt die Polizei nach wie vor im Dunklen. „Es gibt keine Tatklärung“, so Kreispolizei-Sprecher Frank Rentmeister. Großes Problem für die Polizei: Es wurden keine auswertbaren Spuren gefunden. Regen und das rege Treiben der verschiedenen Einsatzkräfte vor Ort waren nicht förderlich.

Zwar sind damals nach Bekanntwerden einige Hinweise auf verdächtige Fahrzeuge bei der Polizei eingegangen, doch zu Aufklärung der Tat haben diese bisher nicht beigetragen. „Wir nehmen aber natürlich noch immer Hinweise entgegen. Das Verfahren kann jederzeit wieder aufgenommen werden“, sagt der Kreispolizei-Sprecher. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat der Polizei in Borken, Tel. (02861) 90 00, an.

Beseitigung der Giftstoffe war kostspielig

Und warum ist Bereich noch abgesperrt? Immerhin hat der Kreis, so erklärt es Kreis-Pressesprecher Karlheinz Gördes, den Bereich nach der aufwendigen und 23.000 Euro teuren Beseitigung der Giftabfälle schon lange wieder freigegeben.

Die Antwort hat Südlohns Ordnungsamtsleiter Matthias Lüke parat. Es handle sich jetzt nur noch um eine Sicherheitsvorkehrung. „Nicht dass da noch etwa ein Radfahrer in den ausgekofferten Bereich fällt.“ Immerhin wurde das Erdreich seinerzeit umfassend ausgehoben und die Flüssigkeit entsorgt.

Großeinsatz wurde ausgelöst

Den Hut dabei hatte der Kreis auf. Darum trug dieser auch die Kosten der Entsorgung. Spaziergänger hatten die Geruchsbelästigung und aufsteigende Dämpfe an dem Graben in der Woche vor Weihnachten 2019 gemeldet. Das löste einen Großeinsatz von Kreis, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sowie weiterer Helfer aus.

Einsatzleiter Hendrik Tenk (im weißen Schutzanzug) nahm seinerzeit unter schwerem Atemschutz eine Probe der Chemikalie.
Einsatzleiter Hendrik Tenk (im weißen Schutzanzug) nahm seinerzeit unter schwerem Atemschutz eine Probe der Chemikalie. © Stephan Rape © Stephan Rape

„Das war schon alles sehr aufwendig. Es musste mit Atemschutz und Schutzanzügen gearbeitet werden“, blickt Kreis-Pressesprecher Karlheinz Gördes auf den Einsatz zurück. Und für den Fall, dass der oder die Täter noch ermittelt werden können, will sich der Kreis die Kosten von 23.000 Euro zurückholen.

Landesamt analysierte Stoff

Selbiges gilt für die Gemeinde Südlohn. Auch diese hatte Kosten. Zwar nur im „überschaubaren Rahmen“, etwa für die Versorgung der Einsatzkräfte und Subunternehmer, die Sand heranfuhren, wie der Ordnungsamtsleiter sagt, aber auch dieses Geld würde man sich im Falle eines Ermittlungserfolges der Polizei zurückholen wollen.

Die Analyse der Stoffe wurde seinerzeit beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) durchgeführt. Diese ergab, dass es sich bei dem entsorgten Stoff um N-Formylamphetamin handelte. Ein Stoff, der in der Produktion synthetischer Drogen wie Amphetaminen entsteht.

So weit, so gut. Nur wie lange bleibt der Bereich noch abgesperrt? „Das Flatterband wird jetzt kurzfristig entfernt“, sagt Ordnungsamtsleiter Lüke. Damit einhergehend werde auch der Graben wieder aufgefüllt. Spätestens dann wird nichts mehr an den giftigen Chemikalienfund erinnern.

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