Kerstin Kühn und ihr Salon "Haarfein" freuen sich auf die Kunden. © Markus Gehring
Friseursalons und Corona

Friseure dürfen wieder öffnen: Freude, aber auch einige Fragezeichen

Eine kleine Umfrage in Friseursalons in Südlohn und Oeding macht deutlich: Die Freude, am 1. März wieder öffnen zu können, überwiegt. Aber die Regeln zum Platzangebot könnten Sorgen bereiten.

97 Anrufe hatte Kerstin Kühn am Donnerstagmorgen auf dem Telefon. Obwohl sie bis in den späten Abend hinein noch telefoniert hatte wegen Terminen: Als klar war, dass die Friseursalons am 1. März wieder öffnen dürfen, hagelte es Anrufe und Nachrichten. Und kurz vor Mitternacht postete sie noch auf Facebook „Salon Haarfein – Kerstin Kühn ist glücklich. Endlich dürfen wir wieder ….“

Auch am Donnerstagvormittag ist noch Euphorie in der Stimme zu hören beim Telefonat mit der Redaktion. „Und wenn es jetzt noch zwei Wochen länger dauert – wir haben jetzt ein Datum, mit dem man arbeiten kann“, kommentiert Kerstin Kühn den Beschluss der Bund-Länder-Runde.

Neue Regel: Wie viele Kunden und Mitarbeiter dürfen in den Salon?

Jetzt gehe es ans Telefonieren mit den Kunden, dann ans Vorbereiten, ans Ware bestellen… Auch war am Mittag schon ein Schreiben der Berufsgenossenschaft eingetroffen. „Zehn Quadratmeter pro Person“, heißt es darin. Nicht pro Kunde, sondern pro Person. Das könnte für kleine Salons noch eine Schwierigkeit bedeuten. Aber: „Wir starten mit weniger, wir sind aber trotzdem glücklich“, sagt Kerstin Kühn.

Kritisch schaut sie auf die gezahlten Soforthilfen für den ersten Lockdown: Die hatte sie beantragt – „und dann muss man doch zurückzahlen. Wenn man das gewusst hätte, hätte man wohl drauf verzichtet“, sagt sie rückblickend. Aber damals habe man sich „von jetzt auf gleich“ entscheiden müssen – „und man wusste ja auch überhaupt nicht, was noch kommt.“

Martin Demming: „Jetzt haben wir eine Perspektive“

Auch Martin Demming zeigt sich im Telefonat mit der Redaktion froh über die Entscheidung, dass die Salons am 1. März wieder öffnen dürfen. „Ich habe drauf gehofft“, sagte er. „Jetzt haben wir eine Perspektive.“ Per Telefon, WhatsApp und E-Mail – über alle verfügbaren Kanäle melden sich die Kunden schon. „Die ersten anderthalb Wochen sind schon verplant“, vermeldet er am Donnerstagmorgen.

Kerstin Kühn und ihre Branchenkollegen werden ihre Salons am 1. März unter den neuen Corona-Hygieneregeln wieder öffnen. Zehn Quadratmeter pro Person heißt es dann unter anderem.
Kerstin Kühn wird ihren Salon am 1. März unter den neuen Corona-Hygieneregeln wieder öffnen. Zehn Quadratmeter pro Person heißt es dann unter anderem. © Markus Gehring © Markus Gehring

Noch knapp drei Wochen, dann geht es wieder los. Mit wenig Kunden im Salon und mehr Öffnungszeiten. „Wir fangen morgens schon mal eher an und arbeiten mittags durch“, kündigt Martin Demming an. Nach der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown habe man ja nun viele Erfahrungen gesammelt mit dem coronakonformen Umgang mit den Kunden im Salon.

„Wir sind glücklich und die Kunden sind sehr froh“, sieht er dem 1. März genauso sehnsüchtig entgegen wie manche Kunden: „Einige haben echt Not, vor allem aus der älteren Generation.“

Auch bei Ursula Wewers in Oeding steht das Telefon nicht still am Donnerstag. „Ich schreibe auf, was ich kann“, sagt die Oedingerin. Aber unter Vorbehalt: Sie will erst genau wissen, was zu beachten ist im Umgang mit den Kunden. „Ich bin schon gefragt worden, ob denn ein negativer Test mitgebracht werden müsste.“ Da musste Ursula Wewers erst einmal passen direkt am Morgen. Die NRW-Verordnung ist ja auch noch gar nicht veröffentlicht.

Youtube-Videos mit Anleitung sind schon eine Konkurrenz

Sie freut sich, dass viele Kunden den Salons die Treue halten und warten. Schon nach dem ersten Lockdown hat sie wahrgenommen, dass es weniger Kunden geworden sind: „Viele haben sich Maschinen gekauft“, weiß sie, und schneiden selbst. Oder kaufen sich Farbe in Drogerien, schauen Youtube-Videos fürs selber schneiden und färben. Das empfindet Ursula Wewers schon als Konkurrzenz.

„Aber ich will gar nicht alles schlecht machen“, beeilt sich die Oedingerin zu sagen. Sie freut sich auf den 1. März. „Wir tun, was wir können“, blickt sie voraus. Und schließlich habe sie auch viel Dankbarkeit erfahren nach dem ersten Wiedereröffnen. Mal Pralinen, mal mehr Trinkgeld. Öfter auf jeden Fall als Kritik am durch die Corona-Auflagen höher gewordenen Preis.

Umfrage: Wer zeigt seine Corona-Frisur?

Eine kleine Umfrage unter bekannten „Köpfen“ aus Südlohn zu ihren Corona-Frisuren ergab: Bei den meisten wird die Öffnung der Salons sehnsüchtig erwartet. Bürgermeister Werner Stödtke allerdings spricht da mehr für die Allgemeinheit als aus eigener Perspektive. „Wir sind froh, wenn unter vernünftigen Konzepten wieder geöffnet werden kann.“

Corona-Frisur 1: Bürgermeister Werner Stödtke

Bürgermeister Werner Stödtke hat keine Corona-Frisur: Die pflegeleichten
Bürgermeister Werner Stödtke hat keine Corona-Frisur: Die pflegeleichten “und auch wenigen” Haare trimmt seit Jahren schon seine Frau Claudia. © privat © privat

Bürgermeister Werner Stödtke hat keine besondere Corona-Frisur, und das hat einen einfachen Grund: Die pflegeleichten „und auch wenigen“ Haare trimmt seit Jahren schon mit Hilfe eines Haarscheiders seine Frau Claudia.

Corona-Frisur 2: SPD-Fraktionsvorsitzende Sabrina Späker

Sabrina Späker hat den Friseur-Lockdown ergeben hingenommen: „Dann werden die Haare halt länger.
Sabrina Späker hat den Friseur-Lockdown ergeben hingenommen: „Dann werden die Haare halt länger.” © privat © privat

„Ganz große Probleme habe ich nicht mit meinen Haaren. Dann werden sie halt länger und färben tue ich sowieso nicht“, sagt Sabrina Späker. Da haben mein Mann und Sohn eher leichte Probleme. Bei den Kurzhaarschnitten muss bald Hand angelegt werden. Zumindest im Nacken und an den Ohren. „Mal sehen, wann wir uns daran trauen – oder ob die beiden es noch bis in den März schaffen“, blickt die SPD-Fraktionsvorsitzende voraus.

Corona-Frisur 3: Musikschulleiter Markus Wellermann

Zu seiner Corona-Frisur hat sich Musikschulleiter Markus Wellermann noch einen Bart stehen lassen.
Zu seiner Corona-Frisur hat sich Musikschulleiter Markus Wellermann noch einen Bart stehen lassen. Den Vergleich seiner zwölfjährigen Tochter – „Papa – bald siehst du aus wie Beethoven“ – hat er mit Humor genommen. © privat © privat

„Ich bin das lebende Beispiel dafür, dass die Friseure dringend wieder öffnen müssen!“, sagt Musikschulleiter Markus Wellermann. „Zumindest betrifft dies die Haare auf meinem Kopf. Der Bart ist ja nun mal selbstgewählter Wildwuchs“, verrät er. Und er nahm einen Vergleich mit einem bedeutenden Musiker mit Humor: Seine zwölfjährige Tochter meinte kürzlich: „Papa – bald siehst du aus wie Beethoven“.

Corona-Frisur 4: UWG-Fraktionsvorsitzende Karin Schmittmann

Karin Schmittmann hatte während des Friseur-Lockdowns die Vorteile langer Haare.
Karin Schmittmann hatte während des Friseur-Lockdowns die Vorteile langer Haare. “Da reicht zur Not ein Haarband zum Zusammenbinden.” © privat © privat

Der Friseur-Lockdown setzt Karin Schmittmann selbst nicht zu: „Das ist bei mir mit den langen Haaren nicht so tragisch“, sagt sie. Wer eine Kurzhaarfrisur trage, freue sich sicher noch mehr auf die offenen Salons. „Und unsere Jungs auch“, spricht sie für ihre Söhne.

Über die Autorin
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Anne Winter-Weckenbrock

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